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Grevesmühlen „Briefmarkenopa“ findet Nachfolger
Mecklenburg Grevesmühlen „Briefmarkenopa“ findet Nachfolger
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00:00 10.08.2016
Die Frage ist, wie bekommen wir einen Gene- rationenwechsel ohne große Reibungsverlustehin?“Heinrich Nacke (64)

Hanns-Jörg Eckert ist der „Briefmarkenopa“. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert kommt er jeden Sommer aus Dülmen in Nordrhein-Westfalen nach Boiensdorf an die Ostsee. Nicht, um einfach Ferien zu machen, sondern um für seine Aktion „Spenden ohne Geld“ gebrauchte Postwertzeichen zu sammeln. 1991, als alles anfing, war er 60 Jahre alt.

Heinrich Nacke (64) übernimmt von Hanns-Jörg Eckert (86) die Leitung der Aktion „Spenden ohne Geld“ / Boiensdorf bleibt vorläufig ein Sammelpunkt

Die Briefmarken können geschickt werden an: Heinrich Nacke, Spenden ohne Geld, Im Lerchenfeld 26, 48249 Dülmen, und an Hanns-Jörg Eckert, Spenden ohne Geld, Osthover Weg 41, 48249 Dülmen.

Inzwischen ist er 86 und das Alter fordert seinen Tribut. Vergangenes Jahr hinderte ihn eine Krankheit, im Sommer an seine heiß geliebte Ostsee zu fahren.

Umso dringlicher wurde für den „Briefmarkenopa“, die seit Jahren laufende Suche nach einem Nachfolger zu intensivieren. In Heinrich Nacke, der ebenfalls in Dülmen lebt, hat er ihn gefunden. Der 64-jährige Diplom-Ingenieur und Leiter einer Privatschule genießt seit Kurzem seinen Ruhestand. „Dadurch habe ich Zeit, die Aktion ,Spenden ohne Geld’ im Sinne von Herrn Eckert weiterzuführen. Auch, um wertvolle Arbeitsplätze in Bethel zu erhalten“, sagt er. Dort werden die Briefmarken von Menschen mit Behinderungen aufgearbeitet und anschließend an Sammler verkauft.

Heinrich Nacke, der selbst seit Jahren Briefmarken sammelt, weiß die Zusammenarbeit mit seinem gut 20 Jahre älteren Vorgänger zu schätzen. „Für die Zukunft hoffe ich, dass ich noch möglichst lange mit Herrn Eckert und seinen Kollegen zusammenarbeiten kann“, erklärt der Neu-Ruheständler. Zudem möchte er nach und nach den Kontakt zu möglichst vielen Sammlern aufbauen.

Die meisten Kontakte gibt es zwar in Nordrhein-Westfalen, doch über die Jahre hat sich auch in Nordwestmecklenburg eine starke und zuverlässige Sammelgemeinde gebildet. Da ist in Wismar zum Beispiel die Evangelische Frauenhilfe. Sie hat in der Heiligen-Geist-Kirche eine Sammelbox aufgestellt, in der pro Jahr so um die 90000 Briefmarken für „Spenden ohne Geld“ landen. Dann gibt es engagierte Einzelpersonen wie Fred Stellmacher aus Dorf Mecklenburg oder Dietrich Horak aus Nakenstorf, die jährlich zwischen 30000 und 40000 Briefmarken beisteuern. Zudem werden gebrauchte Briefmarken an mehreren Schulen gesammelt, in Museen, Kurkliniken und, und, und . . .

Heinrich Nacke, der neue „Briefmarkenopa“, steht am Beginn eines Generationswechsels. In seinem aktuellen Rundbrief schreibt Hanns-Jörg Eckert: „Die mehr als 20 Jahre Altersunterschied werden sich bemerkbar machen.“ Ihm sei wichtig, dass „die finanziell schlecht gestellten Menschen, die Behinderten und die Einsamen nicht vergessen werden und weiterhin eine Möglichkeit haben zu spenden – nur eben kein Geld“, betont Eckert. Sein Nachfolger versichert, dass die Sammlergruppe in Dülmen „feste daran arbeiten wird, das Werk von Herrn Eckert weiterzuführen“.

Heinrich Nacke hält es allerdings für notwendig, jüngere Menschen für die Aktion zu begeistern. „Jünger“ bedeutet in diesem Fall 60plus, denn viele Helfer sind deutlich älter. Zudem ist ihm wichtig, neue Briefmarkenspender zu finden, „gerade im Zeitalter von Mails und privaten Postgesellschaften“, sagt der 64-Jährige.

So ganz will sich „Briefmarkenopa“ Hanns-Jörg Eckert aber noch nicht zurückziehen. In seinem Rundbrief versichert er: „Jedes Jahr versuche ich, im Sommer nach Boiensdorf am Salzhaff zu kommen.“

Ursprünglich wollte er ab der ersten Augustwoche wieder zu Gast im Wohnmobilhafen von Familie Rohde in Boiensdorf sein. Doch leider hat eine Krankheit ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Derzeit sei unklar, ob der 86-Jährige die Fahrt nur verschieben oder ob er sie ganz absagen muss, teilt sein Nachfolger mit.

Erfolgreiche Idee

1991 hat Hanns-Jörg Eckert die Idee zu „Spenden ohne Geld“. Er ruft dazu auf, ihm gebrauchte Briefmarken zu bringen, die bei den Bodelschwinghschen Stiftungen im nordrhein-westfälischen Bielefeld-Bethel für Sammler aufgearbeitet werden. 9000 Briefmarken kamen im ersten Jahr zusammen.

2004 erhält Hanns-Jörg Eckert für sein Engagement die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland.

1 000 000 Marken und mehr kommen mittlerweile jährlich zusammen. 200000 bis 300000 sammelt Hanns-Jörg Eckert (85) aus Nordwestmecklenburg und den angrenzenden Landkreisen allein in den Wochen, wenn er mit seinem Wohnmobil am Boiensdorfer Werder steht.

Sylvia Kartheuser

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