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Polizei nimmt Flüchtlingen die Angst

Klütz Polizei nimmt Flüchtlingen die Angst

Bei einem Besuch in der Unterkunft in Klütz stellen die Beamten ihre Arbeit vor und geben Verkehrsschulung

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Oberkommissar Hans-Jürgen Schröder (59) von der Polizei Wismar und Mohammad aus Syrien nach der 45-minütigen Schulung.

Quelle: Kay Steinke

Klütz. Herzliche Szenen in der alten Kita in Klütz: Nachdem Oberkommissar Hans-Jürgen Schröder seinen Lehrgang mit den Flüchtlingen beendet hat, kommen die Zuhörer lächelnd auf ihn zu. Dankesworte in verschiedensten Sprachen schwirren durch den Raum. Der Beamte aus Wismar ist sichtlich beeindruckt von der Situation. Die Flüchtlinge schütteln Schröder die Hand, klopfen ihm anerkennend auf die Schulter. Der Syrer Mohammad will ein ganz besonderes Andenken. Er lässt sich zusammen mit dem 59-jährigen Polizisten fotografieren. Mohammad schnappt sich kurzerhand die Dienstmütze und setzt sie sich auf. Ein Lachen schallt durch den Raum. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. „So soll es sein“, sagt schließlich Hans-Jürgen Schröder und lächelt.

OZ-Bild

Bei einem Besuch in der Unterkunft in Klütz stellen die Beamten ihre Arbeit vor und geben Verkehrsschulung

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Die Polizei Wismar hatte in der alten Kita in Klütz eine Grundsatzschulung durchgeführt. Dabei wurde den Flüchtlingen die Arbeit und Funktion der deutschen Polizei nähergebracht. Außerdem nutzten die Beamten den Besuch, um wichtige Aspekte der Verkehrssicherheit zu erklären. „Die Menschen nehmen solche Veranstaltungen total gut auf“, resümiert Hans-Jürgen Schröder. Die Bewohner seien sehr wissbegierig. „Sie wollen so viel wie möglich über das Leben in Deutschland lernen“, so der Präventionsberater.

Dazu gehört auch, dass die Polizei in der Bundesrepublik nichts sei, wovor man sich fürchten müsse. Viele Flüchtlinge haben in ihren Herkunftsländern oder auf der Flucht jedoch ganz andere Erfahrungen gemacht. „Sie sollen erkennen, dass sie bei Uniformen nicht gleich in Deckung gehen müssen“, sagt Andrea Flindt vom Malteser Hilfsdienst, Träger der Klützer Unterkunft. Die Polizei zeigte dafür das Video „Im Dienste für die Menschen“ auf Arabisch. In fünf Episoden werden darin die Themen Verkehrsunfälle, Wohnungseinbruch, Jugendkriminalität, häusliche Gewalt und Polizei im Dialog vorgeführt. „Damit wollen wir Ängste nehmen und zeigen, dass die Polizei hilft, wenn jemand in Not ist“, erklärt Oberkommissar Schröder, der bereits seit mehr als 27 Jahren in der polizeilichen Präventionsarbeit tätig ist.

Auf dem Hof der Unterkunft haben derweil die Flüchtlingskinder dazugelernt. Die Beamtinnen Angelika Becker und Ines Buchholz haben einen Parcours aufgebaut, den die kleinen Teilnehmer mit Laufrädern, Rollern und Fahrrädern absolvieren. Dabei gilt es, Slalom durch Pylonen zu fahren sowie bei Fußgängerüberwege und roten Ampeln zu stoppen. „Der Verkehr soll auf spielerische Art und Weise erklärt werden“, sagt Angelika Becker. Die 54-Jährige mimt auf der Strecke immer wieder die Fußgängerin am Zebrastreifen. „Die Kinder scheinen so einen Fußgängerüberweg aus ihren Ländern nicht zu kennen“, erzählt die Beamtin. Doch der Nachwuchs würde schnell lernen, wie sie sich an dieser Stelle zu verhalten haben.

Auch die Erwachsenen haben theoretische Nachhilfe bekommen, denn viele der aktuell 34 Bewohner der Klützer Unterkunft sind oft mit Fahrrädern in der Region unterwegs. „Einige jagen hier schon mal zügig durch den Ort“, berichtet Andrea Flindt. Auch Ausflüge nach Boltenhagen sind beliebt. Doch weil mit dem Beginn der Tourismussaison auch der Verkehr zunehme, sei es wichtig zu schulen. Denn den Flüchtlingen unterlaufen unwissentlich gefährliche Fehler. „Sie benutzen häufig die falsche Straßenseite“, erzählt Hans-Jürgen Schröder. Einige müssten erst mit dem Rechtsverkehr vertraut gemacht werden. Auch Radwege seien oft unbekannt. Manchmal paare sich die Unerfahrenheit mit Leichtsinn. „Rote Ampeln werden gern mal missachtet, weil sie das nicht anders kennen“, so Schröder.

Radwege waren auch für Hussein Hamdan etwas völlig Neues. Der 25-Jährige ist gebürtiger Palästinenser und hat in Syriens Hauptstadt Damaskus seinen Doktor in Medizin gemacht. Dann flüchtete er vor dem Bürgerkrieg. „Es gibt nicht so viele Unterschiede. Aber hier in Deutschland gibt es ein paar mehr Verkehrsregeln zu beachten. Rechts vor links kannte ich bislang nicht“, erklärt er in fließendem Englisch. Dafür sei der Verkehr in Klütz aber deutlich überschaubarer als in der Millionenstadt Damaskus. „Wir fahren hier auch viel zum Spaß umher“, erzählt Hamdan, der in Zukunft gern in Hamburg als Mediziner arbeiten möchte. „Ich habe dort Verwandte.“

Ein Bild von der Veranstaltung machte sich auch der Klützer Bürgermeister Guntram Jung (CDU). „Es ist eine sinnvolle Aktion, um zu zeigen, dass die Polizei in einem demokratischen Land auch wirklich dein Freund und Helfer ist“, sagt er. Zudem konnten sich Flüchtlinge, Veranstalter und Ehrenamtler bei einem abschließenden Picknick austauschen. „Eine wichtige Sache für die Integration“, lautet das Fazit des Bürgermeister.

• Video: www.ostsee-zeitung.de

Von Daniel Heidmann

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