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Grevesmühlen Bleibt man Mensch, wenn man Flüchtlingen nicht hilft?
Mecklenburg Grevesmühlen Bleibt man Mensch, wenn man Flüchtlingen nicht hilft?
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00:00 10.06.2016
Renate Schürmeyer und Norbert Koschmieder vom Verein bleib.mensch stellten sich auch kritischen Fragen. Quelle: Annett Meinke

Die zweite Veranstaltung der Talk im Turm-Reihe in der St. Nikolai Kirche am Mittwochabend beschäftigte sich mit dem Thema Flüchtlinge. Pastorin Maria Harder sprach von ihrem Eindruck, dass es mittlerweile viele Menschen gäbe, „die finden, dass dieses Thema in der Öffentlichkeit viel zu präsent ist.“ Dennoch, das fand auch sie, gibt es noch einiges zu besprechen.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde die Frage gestellt, ob man Mensch bleibt, auch wenn man nicht bereit ist, Flüchtlingen zu helfen? Der Name des Grevesmühlener Vereins bleib.mensch, würde nahelegen, dass nur der Mensch sei, der Flüchtlingen hilft.

Norbert Koschmieder, Gemeindereferent der Katholischen Kirche und Mitbegründer des Vereins, erklärte: „Es war nicht unsere Absicht, moralisch zu wirken. Natürlich ist man und bleibt Mensch, wenn man sich nicht mit Flüchtlingen beschäftigen möchte. Es gibt viele Gründe dafür.“

Renate Schürmeyer, ein weiteres Mitglied des Vereins, erklärte, dass es ihr und den anderen Ehrenamtlichen, die Patenschaften für Flüchtlinge übernommen haben, um die Begegnung auf Augenhöhe geht:

„Von Mensch zu Mensch.“ Koschmieder räumte ein, dass es mittlerweile auch „militante Flüchtlingshelfer“ gäbe, die jede Art von anderem Denken als „rechtsradikal und rassistisch“ abwerten würden. Der Verein habe aber keinerlei Interesse daran, mit solchen Links-Ideologen zusammenzuarbeiten. Auf die Frage, wie viel Hilfe Asylantragsteller eigentlich benötigen würden, sagte Koschmieder: „Unser Motto ist, so viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Es ginge vor allen Dingen darum, Ansprechpartner zu sein, um den Ankommenden den Einstieg in das Leben in Deutschland zu erleichtern. Unter anderem mit Projekten wie der Kleiderkammer, der Fahrradwerkstatt und einem Fahrdienst.

Das Ehepaar Elfriede und Eckhard Bloch, das oft Veranstaltungen der Talk im Turm-Reihe besucht, wollte wissen, wie das mit den Dingen ist, die die Flüchtlinge bekommen. „Stimmt es“, fragte Elfriede Bloch, „dass Flüchtlinge alles hinterher geschmissen bekommen?“ Koschmieder und Schürmeyer erklärten, dass das gerade nicht so sei. „Sie bekommen sogar weniger als den Sozialhilfesatz, weil sie in Raten erst einmal das abzahlen müssen, was sie als Erstausstattung erhalten.“ Das sind ein Blechschrank, Blechkochgeschirr und Besteck, ein Bett, Bettwäsche, Kühlschrank, Herd, Waschmaschine.

Gefragt wurde auch nach dem Umgang der Flüchtlinge mit dem Geld. Koschmieder räumte ein, dass einige ihr erstes Geld schnell ausgegeben hätten, dann aber nicht etwa einfach neues bekämen, sondern lediglich einen Vorschuss auf die nächste Rate. „Sie lernen dann ziemlich schnell, wie die Preise hier sind und wie mit dem Geld umzugehen ist.“

Erfreulich sei für ihn, so Koschmieder weiter, dass er immer wieder erlebe, dass Menschen, die zunächst skeptisch oder gar ablehnend den Flüchtlingen in ihrer Nachbarschaft gegenüberstünden, schnell eine Akzeptanz, sogar Zuneigung zu ihnen fassen würden. „Ideologen allerdings“, räumte er ein, „kann man nicht erreichen.“

Annett Meinke

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