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Grevesmühlen Birgit Hesse: „Inklusion hat auch ihre Grenzen“
Mecklenburg Grevesmühlen Birgit Hesse: „Inklusion hat auch ihre Grenzen“
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00:05 08.05.2017
Birgit Hesse beschäftigte sich fast zwei Stunden mit den Sorgen der Lehrer in Nordwestmecklenburg. Quelle: Foto: S. Winkler
Grevesmühlen

Rund 50 Gäste, der überwiegende Teil Pädagogen aus der Region, kamen am Freitagabend in den Rathaussaal, um mit Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) zu diskutieren. Mehr als anderthalb Stunden dauerte die Fragerunde, in der zahlreiche Themen aufgeworfen wurden. Zum Beispiel:

Inklusion

Keine Experimente in der Schulpolitik, lautete das Motto des ersten Bürgerforums von Birgit Hesse in Grevesmühlen. Doch die Inklusion ist durchaus ein Experiment. Ein ziemlich großes sogar, wie die Ministerin einräumte. „Das Wort löst viele Ängste aus“, so Hesse, die sich für eine Umsetzung mit Augenmaß aussprach. Und sich auch nicht scheute, die Schattenseiten des Projektes anzusprechen.

„Inklusion hat auch ihre Grenzen. Es gibt Schüler, die nicht inklusiv beschult werden können. Das wissen wir, und darauf werden wir auch reagieren. Genauso ist Inklusion nicht nur der Fahrstuhl am Gebäude, Begabtenförderung gehört ebenso dazu wie die Frage, wie viel Personal zusätzlich nötig ist.“ Laut der Ministerin werde noch einige Zeit vergehen, um die Inklusion umzusetzen. „Wichtig ist, dass die Lehrer fortgebildet werden, wir das Thema vernünftig kommunizieren und auch die baulichen Voraussetzungen schaffen.“

Lehrergehälter

Erst vor wenigen Tagen titelte die OSTSEE-ZEITUNG „Lehrer gehören zu den Spitzenverdienern in MV“ und veröffentlichte die Durchschnittsgehälter der Pädagogen. Das nahmen am Freitag die Grundschullehrer zum Anlass, die Ministerin auf die Ungleichbehandlung hinzuweisen. Denn Gymnasiallehrer (A 13) liegen nach wie vor zwei Gehaltsstufen über Grundschullehrern (A 11). Die Anforderungen jedoch seien oftmals ähnlich. „Wir haben das Thema auf dem Tisch“, so Birgit Hesse. „Aber es ist noch zu früh, um darüber zu sprechen.“

Vertretungslehrer

Eberhard Schmidt und seine Frau Renate, beide leben in Arpshagen bei Klütz, sind Pädagogen im Ruhestand. Und dennoch arbeiten sie am Grevesmühlener Gymnasium, weil dort Lehrkräfte fehlen. „Das“, so Eberhard Schmidt, „machen wir auch sehr gern. Aber die Bürokratie ist ein riesiges Problem.“ Denn Schmidt und dessen Frau dürfen zwar regelmäßig arbeiten. Aber es gibt für solche Vertretungsrechte weder Urlaub noch ist die unterrichtsfreie Zeit geregelt. „Und wie lange wir als Vertretungslehrer arbeiten, das wird von Woche zu Woche bekannt gegeben.“ Hesse versprach, sich um den Fall zu kümmern.

Platzbedarf

Die Grundschule am Ploggensee in Grevesmühlen platzt wie viele andere Einrichtungen auch aus allen Nähten. Zu allem Überfluss hat die Diakonie als Betreiber des Schulhorts dort 44 zusätzliche Hortplätze eingerichtet, indem Klassenräume umgewidmet wurden. Zum neuen Schuljahr 2017/18 fehlen jedoch weitere 58 Plätze. Pläne der Stadt Grevesmühlen, an der Schule weitere Räume für den Hort zu nutzen, hat die Lehrerkonferenz mit einem Beschluss abgelehnt. Doch die Pädagogen fürchten, dass die Stadt ihren Beschluss aushebelt. „Das“, so Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler, „soll und wird nicht geschehen. Aber wir haben den Bedarf, und wir müssen schnell reagieren. Wir sind in Gesprächen und ich werde auch weiterhin alle Pläne und Ideen mit den Schulen und den Lehrern besprechen.

Es wird jedenfalls kein Beschluss ausgehebelt.“

Ganztagsschulen

Noch immer können zahlreiche Schüler im Land die Angebote der Ganztagsschulen nicht in Anspruch nehmen. „Natürlich ist es ein Problem, wenn die Angebote am Nachmittag nicht im Heimatort stattfinden, die Eltern arbeiten müssen und keine Buslinie fährt“, sagte Birgit Hesse. „Und genau deshalb müssen wir reagieren. Unser Ziel ist es, zusätzlich 10000 Schülern Zugang zu den Angeboten zu ermöglichen.“ Dafür würden zusätzliche Mittel bereitgestellt. Hilfe hat Hesse auch in Sachen Sportförderung zugesagt. So sollen die umständlichen und schwer zu durchblickenden Anträge und Richtlinien gebündelt werden.

Referendare

650 Referendare befinden sich derzeit in Mecklenburg-Vorpommern in der Ausbildung. Vor einigen Jahren waren es 200. Und trotzdem gibt es Probleme, wie Jörg Bendiks, Student aus Grevesmühlen, gegenüber Birgit Hesse betonte. „Es fehlen Dozenten, die Seminare zum Thema Intrusion reichen lange nicht aus. Wir werden nicht vernünftig vorbereitet auf den Schulalltag.“ Die Ministerin sagte ein Treffen an der Universität zu.

Schulsozialarbeiter und Sekretärinnen

Während die Lehrer beim Land beschäftigt sind, werden die Schulsekretärinnen vom Schulträger, das sind die Kommunen und Landkreise, angestellt. Die Schulsozialarbeiter hingegen sind in der Regel bei freien Trägern, sprich Vereinen, beschäftigt. Birgit Hesse möchte diese Teilung aufheben. „Meine Vision ist es, dass wir alles in die Obhut des Landes nehmen.“

In Sachen „Schulassistenten“ erteilte Hesse den Überlegungen auf Landesebene eine klare Absage. „Aus meiner Sicht ist es nicht notwendig, das Rad neu zu erfinden. Wir müssen unsere Schulsekretärinnen stärken.“

Cap Arcona Denkmal auf dem Tannenberg

Die Stadt Grevesmühlen will die Gedenkstätte zum Untergang der Cap Arcona auf dem Tannenberg neu gestalten. Bei der Katastrophe im Frühjahr 1945 starben 7000 Menschen in der Lübecker Bucht. Doch die Finanzierung der Arbeiten, erste Schätzungen gehen von mehr als 300000 Euro aus, ist unklar. Birgit Hesse erklärte am Freitag, dass sie eine Möglichkeit sehe, über ihr Ministerium einen Teil der Sanierung zu unterstützen. Sven Schiffner, Historiker, Stadtvertreter und Mitglied im Arbeitskreis Cap Arcona, hatte die Ministerin öffentlich um Unterstützung gebeten.

Michael Prochnow

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