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Bleibt Wichmannsdorf im Regen stehen?

Boltenhagen Bleibt Wichmannsdorf im Regen stehen?

Bauausschuss diskutiert umstrittenes Thema nichtöffentlich. Bisher gibt es kein Konzept für die Entwässerung.

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Brigitte Kelling veranschaulicht, wie groß das 60-Zentimeter-Rohr wäre, das unmittelbar neben ihrem Garten verlaufen soll.

Quelle: Ulrike Oehlers

Boltenhagen. Es war wohl ein Versehen, dass in der amtlichen Bekanntmachung des Amtes Klützer Winkel auch die Tagesordnungspunkte des nichtöffentlichen Teils der Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Boltenhagen am Dienstag abgedruckt war. „Vorstellung Planungskonzept Niederschlagswasserentwässerung Ortslage Wichmannsdorf“ lautet das Thema, über das diejenigen, die es betrifft, auch gerne informiert worden wären. „Wie kann ein so wichtiger Punkt in den nichtöffentlichen Teil geschoben werden?“, fragt Brigitte Kelling aus Wichmannsdorf.

Der Ausschussvorsitzende Wilfried Nix (CDU) räumt ein: „Diese Frage hatte ich mir auch gestellt.“ Als Einwohner von Wichmannsdorf müsse er bei diesem Punkt ohnehin seine Befangenheit erklären und möglicherweise während der Diskussion den Raum verlassen. Die Entscheidung, welche Themen im nichtöffentlichen Teil einer Sitzung behandelt werden, treffe das Amt, so Nix. Maria Schultz, Leiterin des Fachbereichs Bau- und Ordnungswesen im Amt Klützer Winkel, erklärt: „Der Zweckverband stellt vor, welche Varianten es gibt. Verschiedene Dinge müssen erst zwischen dem Zweckverband und der Gemeinde geklärt werden. Dies betrifft auch privatrechtliche Angelegenheiten. Es wird kein Beschluss gefasst, das passiert im öffentlichen Teil.“

Marion Schlender, Sprecherin des Landesinnenministeriums, verweist auf Paragraf 29 der Kommunalverfassung, in der es heißt: „Die Öffentlichkeit ist auszuschließen, wenn überwiegende Belange des öffentlichen Wohls oder berechtigte Interessen Einzelner es erfordern.“ Sie fügt hinzu: „Eine einzelfallbezogene Beurteilung kann nur in umfassender Kenntnis des vollständigen Sachverhalts durch die zuständige untere Rechtsaufsichtsbehörde erfolgen.“

Petra Rappen, Sprecherin des Landkreises, erklärt: „An die untere Rechtsaufsichtsbehörde wurde wegen der Tagesordnung des Bauausschusses keine Anfrage gerichtet.“

Brigitte und Klaus Kelling setzen sich schon seit Jahren für ein zeitgemäßeres Entwässerungssystem ein, nicht zuletzt, weil der Flächennutzungsplan für Wichmannsdorf eine weitere Bebauung vorsieht, durch die weitere Flächen versiegelt werden und die für die Versickerung von Regenwasser dann wegfallen. Die Straße nach Wichmannsdorf hinein führt bergab. Der Ortsteil von Boltenhagen liegt in einer Senke des Klützer Baches. Dort hinein wird das Regenwasser geleitet, eine kanalisierte Entwässerung gibt es hier nicht.

„Warum gab es bisher immer noch keine Einwohnerversammlung zu dieser Problematik?“, will Brigitte Kelling wissen. Der amtierende Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) verweist auf die ebenfalls beim Landkreis angesiedelte Untere Wasserbehörde.

„In der Vorlage der Unteren Wasserbehörde wird nur das halbe Dorf entwässert, der Rest wird außen vorgelassen“, kritisiert Brigitte Kelling. Als sie und ihr Mann 1986 ein Einfamilienhaus an der einzigen Straße durch Wichmannsdorf bauten, gab es dort neben dem alten Gutshaus nur noch ein gutes Dutzend weitere. Nach der Wende wurde viel neu gebaut und Boden versiegelt. Das Regenwasser wird über Gräben vom höchsten Punkt an der Klützer Straße bis hinab in den Klützer Bach geleitet. Zwei Teiche fangen das Wasser zunächst auf, bevor es in einen Graben fließt, der an zwei Seiten um das Grundstück der Kellings herumfließt.

„Der Graben war anfangs nur ein Rinnsal“, Brigitte Kelling deutet auf das Rohr, das aus der Erde herausragt und dessen Durchmesser ungefähr halb so groß ist wie der 60-Zentimeter-Durchmesser des nach ihren Informationen künftig vorgesehenen Rohres. „Wenn dort Wasser reinkommt, spült es uns alles weg“, befürchtet die 53-Jährige. Ihr Mann ergänzt: „Das ist keine Lösung für eine Ortsentwässerung im 21. Jahrhundert.“ Das Ehepaar fordert, bei der Planung den gesamten Bereich zu betrachten. „Jedes neue Wohngebiet kriegt Rückstauhaltebecken“, sagt Brigitte Kelling. „Für uns ist wichtig, dass das Regenwasser nicht mehr in diesen Graben eingeleitet wird.“ Wie Petra Rappen erklärt, liegen Planung und Umsetzung der Ortsentwässerung von Wichmannsdorf nicht in der Zuständigkeit der Unteren Wasserbehörde. „Zuständig ist die Gemeinde Ostseebad Boltenhagen beziehungsweise der von ihr beauftragte Zweckverband Grevesmühlen.“Die Untere Wasserbehörde habe eine wasserrechtliche Erlaubnis erteilt. „Die Maßnahmen zur geordneten Ableitung des Niederschlagswassers wurden jedoch bis heute nicht durch die Gemeinde umgesetzt.“ Nunmehr notwendige Veränderungen würden zwischen der Gemeinde, dem Zweckverband und der Unteren Wasserbehörde erörtert. Bisher habe die Gemeinde jedoch keine Änderung der bestehenden Erlaubnis beantragt. Es liege noch kein einheitliches Konzept zur Niederschlagswasserbeseitigung vor.

Es gab keine Anfrage an die Rechtsaufsicht.“Petra Rappen, Kreissprecherin

 

Ulrike Oehlers

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