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Baugebiete: Landesplanung bremst kleine Gemeinden aus

Grevesmühlen Baugebiete: Landesplanung bremst kleine Gemeinden aus

Der Planungsverband Westmecklenburg will die Entwicklung von Baugebieten forcieren / Kleine Städte und Dörfer geraten dabei ins Hintertreffen

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In Upahl werden mehrere Eigenheime errichtet, der B-Plan für das Areal stammt noch aus den 1990-er Jahren.

Quelle: Michael Prochnow

Grevesmühlen. Der Traum vom neuen Eigenheim, er könnte auf vielen Dörfern in Westmecklenburg bald ausgeträumt sein. Heute entscheidet der Regionale Planungsverband über die künftige Entwicklung der Siedlungsgebiete. Wird die Vorlage unverändert beschlossen, werden vor allem kleine Städte und Dörfer enorme Probleme bekommen, neue Baugebiete zu erschließen. Denn der Plan, der von 2021 bis 2030 gültig sein soll, sieht eine Stärkung der Ober-, Mittel- und Grundzentren vor.

Mittelzentren sind beispielsweise Wismar und Grevesmühlen, Klütz besitzt den Status als Grundzentrum. „Für Grevesmühlen bedeutet das neue Konzept, dass die Stadt ihre Wohngebiete weiter entwickeln könnte, aber für die Gemeinden ringsherum bedeutet es Stillstand“, erklärt Grevesmühlens Bauamtsleiter Lars Prahler, der auch für die Amtsgemeinden zuständig ist. Denn sobald eine Gemeinde ein Baugebiet entwickeln will, braucht sie die Zustimmung der Landesplanung. Und: Sie muss mehrere Kriterien erfüllen. „Die sind allerdings bislang so gehalten, dass zum Beispiel eine Gemeinde wie Warnow kaum eine Chance hätte, neue Bauplätze anzubieten. Und das kann und darf nicht sein“, so Prahler.

Die Stadt Grevesmühlen hat zusammen mit dem Landkreis einen Änderungsbeschluss für die Entscheidung des Planungsverbandes vorbereitet. Darin heißt es: Kommunen können ab jeweils 1000 Einwohnern fünf Wohneinheiten entwickeln, ein Tausch von Kontingenten zwischen Gemeinden ist ebenfalls möglich. Eine Ausnahmeregelung für Kommunen nahe von Landesgrenzen soll ebenfalls eingearbeitet werden.

Für Gägelows Bürgermeister Uwe Wandel ist der Tausch von Kapazitäten unter den Kommunen keine echte Alternative. „Das würde bei uns nicht funktionieren. Wir brauchen als Umlandgemeinde von Wismar andere Lösungen“, fordert er.

Bislang ist es so, dass die Kommunen um drei Prozent (Grundlage sind die vorhandenen Wohnhäuser) wachsen können, egal wie die Bedingungen rundherum sind. Das würde mit der Neuregelung ab 2021 wegfallen, wobei vorhandene Bebauungspläne auch weiterhin Bestand haben. Upahl beispielsweise lässt derzeit ein Wohngebiet bebauen, dessen Planung aus den 1990-er Jahren stammt.

Hintergrund der Beschränkung der Siedlungsentwicklung durch die Landesplanung ist der Wildwuchs an Wohngebieten. Denn die Nachfrage derzeit ist hoch, allein in Grevesmühlen mangelt es an Bauplätzen.

Familien, die sich ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen, weichen bereits nach Upahl oder Schmachthagen aus, wo es derzeit freie Plätze gibt. Noch, denn die Neuregelung würde jegliche Expansion der Dörfer ausbremsen. „Tatsache ist, dass wir mit diesem Konzept nicht agieren können“, so Lars Prahler, der für die Gemeinden eine Auflistung der möglichen Bauplätze ab 2021 aufgestellt hat. Demnach könnte Gägelow Platz für 17 Eigenheime schaffen. Rüting hätte aufgrund seiner Voraussetzungen (Kindergarten, Busverbindung etc.) Potenzial für sechs Bauplätze. In Stepenitztal ist es ähnlich. Alle anderen Dörfer müssten bei Anfragen auf den vorhandenen Wohnraum verweisen.

Und davon dürfte es gerade im ländlichen Raum in den kommenden Jahren reichlich geben. Denn nicht nur im Umland von Grevesmühlen verzeichnen die Immobilienmakler den Trend, dass vor allem ältere Leute vom Dorf in die Stadt ziehen.

Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD) fordert ebenfalls eine Nachbesserung bei der Planung der Siedlungsentwicklung. „Die vorgesehene Konzentration der künftigen Entwicklung auf unsere Zentren ist wichtig, aber gleichzeitig spielt in Nordwestmecklenburg auch der ländliche Raum eine entscheidende Rolle. Er ist für viele, die unsere Landschaft, unsere Natur und die Ruhe lieben und trotzdem die Nähe zur Stadt nicht missen möchten, ein attraktiver Wohnstandort. Unsere Dörfer sollen lebenswert bleiben — dazu braucht es Initiative vor Ort“, betont die Sozialdemokratin. Sie unterstützt den Änderungsantrag, den Lars Prahler vorgestellt hat. „Ich denke, dass wäre ein guter Kompromiss und ich würde mich freuen, wenn unser Antrag eine mehrheitliche Zustimmung in der Verbandsversammlung finden würde.“

Von Michael Prochnow

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