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Unbeliebtes Seegras sinnvoll nutzen

Boltenhagen Unbeliebtes Seegras sinnvoll nutzen

Ostseebäder haben Probleme mit angeschwemmtem Material / Lösungssuche über Landesgrenzen hinweg

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Zwischen 4000 und 8000 Tonnen Seegras werden jährlich in Boltenhagen angeschwemmt und in der Saison vom Strand geräumt.

Quelle: Malte Behnk

Boltenhagen. Unliebsames Seegras einfach mal am Fuß der Düne vergraben oder einen Streifen zwischen Straße und Radweg damit auffüllen – solche Möglichkeiten, das immer wieder an den Strand geschwemmte Material loszuwerden, findet Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) nachahmenswert.

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Ostseebäder haben Probleme mit angeschwemmtem Material / Lösungssuche über Landesgrenzen hinweg

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Vorgestellt wurden ihm diese Vorgehensweisen beim „Treibsel-Symposium“ der Küsten Union Deutschland und des Verbands Mecklenburgischer Ostseebäder in Boltenhagen. Vertreter aus Ostseebädern in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die ein Problem mit der Entsorgung des angeschwemmten Seegrases haben, tauschten sich dort aus. „In Schleswig-Holstein haben die Kommunen anscheinend mehr Spielraum im Umgang mit dem Seegras“, sagte Schmiedeberg. Unter anderem sprach er die Schilderungen von Michael Packschies von der Abteilung Naturschutz der Stadt Eckernförde an. Er hatte berichtet wie erfolgreich eine Düne am Strand mit Seegras und Sand aufgefüllt wurde und schnell bewachsen war. Somit helfe das Seegras beim Küstenschutz.

„Das könnte ich mir bei uns auch vorstellen. Vielleicht wäre so eine Nutzung des Seegrases auch für den Bau unserer Dünenpromenade interessant“, sagte Schmiedeberg. Aufgrund der großen Mengen – in Boltenhagen werden pro Jahr zwischen 4000 und 8000 Tonnen Seegras-Sand-Gemisch vom Strand transportiert – müsse die Gemeinde aber auch nach anderen Möglichkeiten suchen.

Eine Chance sieht Christian Schmiedeberg nach wie vor in der Nutzung durch die Landwirtschaft. Dazu erklärte beim Symposium Johanna Zieger, im Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern zuständig für Abfallwirtschaft, dass das angeschwemmte Material grundsätzlich in Äcker eingebracht werden darf. Entscheidend dabei sei aber eine Aufnahme des Materials mit möglichst wenig Sand vom Strand.

Außerdem gebe es die Vorgabe, das Material durch Kompostierung oder Vergärung zu behandeln. „Dafür kann es aber eine Befreiung geben, wenn das Material mehr oder weniger direkt nach der Aufnahme an Landwirte übergeben wird“, so Zieger.

Fakt ist: Seegras am Strand stört viele Urlauber. Allerdings interessiert sie auch, wie es vom Strand geräumt und dann entsorgt wird. Das ergab eine Befragung der Gäste in den Ostseebädern an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, die im Symposium vorgestellt wurde. Die Befragung zeigte auch: Kleinere Mengen des angespülten Materials würden die Gäste kaum stören, weil der Strand dadurch natürlicher wirkt.

Christian Schmiedeberg hält es auch für sinnvoll, Gäste in Boltenhagen noch besser über das Seegras und sein Vorkommen in der Ostsee zu informieren. Dazu kann eine Untersuchung der Uni Rostock zu den Seegrasbeständen beitragen. „Wenn unser Seegras mal eine sinnvolle Verwendung findet, könnte man vielleicht sogar damit werben“, sagte Schmiedeberg. So nahm am Symposium auch die Biologin Christel Dötsch-Jutsch teil, die Seegras zur Herstellung von Kosmetik nutzt. „Den Gästen, die sich vor dem Seegras am Strand ekeln, könnte man erklären, dass daraus etwas Gutes für die Haut entsteht“, ist ein Gedanke des Bürgermeisters.

In Boltenhagen wird das Seegras-Sand-Gemisch gesiebt, um den abgetragenen Sand wieder zurück an den Strand zu bringen. Vor dem Hintergrund möchte sich der Bürgermeister weiter mit Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein austauschen, was Teilerfolge und weitere Vorgehensweisen angeht.

Auf der Insel Poel wurde für das Seegras eine Siloanlage für rund 100000 Euro umgebaut, wie Kurdirektor Markus Frick berichtete. Der ausgesiebte Sand werde auch dort an den Strand zurückgebracht.

Die pflanzlichen Bestandteile nimmt die Firma Hanseatische Umwelt zur Herstellung von Bodenhilfsstoffen ab. Mit der Hochschule Wismar arbeitet die Kurverwaltung auf Poel an einer Nutzung des Seegrases in Biogasanlagen. Aber bei der Suche nach Entsorgungsmöglichkeiten seien die Kommunen auf sich allein gestellt. „Es gibt keine koordinierende Unterstützung vom Landkreis“, kritisierte Markus Frick. Dabei müssen die Kommunen erheblich in Strandräumtechnik und Transportfahrzeuge investieren, um das Seegras eventuell weiterzuverwerten.

Wissenswertes

Ende 2017 will die Universität Rostock eine Seegras-Karte der deutschen Ostseeküste erstellt haben. Dann wird erst deutlich, wo in der Ostsee welche Mengen von Seegras wachsen.

Weltweit gibt es 58 Arten von Seegras. In der Ostsee ist vor allem „Zostera marina“ verbreitet.

Treibsel wird ein Gemisch von Seegras und anderen pflanzlichen Stoffen wie Algen genannt.

Unangenehmer Geruch entsteht vor allem, wenn im angeschwemmten Treibsel vorhandene Algen zu faulen beginnen. Das Seegras selber riecht hingegen kaum.

Als Dämmstoff wird Seegras genutzt, weil es schimmelresistent, ungezieferresistent und nur schwer brennbar ist.

Die Landwirtschaft würde aufgrund des hohen Nährstoffgehalts das Seegras gerne nutzen.

Malte Behnk

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