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Kahlschlag am Acker sorgt für Unmut

Rolofshagen Kahlschlag am Acker sorgt für Unmut

An mehreren landwirtschaftlichen Flächen im Klützer Winkel wurden Hecken gestutzt / Die Maßnahmen rufen Kritik hervor / Doch die Arbeiten sind notwendig für die Pflege

Rolofshagen. „Bewohner im Klützer Winkel wundern sich derzeit“, beginnt Norbert Leide sein Schreiben an die OZ. „Über Aktivitäten eines landwirtschaftlichen Industriellen, der mit Unterstützung des Umweltamtes eine eigene Auslegung der Heckenschutzverordnung hat.“ Leide ist der Ärger in seinen Zeilen anzumerken. Der Gostorfer spricht die Schnittarbeiten an, deren Spuren aktuell an so manchen Ackerrändern in der Region zu sehen sind – an Flächen, die von Landwirt Bernhard Reemtsma bewirtschaftet werden.

Zum Beispiel auf dem Weg zwischen Rolofshagen und Kussow: Von einer durchgehenden Feldhecke kann hier keine Rede mehr sein. Mittendrin ist ein Einschlag vorgenommen, die Bepflanzung bis auf den Boden heruntergesägt worden. Es lugen Holzstümpfe aus der Erde, Gehölz liegt am Straßenrand, Müll kommt zum Vorschein.

Leide ist dieser Anblick ein Dorn im Auge. Er spricht von der Wegnahme von ganzen Kilometern zu Zwecken der sogenannten „Hackschnitzelerzeugung“. Das geschnittene Holz soll Landwirt Reemtsma als Rohstoff für ein Fernwärmekraftwerk auf dessen Gut Groß Walmstorf dienen. Und dass das Umweltamt dafür grünes Licht gibt, erschüttert den Mann aus Gostorf. Die Behörden würden „Gewinnerzielungsabsicht über Umweltschutz“ stellen. Das Amt sei damit mitverantwortlich für die Zerstörung von Lebensräumen einheimischer Singvögel und natürlicher Schneebarrieren. „Herr Reemtsma macht, was er will“, hadert Leide.

Doch die kritisierten Schnittarbeiten sind notwendig, betonen der Landkreis und auch der Naturschutzbund (Nabu). Beide verweisen auf den Feldheckenerlass für Mecklenburg-Vorpommern. Darin ist niedergeschrieben, dass Feldhecken in regelmäßigen Abständen – etwa alle zehn bis 15 Jahre – durch „Auf-den-Stock-Setzen“ zurückgeschnitten werden. „Aus naturschutzrechtlicher Sicht ist die Pflege nötig, weil sich die Hecken sonst zu einer Baumreihe auswachsen“, erklärt Martin Bauer vom Nabu MV. Er begrüßt die Arbeiten an den Ackerflächen. „Es gab großen Pflegenotstand. Wir sollten froh sein, dass es jemand macht“, so Bauer. Dass der Kahlschlag „rabiat“ wirkt, sei normal. „Es sieht immer sehr offen aus, wenn die Hecke auf den Stock gesetzt worden ist.“

Die Verwaltung von Reemtsmas Gut in Groß Walmstorf ist von der Kritik überrascht. „Wir nehmen die Maßnahmen nach Regeln des Feldheckenerlasses vor und bewegen uns in diesem Rahmen“, sagt Betriebsleiter Hinrich Junkelmann stellvertretend. Die Arbeiten seien in Abstimmung mit den jeweiligen Bürgermeistern und dem Amt Klützer Winkel sowie in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde durchgeführt worden. „Die Hackschnitzel werden nun selbst für die Fernwärme genutzt oder verkauft“, so Junkelmann. Weitere Pflegemaßnahmen sind erst einmal nicht geplant, denn diese sind nur bis Mitte März erlaubt. „Für diese Saison war es das. Im Spätherbst schauen wir dann, wo Arbeiten nötig werden und wo die Gemeinden Bedarf anmelden“, erklärt Junkelmann.

Genehmigungen braucht es für derartige Pflegearbeiten nicht. „Wenn die Fachstandards beachtet werden, bedarf der Rückschnitt der Gehölze innerhalb der Feldhecken keiner Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde“, teilt Kreissprecherin Petra Rappen mit. Es sei aber für eine Reihe von Landwirtschaftsbetrieben in Nordwestmecklenburg geübte Praxis, dass geplante Maßnahmen mit der Behörde abgestimmt werden. Das sei in den zurückliegenden Wochen auch passiert – unter anderem für die Arbeiten zwischen Rolofshagen und Kussow und auch für die Gemeindestraße von Moor in Richtung Roggenstorf. „Die Untere Naturschutzbehörde hat in der Regel auch keine Kenntnis davon, wie das anfallende Ast- und Strauchwerk verwendet werden soll. Eine zweckmäßige Nutzung der Biomasse ist jedoch einer Entsorgung vorzuziehen“, heißt es vom Landkreis.

Zu vorgenommenen Schnittmaßnahmen an einem dritten Standort liegen den Behörden dagegen bisher keine Informationen vor. Am Abzweig Gostorf nach Moor sind ebenfalls Hecken gestutzt und sogar ein massiver Baum abgesägt worden, wie Leide berichtet. „Das Abkneifen ganzer Bäume mit über 20 Zentimeter Stammdurchmesser scheint niemanden zu beunruhigen“, meint er. Die Untere Naturschutzbehörde will sich nun vor Ort einen Überblick verschaffen. Doch auch hier sei keine Genehmigung notwendig, betont der Kreis. Dass auch Bäume im Zuge der Heckenpflege weichen müssen, ist laut Martin Bauer vom Nabu nichts Ungewöhnliches: „Es ist normal, dass mal der ein oder andere Baum aus einer Reihe rausgenommen wird.“

Daniel Heidmann

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