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Grevesmühlen Brand: Mieter (22) konnte nur seine Geldbörse retten
Mecklenburg Grevesmühlen Brand: Mieter (22) konnte nur seine Geldbörse retten
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00:00 11.09.2018
Ein Foto aus der Brandnacht: Das Treppenhaus ist rabenschwarz und durch das Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden. In der Ernsting’s- Family-Filiale ist deutlich der Rauch zu sehen. Die Kleidung ist nicht mehr zu gebrauchen. Quelle: Foto: Karl-Ernst Schmidt
Grevesmühlen

Frierend steht der 22-Jährige gestern Morgen kurz vor halb neun vor dem Hauseingang des Wohn- und Geschäftshauses in der Wismarschen Straße. Er ist nur mit karierten Shorts, einem blauen Achselshirt und einem Paar schwarzen Turnschuhen bekleidet. Sein Blick fällt auf das große Holzbrett, das die Polizei aus Ermittlungsgründen aufgestellt hat und das den Weg zu den beiden Wohnungen im Obergeschoss versperrt. Samstagabend hatte es im Hauseingang gebrannt (die OZ berichtete), Polizei und Feuerwehr vermuten Brandstiftung.

„Ich möchte nur die Fotos von meiner Mutter und ein paar andere Erinnerungsstücke haben, der Rest ist mir egal“, sagt der junge Mann, der seine Mutter im vergangenen Jahr verloren hat. Die Erinnerungen, Klamotten, sein Handy – alles ist noch in der Wohnung. Nur sein Portemonnaie habe er retten können, sagt er und schildert die Erinnerungen von Samstagabend. Es war kurz nach 21.30 Uhr, als er den Rauchmelder seines Nachbarn piepen hörte. „Ich wollte gucken, was los ist, habe meine Tür aufgerissen und das Feuer gesehen, das schon die Treppe hochkam. Überall war Rauch.“ Übers Küchenfenster sei er auf ein Flachdach zum Hof hinausgeklettert und hat laut gerufen, dass es brennt. „Die Nachbarin im Nebenhaus hat die Feuerwehr gerufen“, berichtet er. Zu seinem 65-jährigen Nachbarn, der Rauchmelder schlug immer noch Alarm, konnte er nicht mehr. „Ich habe die Tür durch den Qualm nicht mehr erreicht“, sagt er. Letztlich musste der Rentner über eine Leiter herausgeholt und ins Krankenhaus gebracht werden.

Das Feuer breitete sich schnell aus. Nicht zuletzt auch durch die Holzvertäfelung an Decken und Wänden und eine Couch, die der 22-Jährige bis zur Müllabfuhr im Flur lagerte. Außerdem waren im Eingangsbereich außerhalb des Hauses Zeitungen zwischengelagert, die am Wochenende ausgetragen werden.

Das 22-jährige Opfer ist übergangsweise bei Bekannten untergekommen. Eine Lösung muss nun her, denn die Wohnungen sind derzeit nicht bewohnbar. „Übergangsweise muss er wahrscheinlich in eine Obdachlosenunterkunft. Kleidung muss er sich zunächst aus dem DRK-Speicher oder beim Arbeitslosentreff holen“, zählt der Betreuer des Opfers, Stefan Baetke, auf. Viel schlimmer aber: „Mein Klient ist Diabetiker und auf Medikamente angewiesen, die auch noch in der Wohnung lagern und nicht mehr zu gebrauchen sind.“

Fotos von der Brandnacht lassen erahnen, dass der Schaden im Haus immens sein muss. Beziffern kann ihn die Polizei noch nicht, schätzt ihn vorsichtig auf einen höheren sechsstelligen Bereich.

Gelitten hat auch die Ernsting’s-Family-Filiale, die sich im Haus befindet. Die Scheibe ist zerborsten, ein Brett füllt notdürftig das Loch. An der Glastür hängt ein Zettel mit der Aufschrift „Aus technischen Gründen geschlossen“. Brandgeruch kriecht durch die Ritzen auf die Straße. Die Mitarbeiterinnen stehen vor dem Geschäft und sind ratlos. Es fällt das Wort „Totalschaden“. Viele Kleidungsstücke sind mit Ruß bedeckt und unbrauchbar. Im hinteren Bereich der Filiale sind durch die Löscharbeiten der Feuerwehr Deckenteile heruntergekommen, Wasser steht auf dem Fußboden. Wann das Geschäft wieder öffnen kann, ist noch nicht bekannt.

Bereits mehrfach mussten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Grevesmühlen in den vergangenen Tagen ausrücken. Zunächst brannten mehrere Müllcontainer. Auch hier gehen Polizei und Feuerwehr von Brandstiftung aus. Eine Hausfassade wurde beschädigt, der Schaden geht in den fünfstelligen Bereich. Ist es derselbe Täter? Treibt ein Brandstifter sein Unwesen in Grevesmühlen? Die Kripo ermittelt.

Jana Franke

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