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Neue Anlage für edle Schnäpse

Klütz Neue Anlage für edle Schnäpse

Johann Volk brennt jetzt in Klütz Hochprozentiges mit ganz viel Fruchtaroma

Klütz. Edle Brände aus Klütz: Johann Volk strahlt über das ganze Gesicht – mit einer neuen Brennanlage im Keller der Alten Molkerei an der Lübecker Straße in Klütz hat er seine Edelbranddestillerie vervollständigt.

 

OZ-Bild

Johann Volk vor der neuen Brennanlage der Mosterei und Brennerei in der Alten Molkerei in Klütz. Sie ermöglicht dem Unternehmen eine größere Vielfalt im Spirituosensortiment.

Quelle: Foto: Malte Behnk

„Wir können jetzt völlig mengenunabhängig produzieren“, sagt Volk über die große, 300 Liter fassende, Schauanlage mit viel Kupfer und Edelstahl. Zudem gebe es mit der neuen Anlage viel weniger Aromaverlust beim Herstellen der verschiedenen Obstbrände. „Gerade machen wir einen Quittenbrand“, sagt Johann Volk, der Brand wird nach einigen Stunden durch die Abfüllrohre in spezielle Behälter fließen.

Seit November hat er eine große Brennanlage in einem neu ausgebauten Kellerraum eingerichtet, der in der Molkerei früher für die Herstellung von Butter genutzt wurde. „Mit dieser Anlage erreichen wir einen Alkoholgehalt von 76 bis 82 Prozent“, erklärt Johann Volk. Die neue Anlage verfüge über mehrere Stufen, so dass nur ein einziger Brennvorgang notwendig sei, was das Aroma des Schnapses positiv beeinflusse, so Volk.

Hergestellt werden die Obstbrände fast ausschließlich aus Früchten, die Johann Volk aus der Region angeliefert bekommt. Vielfach wird aus ihnen zunächst Saft in der hauseigenen Mosterei hergestellt.

„Wir kaufen nur ganz wenig von woanders ein. Das ist dann zum Beispiel Rieslingtrester, den ich hier ja nicht bekomme.“ Einiges kauft er auch gezielt in der Umgebung ein. „Bei Anette Lesser in Kalkhorst kaufe ich zum Beispiel Himbeeren und anderes Obst. Demnächst möchte ich aus Hohen Schönberg Getreide beziehen“, berichtet er. Aus dem Biogetreide soll dann ein Klützer Whisky entstehen.

„Dafür musste ich aber eine spezielle Lizenz beantragen“, weist Johann Volk auf die Formalien im Brennereiwesen hin. Er hat die Erlaubnis, sowohl Obst, als auch mehlige Produkte zu verarbeiten. Vor allem kann er aber jetzt alle Produkte seiner Brennerei komplett selber herstellen.

Bis die neue Anlage im vergangenen Jahr kam, wurden lediglich Geiste in Klütz gebrannt. „Zwetschge und Williamsbirne haben wir da noch fremd brennen lassen. Jetzt machen wir das auch selber und es sind schon Holunder, Mispel, Quitte, Boskop und Ontario-Apfel dazugekommen, wir planen noch einen weiteren Birnenbrand“, gerät Johann Volk ins Schwärmen.

Doch dann kommt er wieder zur Bürokratie. Denn, nicht zu übersehen, steht ein großer Käfig direkt neben der glänzenden Brennanlage. Darin stehen große, runde Edelstahltanks und an einer Tür hängt ein großes Vorhängeschloss mit einer Plombe. „Das ist der sogenannte Verschlussbereich, den darf nur der Zoll öffnen“, erklärt Volk.

Sobald die Tanks in dem Käfig voll sind, muss er den Zoll einladen, um alles zu kontrollieren. „Danach darf ich die Brände dann in ein Steuerlager, einen speziellen Raum hier im Keller, umlagern.“

Dort stehen die Schnäpse dann in großen Glasballons, nur durch die Beschriftung oder den Geruch zu unterscheiden.

