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Messerattacke: Täter verurteilt

Klütz Messerattacke: Täter verurteilt

Ingo S. soll feiernde Nachbarn in Klütz auf der Straße angegriffen haben. Alkohol war auch im Spiel.

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„An der Bamburg“ in Klütz kam es in der Silvesternacht zum Streit.

Quelle: Michael Prochnow

Klütz. War es einfach nur eine Verkettung unglücklicher Umstände, die aufgrund von Alkohol zu Missverständnissen führte? Oder war Ingo S. tatsächlich in der Silvesternacht von 2013 auf 2014 durchgedreht und mit einem Messer auf Nachbarn in Klütz losgegangen? Das konnten selbst Amtsrichter Hinrich Dimpker und auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft aufgrund der Zeugenaussagen mehr als ein Jahr nach dem Vorfall nicht genau feststellen.

Was war geschehen? Verschiedene Nachbarn eines Mehrfamilienhauses in Klütz hatten zusammen den Jahreswechsel von 2013 auf 2014 gefeiert und waren kurz nach Mitternacht zum Zünden von Feuerwerk vor die Tür gegangen. Dabei hielten sie sich nicht vor dem eigenen, sondern vor dem Hauseingang des Angeklagten auf. Der sei mit seinem von ihm getrennt lebenden heute sechsjährigen Sohn wütend dazugekommen, habe einer Frau ihr Feuerwerk aus der Hand geschlagen und wild gebrüllt, bevor er mit seinem Kind im Haus verschwand.

Kurz danach, so verschiedene Zeugenaussagen, sei er mit einem großen Küchenmesser in der Hand direkt hinter Claudia K. aufgetaucht, die im Hauseingang stand. „Ich war sehr erschrocken, als ich das Messer sah, und bin etwas vorgesprungen, um meine Tochter zu beschützen“, sagte die 49-Jährige aus. „Dann sind die Jungs schon auf ihn los und haben ihn zu Boden gebracht“, schilderte sie, was nur wenige Sekunden gedauert haben soll. Als Jungs bezeichnete sie Rene G. und dessen Bruder Daniel. Der hatte, im Rollstuhl sitzend, offenbar versucht, den Angeklagten zu Boden zu reißen. Das schaffte schließlich Rene G., der Ingo S. in den Schwitzkasten nahm und zu Boden rang. Dabei, so sagte Claudia K., habe der Angeklagte immer wieder versucht, auf G. einzustechen. „Es war ein totales Durcheinander, jeder hat geschrien oder geheult“, beschrieb Claudia K. die Szene in der Silvesternacht in Klütz.

Rene G. wurde von Richter Hinrich Dimpker gefragt, welchen Eindruck er von dem Angeklagten hatte, als der mit dem Messer auftauchte. „Ich hab‘ gedacht, so etwas dürfte doch nicht frei rumlaufen“, antwortete der 30-Jährige. Die Zeugen machten unterschiedliche Angaben, wen der Angeklagte mit dem Messer angreifen wollte. Einerseits fühlte sich Claudia K. als erste bedroht, anderen Aussagen zufolge sei S. auf Rene G. losgegangen.

Der Angeklagte selber konnte zur eigentlichen Tat nicht viel erklären. Er schilderte, dass seinem Sohn die Knallerei vor dem Haus zu viel geworden sei und er ihn deswegen in die Wohnung gebracht habe. Dass er dabei die feiernden Nachbarn angeschrien haben soll, bestreitet Ingo S. nicht. Auf dem Weg in die Wohnung will er dann das alte DDR-Küchenmesser mit Holzgriff auf einer Treppenstufe gefunden haben. „Weil ja noch andere Kinder im Haus wohnen, wollte ich es auf den Briefkasten am Hauseingang ablegen“, schilderte er seine Erinnerung. Im Eingangsbereich angekommen, habe er sofort Schläge abbekommen. Dass sich Nachbarn von ihm und dem Messer bedroht fühlten, erinnert er nicht. „Ich weiß nur, dass ich das Messer draußen fallen gelassen habe“, sagt der Angeklagte.

Seine Erinnerungslücken könnten auf die Alkoholisierung an dem Abend zurückzuführen sein. „In der Blutprobe wurden bei Ihnen 1,97 Promille Alkohol festgestellt. Das ist ganz schön viel“, sagte Richter Hinrich Dimpker. „Das sind mehr als zwei Promille zur Tatzeit.“ Ingo S. erklärte, dass er Alkoholiker sei und an dem Silvesterabend einen von mehreren Rückfällen seit einer Therapie im Januar 2013 gehabt habe. Zuvor sei er zwei bis drei Monate trocken gewesen.

Nach den verschiedenen Zeugenaussagen kam Richter Hinrich Dimpker zu dem Schluss: „Das Ganze scheint ein großes alkoholbedingtes Missverständnis zu sein.“ Dimpker begründete, dass der Angeklagte das gefundene Messer ja auf den Briefkästen ablegen wollte. Verteidiger Alexander Adam ging noch weiter. „Erst hatten die anderen den Eindruck, er sei ein Täter. Dann ist er selber in die Rolle des Opfers geraten“, war seine Einschätzung. Dem widersprach die Vertreterin der Staatsanwaltschaft allerdings. „Es war schon sehr starker Tobak. Er hat die Leute in Angst und Schrecken versetzt“, schätzte sie die Situation ein.

Richter, Verteidiger und Staatsanwältin einigten sich darauf, dass Ingo S. 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten muss. Er hatte die Nachbarn zwar ordentlich erschreckt. Es war aber nur zu unerheblichen Verletzungen gekommen.

Ich weiß nur, dass ich das Messer draußen fallen gelassen habe.“Ingo S., Angeklagter

 



Malte Behnk

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