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Nach 26 Jahren: Gaststätte „Ostseewelle“ hat ihre Türen für immer geschlossen

Niendorf Nach 26 Jahren: Gaststätte „Ostseewelle“ hat ihre Türen für immer geschlossen

Inhaber Hans Ulicnik muss das Lokal in Niendorf wegen gesundheitlicher Probleme aufgeben

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Hans Ulicnik musste die Gaststätte „Ostseewelle“ in Niendorf wegen gesundheitlicher Probleme schließen. Er hatte sie zusammen mit Hartmut Kroll seit 1990 betrieben.

Quelle: Foto: Daniel Heidmann

Niendorf. Gründlich streicht Hans Ulicnik mit einem dunklen Handtuch über den Tresen. Dabei schaut er nachdenklich in den leeren Raum vor sich. „26 Jahre, das müssen andere erst einmal versuchen“, sagt er. Seine Worte hallen einen Augenblick durch den Saal. Dann wendet er sich wieder den Aufräumarbeiten zu.

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Inhaber Hans Ulicnik muss das Lokal in Niendorf wegen gesundheitlicher Probleme aufgeben

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Seit 1990 hat Ulicnik in Niendorf zusammen mit seinem Freund Hartmut Kroll (56) die Gaststätte „Ostseewelle“ betrieben. Das angebotene Mecklenburger Essen, der Partyservice und die zahlreichen Feiern erfreuten sich großer Beliebtheit. Das ist nun vorbei. Ulicnik und sein Partner haben die Gaststätte abgegeben. Der Betrieb wurde bereits zum 19. Dezember eingestellt. Zum 1. Januar ist jetzt auch die Gewerbeerlaubnis erloschen. Eine Ära ging zu Ende.

„Ich kann einfach nicht mehr“, erklärt Ulicnik. Gesundheitliche Probleme machen dem langjährigen Kneiper zu schaffen. Seine Wirbelsäule lässt langes Stehen nicht mehr zu. Auch das Laufen fällt ihm schwer. „Es tut weh, schließen zu müssen“, betont der 65-Jährige. „Doch wenn es gesundheitlich nicht mehr geht, sollte man aufhören. Diesen Entschluss haben Hartmut und ich jetzt gefasst.“ Ab sofort möchte Ulicnik zusammen mit seiner Frau und der Schwiegermutter den Ruhestand genießen.

Für die Gäste sei der Entschluss eine traurige Nachricht gewesen. Doch sie hätten auch mit Verständnis reagiert. „Ich denke, dass die Leute in all den Jahren zufrieden waren. Unseren Stammgästen möchte ich für ihre Treue danken“, betont Ulicnik. Rückblickend will er sich nicht auf eine Feier oder Veranstaltung festlegen, die ihm besonders in Erinnerung geblieben ist. „Die Partys waren alle gut“, sagt der langjährige Inhaber mit einem Lächeln. Er hat dabei auch schon mal selbst auf dem Tisch das Tanzbein geschwungen. „Die Arbeit hat Spaß gemacht“, so Ulicnik rückblickend.

Die Gaststätte „Ostseewelle“ ist eine Erfolgsgeschichte. Dabei war Ulicnik zur Wendezeit ein unerfahrener Quereinsteiger in der gastronomischen Branche. Denn eigentlich ist der Niendorfer gelernter Agrartechniker, der später in der DDR als Kraftfahrer unterwegs war. Doch die Wende bedeutete das Ende der LPG, in der er damals angestellt war. Die triste Arbeitslosigkeit drohte und so nahm er sein Glück selbst in die Hand. Doch wie viele andere in den Westen zu gehen, kam für Ulicnik nicht in Frage. Zusammen mit seinem Freund Hartmut Kroll, einem Koch, eröffnete er auf dem Gelände des ehemaligen Kinderferienlagers in Niendorf das gemeinsame Lokal. „Ich hatte keinerlei Erfahrung, aber ich habe mich reingearbeitet“, sagt der künftige Rentner. Der Standort in unmittelbarer Nachbarschaft zum Campingplatz wird zum Erfolgsfaktor. Im Sommer lernen die Touristen das Bauernfrühstück und den gefüllten Rippenbraten in der „Ostseewelle“ zu schätzen.

Auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hohenkirchen, zu der der Ortsteil Niendorf gehört, habe in den zurückliegenden 26 Jahren gut funktioniert, lobt Ulicnik. „Die Gemeinde war uns immer eine Hilfe.“ Die Bürgermeister hätten auch ab und an zum Essen im Lokal an der Groß Walmstorfer Straße vorbeigeschaut. „Jede Form von Infrastruktur, die verschwindet, ist bedauerlich“, sagt Hohenkirchens amtierender Bürgermeister Jan van Leeuwen (CDU). Die „Ostseewelle“ sei bei so einem langen Bestand eine Institution im Ort gewesen. „Es ist schade, dass sich kein Nachfolger gefunden hat“, so van Leeuwen weiter. Allerdings sei im Lokal auch ein wenig die Zeit stehen geblieben, die Entwicklung verpasst worden. Beispielhaft dafür steht das Gebäude, an dem einige Arbeiten notwendig sind. „Der Baukörper muss saniert werden“, sagt van Leeuwen. Die Räume und die Fläche gehen nun zurück an die Gemeinde Hohenkirchen. Was künftig mit dem Areal passiert, stehe aber noch nicht fest. „Das ist noch nicht endgültig entschieden. Wir machen uns da auch keinen Druck. Schließlich muss dort etwas folgen, das langfristig Bestand hat“, betont der Bürgermeister. Hans Ulicnik bereut an seiner Entscheidung, im Jahr 1990 den riskanten Quereinstieg zu wagen, nichts. Nur eines hätte er besser gemacht: „Leider haben wir uns ,Ostseewelle’ damals nicht sichern lassen. So konnte später auch ein Radiosender den Namen annehmen“, sagt Ulicnik mit einem Schmunzeln. Dann schließt er die Tür zur Gaststätte ab – für immer.

Daniel Heidmann

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