Von diesem Steuerlager aus werden dann die eigentlichen Flaschen abgefüllt und die Brände auf ihren Verkaufs-Alkoholgehalt verdünnt.

Beim Verkauf wird es dann auch für Johann Volk richtig teuer. Denn er muss die Branntweinsteuer abführen. „Pro Liter Alkohol, der aus der Brennanlage kommt, werden 13,03 Euro Branntweinsteuer fällig“, nennt er auch gleich einen Grund dafür, dass seine Produkte zum Teil wesentlich mehr kosten, als Schnaps aus dem Supermarktregal. Ein weiterer Grund sei, dass in der Klützer Brennerei mit höheren Fruchtgehalten gearbeitet werde als in der Industrie. „Für 50 Liter trinkfertigen Obstbrand habe ich einen Fruchtaufwand von 600 bis 700 Euro“, sagt Volk. „Aber als kleine Manufaktur muss man mindestens so gut wie andere Manufakturen sein – auf jeden Fall aber viel besser als die Industrie.“

Ein weiterer Grund für die höheren Preise ist das Personal. „Ich habe drei Mitarbeiter und in der Saftsaison noch weitere Helfer, sie sollen einen vernünftigen Lohn haben. Auch den Helfern zahle ich nicht den Mindestlohn, sondern zehn Euro die Stunde.“

Einer der festen Mitarbeiter ist Michael Bruno (26), der eigentlich Schlosser gelernt hat. Mit seinen Fähigkeiten kann er die Brennanlagen bis in ihre Einzelteile zerlegen, säubern und warten. „Das macht viel Spaß, und ich würde auch gerne mitbrennen“, sagt er. Doch dazu muss er erst noch Fortbildungen besuchen. Danach kann er sich dann auch kreativ einbringen und neue Schnäpse kreieren. Ganz speziell findet sein Chef Johann Volk einen Nussbrand. „Dafür haben wir die Nüsse geröstet, das ist jetzt wie eine Haselnusstafel“, sagt er lachend. Sein Lieblingsschnaps aus der eigenen Produktion ist derzeit ein Mispelbrand.

Verkauft werden die Brände und Geiste der Klützer Edelbranddestillerie hauptsächlich im eigenen Laden. Aber auch viele Restaurants und Hotels haben die Schnäpse wie auch die Säfte in ihrem Sortiment.

„Und es gibt einzelne Geschäfte in Hamburg, Bremen und Leipzig, die unsere Produkte verkaufen“, sagt Johann Volk. Das sei hauptsächlich durch Urlauber entstanden, die eine Führung durch die Mosterei und Brennerei erlebt haben. „Diese Führungen werden jetzt auch immer mehr gebucht“, freut sich Volk über das Interesse an seiner Leidenschaft.

Destillerie punktet mit einer eigenen Schauanlage

Die Klützer Edelbrand Destillerie betreibt zwei Destillen, eine Geist-Anlage, am 15. Dezember 2016 wurde eine Verschlussbrennerei als Schauanlage eröffnet.

In einem kleinen Hofladen in der Alten Molkerei (Lübecker Straße) werden hauseigene, sortenreine Direktsäfte sowie Trockenobst, Marmeladen, Obst-Brände und Liköre angeboten. Jeder Einwohner kann bei Interesse sein Obst zum Lohnmosten bringen. Verarbeitet werden dort Mengen ab 75 Kilogramm.

Die Betreiber des Klützer Kunst- und Kulturhauses „Alte Molkerei“ pachteten den Obstgarten von Schloss Bothmer. Vor allem aus den dort geernteten Äpfeln wird in der hauseigenen Mosterei seit einiger Zeit Bio-Saft produziert. Auch einige Obstbrände und -geiste haben dort ihren Ursprung.

Informationen: alte-molkerei-kluetz.de

Malte Behnk

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