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Berufsschulen kämpfen um ihre Zukunft

Wismar Berufsschulen kämpfen um ihre Zukunft

Berufsschulzentrum, Wirtschaft und Politik fordern Umdenken bei Standortplanung

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Clarissa Brandt und Hannes Schröder sind beide im ersten Lehrjahr zum Tischler. Am Berufsschulzentrum Nord in Wismar absolvieren sie die Theorie. Doch das Interesse der Schulabgänger für die verschiedenen Holzberufe schwankt.

Quelle: Nicole Buchmann

Wismar. Tischler? „Klar“, sagt Hannes Schröder. Der 20-Jährige aus Groß Schwaß bei Rostock reist jeden Tag mit Zug und Fahrrad zum Berufsschulzentrum Nord. Der Großvater war Tischler. Hannes selbst will später ins Produktdesign. Und vorher etwas Praktisches lernen, wie er sagt. Schulleiter Holger Stein nickt. Doch in den Vorjahren sind die Zahlen derer, die sich für eine Ausbildung in Holzberufen entscheiden, gesunken. Das gleiche Bild bei den Metallern und im Kfz-Bereich. Stein sitzt die Mindestschülerzahl pro Klasse – die 20 – im Nacken. Planungsgrößen, Vorgaben – Stein schüttelt den Kopf. So starr dürfe man das nicht sehen, sagt er. „Die Friseure! Denken wir an die Friseure.“ Die Azubis schickt das Ministerium seit vergangenem Sommer an die Berufsschule nach Schwerin. Weil die Mindestschülerzahl in Wismar unterschritten war. In diesem Sommer suchen 24 Friseur-Betriebe in Nordwestmecklenburg einen Berufsschulplatz für ihre Lehrlinge.

Stein appelliert an Landesregierung und Politik gleichermaßen: Weg von detailreichen Planungen auf Grundlage starrer Zahlen hin zu kontinuierlichen, verlässlichen Strukturen. Die fordert auch Peter Todt von der IHK Schwerin. Der demografische Wandel sei längst nicht mehr Thema. Seit 2013 unterschrieben in Westmecklenburg jährlich wieder rund 1500 Azubis ihren Ausbildungsvertrag. Die Zahl der Erstklässler steige Jahr für Jahr, Westmecklenburg als Wirtschaftsstandort wachse. Unternehmen, die sich ansiedeln, wollen auch ausbilden. Weitere Zusammenlegungen dürfe es deshalb aus Sicht der Wirtschaft nicht geben. Und dann, sagt Todt, der bei der IHK für Aus- und Weiterbildung verantwortlich ist, müsse auch mal mit einem Vorurteil aufgeräumt werden. Gerade in einer Ausbildung könnten Schüler mit ganz unterschiedlicher Reife eine Perspektive finden. Da sei für jeden etwas dabei. Todt sieht aber auch die Unternehmen in der Pflicht. Sie müssten das Interesse der jungen Leute an einer Ausbildung wieder wecken. Mit fairen Gehältern und kurzen Wegen zur Berufsschule.

Clarissa Brandt kommt aus Groß Molzahn bei Rehna ans Berufsschulzentrum. Und wohnt damit gerade noch so im Einzugsgebiet des Schulzentrums. Einzugsgebiet – Unfug nennt das Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD). An Landkreisgrenzen haltzumachen, sei einfach nur Unfug. Dass Nordwestmecklenburg seit der Kreisgebietsreform der kleinste Kreis ist und damit ein sehr kleines Einzugsgebiet hat, sorgt auch für niedrige Schülerzahlen. Und sollte für das Bildungsministerium auch weiterhin allein die 20 entscheidend sein, stünden nach den Friseuren die nächsten Ausbildungsgänge zur Disposition.

„Und das ist ganz klar eine Schwächung des Standortes. Ein Nachteil, den wir uns nicht leisten wollen und auch nicht leisten können“, sagt Beyer und setzt seine Hoffnungen auf Holzcluster und Werft.

Dass sich in Schwerin die Verantwortlichen lediglich mit den Zahlen befassen, behagt auch Landrätin Kerstin Weiss (SPD) nicht. Das Berufsschulzentrum sei ein wichtiger Standortfaktor. Zudem hätten Kreis und Stadt immer wieder in moderne Maschinen für Übungszwecke investiert.

Nicht ohne Grund hätten sich Politik und Verwaltung lange vor der Gebietsreform dafür entschieden, die beruflichen Schulen im Kreis und in der Hansestadt zusammenzulegen.

Nicole Buchmann

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