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Gemeinsamer angstfreier Blick in die Zukunft

Boltenhagen Gemeinsamer angstfreier Blick in die Zukunft

Paar aus Münster initiiert in Boltenhagen Kurs für Paare, die von multipler Sklerose betroffen sind. Die Teilnehmer urlauben dafür hier.

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Feldenkrais-Pädagogin Vera Lämmerzahl (3. v. r.) mit den Paaren, die am Kurs für MS-Betroffene teilnahmen. Fotos (3): Ulrike Oehlers

Boltenhagen. Die fünf Paare, die in dieser Woche im evangelischen Familienferiendorf zusammengekommen sind, haben eine besondere Gemeinsamkeit: Jeweils einer der Partner leidet unter multipler Sklerose (MS). Hertha Vagts-Bade (56) und Dr. Thomas Bade (58) aus Münster haben einen Kurs für die Gruppe initiiert, dessen Inhalt sie selbst entwickelt haben. „Wir haben gemerkt, dass es zwar jeweils für Betroffene und für Angehörige Veranstaltungen gibt. Aber keine Angebote für Paare“, sagt Hertha Vagts-Bade, die als Rechtsanwältin für Familienrecht eine eigene Kanzlei führt. Ihr Mann ist Facharzt für Neurologie, psychosomatische Medizin und Schmerztherapie sowie ehrenamtlicher Leiter einer MS-Angehörigengruppe. Er betont aber, dass er nicht wegen seines Berufs an der Gruppe teilnehme, „sondern als Ehemann“. Beide haben für den Aufenthalt an der Ostsee regulär Urlaub genommen.

Das Familienferiendorf haben sie durch eigene frühere Urlaubsaufenthalte kennengelernt und als rollstuhlgerechte Unterkunft als ideal für ihr Projekt befunden. Mit an Bord ist die Feldenkrais-Pädagogin Vera Lämmerzahl.

Der dreitägige Kurs besteht aus inhaltlicher Arbeit im Wechsel mit körperlicher Arbeit nach der Feldenkrais-Methode. Speziell für Paare geht es um „Ressourcen, um den Alltag bewältigen zu können. Um den Austausch, einen angstfreien Blick in die Zukunft und die Entwicklung von gemeinsamen Plänen“, fasst Hertha Vagts-Bade zusammen.

Der Kurs fand in dieser Woche zum dritten Mal in Boltenhagen statt. Der Kontakt zu den vier anderen teilnehmenden Paaren kam über die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft zustande, die die Idee des Ehepaars aus Münster an mögliche Interessenten weitergeleitet hatte. „Es können sehr gerne auch Leute aus der hiesigen Region teilnehmen“, sagt die Organisatorin. Sie reserviert vorab eine Unterkunft für bis zu acht Paare.

Andreas Mühlenkamp (49) und Eva-Maria Ams (55) aus Westfalen sind schon zum dritten Mal dabei und schätzen den intensiven Austausch unter einer bestimmten Fragestellung. So waren alle Paare aufgerufen, jeweils in einem gemeinsamen Bild darzustellen, aus welchen Ressourcen sie im Alltag Kraft schöpfen. Einzeln und gemeinsam.

Für Hans-Georg Löser (80) aus dem Kreis Pinneberg, dessen Frau Sigrid (58) seit 13 Jahren unter MS leidet, war unter anderem „der Gedanke an die Zukunft“ wichtig und die Frage, „welche Dinge man bei voranschreitender Erkrankung braucht“. Willi Dowidat (64) aus dem Teuteburger Wald konnte bei dem Treffen beispielsweise darüber sprechen, dass er als Liebhaber ausladender Spaziergänge nun nicht mehr in Begleitung seiner an MS erkrankten Frau Angelika (59) losmarschieren kann. Er erhielt die Anregung, künftig einerseits seinen eigenen Bedürfnissen im Alleingang nachzugehen und die kurzen Gänge mit seiner Frau als „Gehmeditation“ zu betrachten, wie Vera Lämmerzahl erklärt.

Sie bezeichnete das Kurs-Angebot als „wichtig und wesentlich — die intensive Beschäftigung mit Wünschen, Träumen, Realitäten. Da wächst etwas zusammen, Schweres wird abgeworfen, ein Prozess in Gang gesetzt. Dabei helfen die anderen Paare“.

Kontakt zu Hertha Vagts-Bade ist möglich unter ☎ 02 51/21 78 22.

Multiple Sklerose (MS) und Feldenkrais
Die multiple Skleroseist eine chronisch-entzündliche Entmarkungserkrankung des zentralen Nervensystems, deren Ursache noch nicht geklärt ist. Sie ist nicht heilbar, der Verlauf kann jedoch durch verschiedene Maßnahmen oft günstig beeinflusst werden. Sie führt nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen.

Die Feldenkrais-Methode ist nach ihrem Begründer Moshé Feldenkrais benannt. Im Mittelpunkt stehen Bewegungsmuster, die den Lebensalltag eines Menschen prägen. Die Methode will befähigen, über die Wahrnehmung von Bewegungsabläufen die Bewusstheit zu erweitern und größere sensomotorische Differenziertheit zu erlangen.

 

 

Ulrike Oehlers

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