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Unter Folie: „Villa Minerva“ verpackt

Boltenhagen Unter Folie: „Villa Minerva“ verpackt

Hinter Planen wird historisches Gebäude jetzt abgetragen / Gesicht des Hauses bleibt erhalten

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Das Dach der „Villa Minerva“ ist bis auf den markanten Giebel schon komplett abgetragen. Stein für Stein folgen nun auch die Wände.

Quelle: Foto: Malte Behnk

Boltenhagen. Die im Jahr 1854 erbaute „Villa Minerva“ an der Mittelpromenade ist komplett verpackt. Das gesamte Gebäude ist hinter einer weißen Folie verschwunden, dahinter sind Handwerker zu hören. Stein für Stein und Balken für Balken tragen sie das historische Gebäude, eines der ältesten im Ostseebad, ab, um es später wieder originalgetreu aufzubauen.

OZ-Bild

Hinter Planen wird historisches Gebäude jetzt abgetragen / Gesicht des Hauses bleibt erhalten

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„Uns blieb nichts anderes übrig“, sagt Architekt Jakob Ripplinger, der die Sanierung für den Bauherrn als Bauleiter betreut. „Im September vergangenen Jahres haben wir die Bauarbeiten begonnen. Da wollten wir eine neue Gründung herstellen und dann den Rest des Gebäudes sanieren“, schildert Ripplinger. Nach etwa einem Monat wurden dann aber erhebliche Mängel an der „Villa Minerva“ festgestellt.

Schäden im Mauerwerk hatten zu großen Problemen bei der Statik geführt. „Hinter den Ziegelmauern verbargen sich Lehmsteine, die viel weniger Druck aushalten“, schildert der Bauleiter. Mit Holzplanken zeigt er, wie sich die Mauern über die Jahrzehnte gewölbt und verbogen haben. Teilweise treten sie bis zu zehn Zentimeter hervor. Zu diesen Schäden kommt, dass für eine spätere Nutzung (des Erdgeschosses als Geschäft und der Obergeschosse als Wohnraum) Richtlinien des Brandschutzes erfüllt werden müssen. Es müssen also eine Decke und auch Treppen aus Stahlbeton eingebaut werden – Lasten, die die historische Bausubstanz nicht tragen würde.

Seit Anfang November verhandelt der Bauleiter nun für den Hausbesitzer mit der Denkmalschutzbehörde. Dabei soll kein moderner Ersatzbau geschaffen werden. „Wir wollen sehr zum ursprünglichen Zustand des Hauses zurück“, sagt Ripplinger. „So soll die Veranda, die irgendwann einmal verglast wurde, wieder einen offenen Charakter bekommen. Wir haben auch Ziegelsteine besorgt, die fast identisch mit den Originalziegeln sind, die wir gerade abtragen. Wir wollen auch wieder klassische Sandsteinfugen ziehen, die in den 1990er Jahren durch Zementfugen ersetzt wurden“, listet Ripplinger auf, wo an das historische Vorbild gedacht wird.

Für Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) ist es wichtig, dass die „Villa Minerva“ nicht völlig verändert wird. „Ich finde es wichtig, wenn die Denkmalschutzbehörde in solchen Fällen Auflagen macht. So wird sichergestellt, dass keine weiteren denkmalgeschützten Häuser im Ort verschwinden“, sagt Schmiedeberg und erinnert sich an die Abrisse der „Villa Rehse“ oder der „Villa Südwest“. „Wenn die alten Häuser ihre Gesichter behalten, behält auch der Ort sein Gesicht.“

In manchen Bereichen muss bei der Sanierung der „Villa Minerva“aber auch vom historischen Original abgewichen werden. „Wir können zwar einen Teil der Holzkonstruktionen, wie den Giebel an der Mittelpromenade, erhalten, müssen aber auch an vielen Stellen Holz durch Stahl ersetzen.“

Der Fund der vielen Schäden und die Diskussionen mit dem Denkmalschutz haben die Bauarbeiten zeitlich aus dem Plan geworfen. „Es sind etwa zwei Monate mehr geworden, das bringt uns etwas in Zeitdruck“, sagt Ripplinger. Die verhüllte Baustelle sollte möglichst nicht mehr stören, sobald die ersten Gästeströme am Beginn der Badesaison wieder erwartet werden. Immerhin ist auch der Weg der Mittelpromenade wegen des Gerüstes leicht verschwenkt worden. „Mit der kompletten Einhüllung können wir jetzt darunter heizen und wetterunabhängig weiterarbeiten“, erklärt Jakob Ripplinger, warum das komplette Haus unter einem Zelt steht. Spätestens Ende Juni sollen die weißen Planen verschwunden sein.

Nicht nur Zeit, auch Geld haben die vielen unerwarteten Schäden bereits gekostet. „Wir haben etwa 100000 Euro für zusätzliche Gutachten zur Statik ausgegeben. Die Gesamtkosten haben sich schon vervielfacht“, erklärt der Bauleiter. Aber er betont, der Bauherr, dem die „Villa Minerva“ seit etwa vier Jahren gehört, habe sich in das Haus verliebt und wolle es daher auch so originalgetreu aufbauen wie möglich. „Er möchte später auch hier wohnen. Es soll so etwas wie ein Altersruhesitz werden.“ Der Besitzer der „Villa Minerva“ plant auch vor dem Gebäude, auf dem Grünstreifen zwischen Mittel- und Strandpromenade, eine Adventure-Golf-Anlage. Sie soll im Kontrast zur historisch wieder aufgebauten Villa ein moderner Ort zum Spielen und Ausruhen werden. Über diese Pläne entscheiden aber noch die Gemeindevertreter.

Markante Gebäude in Boltenhagen

Ein weiteres prägendes historisches Gebäude an der Mittelpromenade ist die „Villa Seebach“. Nachdem ein Vorgängerbau der Hochwaserkatastrophe vom 13. November 1872 zum Opfer gefallen war, wurde die heutige Villa kurz danach erbaut. Bereits um 1880 galt sie als das beste Hotel am Platze und wird noch heute als Hotel und Restaurant betrieben.

Andere Häuser mit langer Geschichte sind heute nicht mehr im Ortsbild von Boltenhagen zu bewundern. So wurde im August 2004 die denkmalgeschützte Villa „Rehse“ am Dünenweg während eines damals als „Nacht- und Nebelaktion“ bezeichneten Vorgehens abgerissen. Ein Baustopp sorgte dafür, dass lange eine Ruine an eines der ältesten Logierhäuser des Ortes erinnerte.

Auch die „Villa Südwest“ an der Strandpromenade existiert nicht mehr. 1912 erbaut als Pension „Belvedere“, wurde sie neun Jahre später in „Haus Südwest“ umbenannt.

1946 wurde die Pension zur Schule und dafür innen umgebaut. 1954, mit Einweihung einer neuen Schule in Boltenhagen, wurde das „Haus Südwest“ saniert und zum Wohnhaus umfunktioniert. Nach einem Verkauf wehrten sich Bürger zwar gegen einen Abriss. Der erfolgte 2011 doch, weil ein riesiges Loch in einer Mauer auftauchte.

Malte Behnk

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