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Geburtstagsgrüße vom Ordnungsamt

Boltenhagen Geburtstagsgrüße vom Ordnungsamt

Boltenhagen: Anwohner beklagen sich über Kontrollen des Landkreises. Private Gäste mussten Ausweise zeigen.

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Günter Reichwaldt hatte zu seinem Geburtstag Besuch, der über Nacht blieb. Die Gäste wurden kontrolliert und befragt.

Quelle: Ulrike Oehlers

Boltenhagen. Günter Reichwaldt ist empört. Als er und seine Frau ihren Hauptwohnsitz im vergangenen Jahr von Lüneburg nach Boltenhagen verlegten, ahnten sie nicht, dass ihr neues Wohnhaus an einer Stelle steht, die er als „berühmt berüchtigste Straße an der Ostseeküste“ bezeichnet: In der Straße Am Reek hatte das Ehepaar auf einem 540 Quadratmeter großen Grundstück im straßenseitigen Teil ein Einfamilienhaus von 115 Quadratmetern gebaut und im hinteren Bereich ein Gästehaus mit 105 Quadratmetern.

Die Vermietung von Objekten an Feriengäste ist in diesem Bebauungsplangebiet untersagt. Der Landkreis führt Kontrollen durch und verhängt Bußgelder. Auch die Reichwaldts bekamen bereits Besuch von der Behörde. Beide Male hat es eine Geburtstagsgesellschaft getroffen, schildern sie. Sylvia Reichwaldt feierte Ende Juli ihren 58. Geburtstag und hatte Familienangehörige und Freunde eingeladen, die im Gästehaus übernachteten. Ihr Mann wurde in der vergangenen Woche 60. „Meine Gäste waren auch ein paar Tage länger da“, sagt der Forstbeamte, der vor zwei Monaten in den Ruhestand ging.

Beide Male hätten anschließend Vertreter des Landkreises geklingelt und sich die Ausweise der Gäste zeigen lassen. „Nun wird also aktenkundig gemacht, dass sie hier waren. Sie mussten Auskunft darüber erteilen, wie lange sie zu bleiben gedenken und was der Anlass ihres Besuchs ist“, schildert Reichwaldt. „Mancher Besucher wurde so eingeschüchtert, dass er künftig einer Einladung zu uns nicht mehr nachkommen möchte. Doch auch wir müssen unsere Gewohnheiten ändern. Wenn wir heute Besuch bekommen, müssen wir zu unserem eigenen Schutz unsere Gäste zuallererst in Boltenhagener Verhaltensregeln einweisen. Gäste müssen realisieren, bei jederzeit möglichen Kontrollen unbedingt darauf zu verweisen, dass sie Besucher sind, die zu uns im Verwandt- oder Bekanntschaftsverhältnis stehen oder aber mit uns befreundet sind. Keinesfalls darf ein Hinweis auf Urlaub, Ferien oder Freizeit gegeben werden, auch wenn sie mehrere Tage bei uns verweilen.“

Er fügt hinzu, dass sie unter anderem regelmäßig Besuch ihrer vier erwachsenen Kinder erhielten. Seine Frau, die Reha-Beraterin bei der Rentenversicherung war und „aus dem Berufsleben ausgestiegen“

ist, ergänzt, dass ein Sohn im Haus schräg gegenüber wohnt. Das Haus gehöre ihnen ebenfalls, das Obergeschoss sei dauerhaft an eine Frau vermietet, deren Gäste in der vergangenen Woche auch kontrolliert worden seien. Sylvia Reichwaldt berichtet, sie sei auf die Kontrollen aufmerksam geworden, weil es schon am ersten Haus „lautstark“ zugegangen sei.

„Das ist kein Zuckerjob für unsere Kontrolleure“, macht Kreissprecherin Petra Rappen deutlich. Doch wer in diesem B-Plan-Gebiet an Feriengäste vermiete, handele nun einmal illegal, „dazu gibt es einen höchstrichterlichen Spruch. Man kriegt keine Ordnung rein, wenn man nicht auch kontrolliert“. Dies sei Aufgabe des Ordnungsamtes, das sich in der Vergangenheit durchaus auch schon die Unterstützung der Polizei geholt habe. Wer nur Gäste zu Besuch habe, müsse natürlich mit keinen Konsequenzen rechnen, versichert sie.

Es gebe keineswegs nur Beschwerden von Eigentümern, die kontrolliert worden seien. Umgekehrt gebe es auch immer wieder Hinweise auf Feriengäste, denen die Kreisverwaltung dann nachgehe. „Die Vermieter zeigen sich gegenseitig an“, stellt Petra Rappen fest und merkt an, dass es aus Sicht von Immobilienbesitzern, die dauerhaft am Reek wohnen, untragbar sei, inmitten von Urlaubern zu leben, die naturgemäß eine andere Einstellung beispielsweise zu nächtlicher Ruhe hätten.

Günter Reichwaldt hingegen ist der Ansicht, dass „Mitarbeiter einer Kreisverwaltung die Persönlichkeitsrechte ihrer Bürger mit Füßen treten“. Er und seine Frau würden in ihrem eigenen Gästehaus „eine Vermietung nicht ausschließen, wenn es zulässig wäre und das Haus gerade frei ist“. Beide sind sich einig, dass sie nicht in diese Straße gezogen wären, wenn sie von der Problematik vorher gewusst hätten.

Nun wird also aktenkundig gemacht, dass sie hier waren.

Günter Reichwaldt, Anwohner der Straße Am Reek

 

Ulrike Oehlers

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