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„Ich will doch nur Pommes verkaufen“

Gollwitz „Ich will doch nur Pommes verkaufen“

Die Poelerin Ulrike Heyen kämpft für ihren Imbiss und gegen den Behörden-Dschungel

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Gollwitz. Ulrike Heyen hat Existenzängste. Die Poelerin kämpft um ihren Strandimbiss in Gollwitz auf der Insel Poel. Sie versucht sich im Behörden-Dschungel aus Forstamt, Naturschutzbehörde und Bauamt des Landkreises und Gemeinde Insel Poel zu erwehren.

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Die Poelerin Ulrike Heyen kämpft für ihren Imbiss und gegen den Behörden-Dschungel

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Strandkörbe und Imbiss

3 bewirtschaftete Strände gibt es auf der Insel Poel: Am Schwarzen Busch, in Timmendorf und in Gollwitz. Hier können Strandkörbe gemietet werden, Imbissmöglichkeiten stehen zur Verfügung. Am Schwarzen Busch und in Timmendorf werden die Strände im Sommer von der DLRG bewacht. Beliebt ist auch der Naturstrand in Hinter Wangern.

Viele Jahre war das egal

2016 lief in der ersten Saison von Ulrike Heyen alles glatt. 15000 Euro habe sie in den Imbisswagen und die 15 Strandkörbe investiert. Von der Gemeinde hatte sie eine Nutzungsgenehmigung für fünf Jahre erhalten. Imbiss und Kassenhäuschen für die Strandkörbe standen dort, wo ihre Vorgänger seit etwa 20 Jahren standen: zwischen Strand und Küstenwäldchen. Ende 2016 kam das drohende Aus. Der Standort war nicht mehr erlaubt, der Kampf gegen die Behörden begann und setzt sich bis heute fort. „Ich will doch nur Pommes verkaufen“, sagt Ulrike Heyen. Ihre Nerven liegen blank, Tränen kullern.

„Ich bin froh, dass ich über den Winter gekommen bin. Das ist meine Existenz oder soll ich gleich Hartz IV beantragen?“

Eigentümer ist das Land

Der Imbiss steht auf einer Fläche, die dem Land gehört. Die Gemeinde hatte wie in all den Jahren zuvor eine Nutzungsgenehmigung ausgestellt. Schließlich ist die Ostseegemeinde an einer Strandversorgung in Gollwitz interessiert. Innerhalb der Landesbehörden hat es wechselnde Zuständigkeiten gegeben. Der Bereich mit dem Küstenschutzwald wird vom Forstamt Bad Doberan bewirtschaftet.

Das verweist auf das Waldgesetz und den Mindestabstand von 30 Metern. Dass in diesen 30 Metern der Imbiss steht, hat früher nie interessiert. Jetzt doch. Das Forstamt hat den Imbiss moniert.

Daraufhin hat die Gemeinde die Genehmigung zurückgezogen.

Suche nach einem Kompromiss

Das Forstamt hat für 2017 das Okay für den Imbiss-Standort gegeben. Vorausgegangen war ein vor-Ort- Termin mit Behördenvertretern. Ergebnis: Pappeln im Imbiss-Bereich wurden gefällt, damit sie bei Sturm Besuchern nicht auf den Kopf fallen können. Forstamtsleiter Hartmut Pencz spricht von einer Übergangszeit. Warum in den letzten Jahren daran niemand Anstoß genommen hat und warum der Standort nicht auch künftig genutzt werden kann, dazu möchte sich der Forstamtsleiter nicht äußern. Nur so viel: „Das ist eine lange und komplexe Geschichte und letztlich ein noch schwebendes Verfahren.“

Landkreis: „gesetzwidrig“

Der Landkreis Nordwestmecklenburg macht der Imbissbetreiberin für den jetzigen Standort keine Hoffnung. Für das Betreiben einer Verkaufseinrichtung am Strand/Küstenbereich bedarf es „grundsätzlich einer Genehmigung“, heißt es auf OZ-Anfrage. Landkreis-Sprecherin Petra Rappen: „Frau Heyen ist nicht im Besitz einer Genehmigung und betreibt diese Verkaufseinrichtung gesetzwidrig. Eine nachträgliche Genehmigung einer Verkaufseinrichtung an diesem sensiblen Standort hat keine Aussicht auf Erfolg, da sich dieser Standort sowohl im Küstenschutzbereich und im Waldabstandschutzbereich befindet sowie dem Flächennutzungsplan der Gemeinde Ostseebad Insel Poel entgegen steht.“

Ein anderer Standort?

Ulrike Heyen würde auf die gegenüberliegende Fläche mit Grillplatz umziehen. Doch auch hier erklärt der Kreis knallhart, dass dort die gleichen Ablehnungskriterien zutreffen.

Im Gespräch ist eine Fläche am Feldrand. Diese lehnt Ulrike Heyen ab. Sie sei zu weit weg vom Strand und den Strandkörben. Der Landkreis erachtet diese als genehmigungsfähig. Ulrike Heyen müsse aber einen Bauantrag stellen.

Nun doch Ostern

Eigentlich wurde der Verkauf erst ab dem 15. Mai erlaubt. Für Ulrike Heyen ein Tiefschlag: „Warum bekomme ich nur Steine in den Weg gelegt. Das ist ein Saisongeschäft. Wenn ich Ostern nicht öffnen kann, bin ich ruiniert.“ Am letzten Freitag ein Oster-Lichtblick. Heyen: „Ich bin so happy.“ Doch die Freude wird nur kurz währen. Der Kreis teilt mit: „Einer Nutzung der Verkaufseinrichtung zu den Osterfeiertagen und für die bevorstehende Saison vom 15. Mai bis zum 15. September 2017 hat der Landkreis letztmalig zugestimmt.“ Das lange Wochenende am 1. Mai zum Beispiel ist damit futsch.

Zwischen Baum und Borke

Die Gemeinde hatte im Januar 2016 die Genehmigung für den Verkaufswagen und das Kassenhäuschen erteilt. Monate später erhielt die Gemeinde Poel durch das Forstamt Bad Doberan den Hinweis, dass der Betrieb des Kassenhäuschens mit Imbiss an dem vorgesehenen Standort gegen das Landeswaldgesetz verstößt (30 Meter Mindestabstand).

Daraufhin hat die Gemeinde Ulrike Heyen mitgeteilt, dass der Standort nicht mehr möglich ist. Bürgermeisterin Gabriele Richter (ptl.): „Wir sind an einem Kompromiss interessiert. Früher hat sich niemand für die Fläche interessiert.“ Monika Seitz, stellvertretende Bürgermeisterin, spricht „von einer Verkettung unglücklicher Umstände“.

Ulrike Heyen sieht sich zwischen all den Stühlen sitzen: „Eine Behörde weiß von der anderen nichts.“ Kurzfristig hofft sie ab Karfreitag auf ein florierendes Ostergeschäft in Gollwitz, damit der Auftakt auch Geld in die Kasse bringt. „Und ich will eine langfristige Lösung!“

Inzwischen ist ihr Kampf bis zum Bürgerbeauftragten des Landes und bis Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) vorgedrungen.

Heiko Hoffmann

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