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Geschichten und Interviews rund um Schloss Bothmer

Geschichten und Interviews rund um Schloss Bothmer

Das Buch von Dorian Rätzke bietet einen gut lesbaren ersten Einblick. Einzig die zahlreichen Originaldokumente wirken fehl am Platz.

Die Auswahl an Büchern über Schloss Bothmer ist begrenzt. Der im Juli erschienene Band von Dorian Rätzke füllt eine Marktlücke und bietet auch tatsächlich einen guten ersten Einblick in die Geschichte und Geschichten rund ums Schloss. Alles andere als ein trockenes Fachbuch reißt es viele Themen an. Mehr ließe sich auf 200 locker beschriebenen Seiten, auf denen auch noch zahlreiche Fotos abgebildet sind, auch nicht unterbringen. Hinzu kommt, dass auf Seite 138 schon der Anhang beginnt, der aus zahlreichen abfotografieren Dokumenten besteht, die an dieser Stelle aus dem Zusammenhang gerissen wirken. Viele Schriftstücke in heute nicht mehr lesbarer Schrift, etwa ein Schreiben von Hans Caspar Graf zu Bothmer von 1726 oder der Diensteid von Schloss-Architekt Johann Friedrich Künnecke, haben zweifelhaften Nutzen für den Leser. Hier wäre es angenehmer gewesen, die Geschichte zum Schriftstück erzählt zu bekommen. Das gilt auch beispielsweise für die abfotografierte Lohnbescheinigung von 1973. Stattdessen findet sich nur ein kurzer Bildtext: „DDR-Alltag: Niedrige Miete, niedriger Lohn“.

Das erste Kapitel geht der Frage nach, wie der Schlosserbauer Graf Hans Caspar zu Bothmer ausgerechnet auf Klütz kam. Der Autor weiß als jahrelanger Bild-Redakteur, wie Texte spannend werden.

Den Lesefluss stören dabei aber die teilweise recht langen Zitate aus Originaldokumenten, die zudem in authentischer Schreibweise wiedergeben werden. Ein Beispiel: „Bothmer erinnert sich: ,Die Begihrde, so ich zum Krige hatte, vermehrte sich, wie ich denselben etwas näher sah; mein Vatter wolte mich ihr aber nicht folgen lassen, sondern begehrte, ich solte auf Universiteten zihen.‘“ In welcher Form der Schlossherr seine Erinnerungen zu Papier brachte, bleibt unklar. Quellenangaben gibt es nicht, auch keine weiterführenden Literaturhinweise.

Das zweite Kapitel widmet sich dem Architekten und ein paar Anekdoten aus der Zeit des Schlossbaus: „Künnecke beschäftigt sich mit jedem Detail, überlässt nichts dem Zufall. Die Kombination der einzelnen Gebäude zu einem harmonischen Komplex, der insgesamt 200 Meter lang ist, gelingt am Ende vortrefflich. Sechs Jahre dauert der aufwändige Bau — für damalige Verhältnisse eine relativ kurze Zeit.“

Dieser Stil ist gängig, und auch im dritten Kapitel geht es trotz trockenen Materie flüssig weiter. Das Majorat wird erklärt — Erb-Vorrecht des ältesten männlichen Nachkommen — und warum Sophie, die einzige Tochter den Familiensitz nicht bekommt. Und dann ist es erst einmal genug mit der ganz alten Historie.

Jetzt geht es um den Park und die „legendäre Festonallee“: „Aber die Linden mit ihrem betörenden Duft brachten nicht nur Freude. Als 1952 die südlich vom Schloss verlaufende Allee in etwa 5 m Höhe gekappt werden sollte, kam es zu einem tödlichen Unfall. Einer der Holzarbeiter, die die Bäume zum Teil per Hand kappten, fiel von der Leiter. Eine Tragödie, die vielleicht hätte verhindert werden können. Jahre später nämlich wurde das Linden-Kappen von Fachleuten angezweifelt.“ Rätzke hat Wolfgang Kaletta aus Klütz getroffen, den Schlossgärtner, der zu DDR-Zeiten für freiwillige Arbeitsdienste im Schlossgarten warb. Und springt dann im fünften Kapitel zum fünften Majoratsherrn — „aber das birgt Zoff“, denn Graf Felix kann sich erst im Prozess durchsetzen. Der Wechsel zwischen den Epochen lockert den Überblick enorm auf. Das gilt auch für die Mischung aus historischen und aktuellen Fotos.

Kapitel sechs erwähnt die Dreharbeiten der Ufa im Jahr 1943, die vom Krieg überrollt wurden. Im Schloss rücken Flüchtlinge zusammen. Es enthält ein Interview des Autors mit Margarete Bentz, Jahrgang 1921, von März 2013. Sie war das letzte Zimmermädchen der Bothmers, die zum Zeitpunkt des Interviews im Altersheim in Klütz lebte. Im April 2012 entstand das Foto von Kastellan Wiebke Schöne mit einer Kanne aus der Bothmerschen Silberschatz, die bei Sanierungsarbeiten am Schloss gefunden wurde. In den folgenden Kapiteln gibt es weitere Interviews: mit Renate Peth, die als Leiterin der DRK-Seniorenwohnanlage in Klütz das Erbe des Vaters übernahm, der zu DDR-Zeiten das im Schloss untergebrachte „Kreis-Feierabendheim Clara Zetkin“ leitete. Mit Gerhard Rappen, 1. Stellvertreter der Landrätin, über den schwierigen Rückgabeprozess, nachdem das Schloss für nur eine Mark an die vermeintlichen Investoren Dr. Wulf Hartmann und Dr. Petra Hartmann-Laugs verkauft worden war. Mit Steffen Siefert, Projektleiter für die Sanierung und Restaurierung. Und abschließend mit Hubertus Graf von Bothmer, Jahrgang 1943, Vorsitzender des Familienverbands, den er in dessen Wohnhaus im niedersächsischen Lauenbrück besucht hat.

Das Buch: Dorian Rätzke: Schloss Bothmer. Legenden und Wahrheiten, 200 Seiten mit vielen Fotos, ISBN: 978-3-937723-14-3, 15,90 Euro.Ulrike Oehlers

 

OZ

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