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Gefährliches Radeln auf der Ostseeallee

Boltenhagen Gefährliches Radeln auf der Ostseeallee

Anordnung des Landkreises: Radfahrer dürfen in Boltenhagen die Fahrbahn der Hauptstraße nutzen / Bürgermeister sieht Gefahren

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Eigentlich gilt für Radfahrer eine Benutzungspflicht des Rad- und Gehwegs. Das will der Landkreis ändern.

Quelle: Fotos: Malte Behnk

Boltenhagen. Das Ostseebad Boltenhagen steckt seit einigen Tagen voll in der Sommersaison. Das zeigt sich auch am Verkehr auf der Ostseeallee, der einzigen Durchgangsstraße des Ortes. „Zwei Fahrzeuge passen knapp aneinander vorbei. Wenn dann noch Radfahrer auf der Straße fahren, ist das sehr gefährlich“, sagt Busunternehmer Steffen Beckert aus Boltenhagen.

 

OZ-Bild

Jetzt im Sommer herrscht viel Betrieb auf der Ostseeallee. Zwischen parkenden und fahrenden Autos bleibt kaum Platz für Radfahrer.

Quelle:

Allerdings scheint es von der Unteren Verkehrsbehörde des Landkreises durchaus gewollt zu sein, dass Radfahrer jetzt auch die Fahrbahn der Ostseeallee nutzen. Der Gemeinde wurde bereits im März eine Anordnung zugestellt, die das besagt.

Die Beschilderung des gemeinsamen Fuß- und Radwegs entlang der Ostseeallee und auch an der Klützer Straße soll von der Gemeinde geändert werden. Sie soll die runden blauen Schilder, die einen Fußweg ausweisen, aufstellen – mit dem weißen Zusatzschild, dass Radfahrer ihn mitbenutzen dürfen. Bislang galt durch die Beschilderung eine Pflicht, den Fuß- und Radweg mit dem Fahrrad zu nutzen.

Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) ist verärgert über diese Anordnung des Landkreises. „Wir werden dagegen Widerspruch einlegen“, sagt er. „Der kombinierte Rad- und Fußweg an der Ostseeallee ist sicher nicht optimal, speziell in der Hauptsaison und direkt im Zentrum“, sagt er. „Aber der Weg ist mit dem Ausbau der Ostseeallee vor 20 Jahren gefördert worden. Da war alles mit dem Landkreis abgestimmt und es gab weder größere Probleme noch Unfälle“, argumentiert Schmiedeberg. „Ich kann den Landkreis nur davor warnen, jetzt Radfahrer auf die Straße zu schicken.“

In der Vergangenheit habe es zwar immer wieder einmal Beschwerden gegeben, weil es auf manchen Wegen eng wird, wenn sich Fußgänger und Radfahrer begegnen. Unter anderem nutzen immer wieder Radfahrer die Strandpromenade, obwohl dort das Fahrradfahren eigentlich verboten ist. „Es hat sich aber eine gewisse Toleranz untereinander eingespielt“, sagt Schmiedeberg mit Unverständnis für die Anordnung des Landkreises. „Ich rate jedem, der mit dem Fahrrad in Boltenhagen fährt, die vorhandenen Wege zu nutzen, auf denen Radfahren erlaubt ist“, sagt der Bürgermeister. „In Bereichen, in denen es mal etwas voller ist, muss man dann eben für ein paar Meter absteigen und schieben. So können Eltern ihren Kindern ganz praktisch die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr beibringen“, sagt Schmiedeberg. Zum Schutz aller Verkehrsteilnehmer im Ostseebad will er auf jeden Fall Rechtsmittel gegen die Entscheidung der Unteren Verkehrsbehörde einlegen.

Die hatte die Situation in Boltenhagen überprüft, nachdem ein Radfahrer gegen das bestehende Nutzungsverbot der Fahrbahn Widerspruch eingelegt hatte. Bei der Überprüfung ergab sich, dass ein Verbot der Benutzung der Fahrbahn für Radfahrer nicht mehr zeitgemäß sei. Laut einer Richtlinie ist die vorhandene Beschilderung unzulässig, weil ein Fahrzeugaufkommen von bis zu 1000 Autos pro Stunde nicht erreicht wird. Verkehrszählungen in 2010 hatten ergeben, dass innerhalb von 24 Stunden aus Klütz kommend 5980 Fahrzeuge und aus Wohlenberg kommend 3907 Fahrzeuge die Ostseeallee nutzen.

„Durch die neue Beschilderung wird eine Vermeidung von Konfliktsituationen im Fahrrad- und Fußgängerverkehr und damit eine Erhöhung der Sicherheit erwartet“, informiert der Landkreis.

Die Gemeinde Ostseebad Boltenhagen sei zu der Absicht, die Beschilderung zu ändern, bereits am 1. März angehört worden, heißt es zudem vom Landkreis. Darauf habe die Gemeinde lediglich mit einem Antrag auf Fristverlängerung reagiert, sich aber nicht mehr geäußert. „Sollte die Gemeinde tatsächlich Rechtsmittel gegen die verkehrsrechtliche Anordnung einlegen, hätte hierüber nach einer nochmaligen Prüfung durch die Untere Verkehrsbehörde des Landkreises das Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern zu entscheiden“, heißt es vom Landkreis.

Bisherige und geforderte Beschilderung

Verkehrszeichen 240 (Gemeinsamer Geh- und Radweg): Fußgänger und Radfahrer müssen diesen Weg benutzen. Für andere Verkehrsteilnehmer ist er verboten. Mofas dürfen geführt werden.

Rad- und Mofafahrer müssen aber auf Fußgänger Rücksicht nehmen.

Verkehrszeichen 239 : Der Weg darf nur als Gehweg von Fußgängern genutzt werden. Ausgenommen sind Rad fahrende Kinder bis 10 Jahre. Durch ein weißes Zusatzschild kann der Gehweg auch für Radfahrer freigegeben werden.

Malte Behnk

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