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Wieviel Landschaft soll für Hotels weichen?

Boltenhagen Wieviel Landschaft soll für Hotels weichen?

Boltenhagen: Diskussion um das Nutzen wertvoller Biotope und Ackerflächen für Bauvorhaben

Boltenhagen. Die Gemeinde Boltenhagen soll neue Bauprojekte ernsthaft überdenken. Das ist die Forderung der Fraktion SPD/Linke/Hanse in einem Antrag an die Gemeindevertretung.

Hintergrund ist die Sorge, dass Boltenhagen schnell seine Kapazitätsgrenzen, was die Versorgung von Urlaubern und Tagesgästen neben den Einwohnern angeht, überschreiten könnte. Im Masterplan, den die Kurverwaltung hat aufstellen lassen, soll Boltenhagen mit 11000 Gästebetten ausgelastet sein. Derzeit gibt es nach Information der Kurverwaltung 10053 Betten in Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels. Mit den aktuell geplanten drei Hotels im Ostseebad werde sich die Bettenzahl deutlich steigern. So sind im Tarres-Hotel in Tarnewitz 500 Betten, im Strandhotel 200 Betten und im Baltischen Hof 65 Zimmer und Suiten geplant – eine Steigerung von voraussichtlich etwa 1000 Betten.

Andere Projekte, bei denen nicht allein ein Hotel gebaut werden könnte, sollten nach Sicht der Antragsteller gut abgewogen werden. So waren bereits Indoor-Spielhallen oder ein Golfplatz in Redewisch Ideen von Investoren für Boltenhagen.

„Es geht darum, einen zu großen Verbrauch von wertvoller Landschaft zu verhindern“, sagt der Vorsitzende des Bauausschusses, Michael Steigmann (Die Linke), nachdem das Thema erneut im Bauausschuss diskutiert wurde. Bauausschussmitglied Detlef Rödiger hatte von einem Investorendruck gesprochen, dem sich die Gemeinde nicht aussetzen sollte.

Die aktuelle Debatte drehe sich darum, so Steigmann, dass die Kommune im Zweifelsfall Gebiete plant, in denen Investoren schließlich ihr Geld verdienen. „Aber die Gemeinde muss dann dafür sorgen, dass auch die Infrastruktur für weitere Besucher und Urlauber vorgehalten wird“, so Steigmann. Er sieht zum Beispiel kritisch, dass im Ortsteil Redewisch wertvolle landwirtschaftliche Flächen für einen Golfplatz geopfert werden könnten. Steigmann sieht die Ackerflächen, die zu den teuersten Mecklenburg-Vorpommerns zählen, als hohes Gut. Allerdings beinhaltet der Flächennutzungsplan der Gemeinde zwischen dem Haubenweg und der Straße von Redewisch nach Redewisch-Ausbau zumindest die Möglichkeit, einen Golfplatz zu bauen. 2010 wurde das in einem Raumordnungsverfahren geprüft. Ein Investor hat bisher nur eine Swin-Golf-Anlage realisiert. Für einen kompletten Golfpark auf 90 Hektar mit Hotel gab es bislang keinen Interessenten.

Zudem hatten schon die Anfangsplanungen in Boltenhagen für Kritik aus den umliegenden Gemeinden gesorgt. Ein Golfpark wiederspreche dem Prinzip des sanften, naturnahen Tourismus. Zudem gebe es in Hohen Wieschendorf einen Golfplatz, der in direkter Konkurrenz zu Boltenhagen stehen würde.

Ein weiteres Gebiet mit wertvoller, unbebauter Landschaft sind die Wiesen am südlichen Ortsrand von Boltenhagen. Immer wieder gibt es Ambitionen, dort eine Entlastungsstraße schaffen zu lassen.

Nach einer intensiven Diskussion in der Gemeindevertretung Ende September, war das Thema in den Bauausschuss verwiesen worden, um Flächen festzulegen, die keinesfalls bebaut werden sollen. Die Bauausschussmitglieder Mirko Klein (CDU) und Stephan Apelt (Bolte/BfB-Fraktion) wollten zunächst keine konkrete Entscheidung abgeben. Sie möchten der Gemeinde für die Zukunft keine Entwicklungsmöglichkeiten verbauen. Daraufhin vertagte der Ausschuss die weitere Diskussion und eine Empfehlung für die Gemeindevertretung.

Malte Behnk

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