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Grevesmühlen Buchtipp im Advent: „Das Leben wortwörtlich“
Mecklenburg Grevesmühlen Buchtipp im Advent: „Das Leben wortwörtlich“
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16:16 04.12.2017
Im Jahr 2009 ging der Journalist und Publizist Jakob Augstein (links) mit der Information an die Öffentlichkeit, dass nicht Rudolf Augstein sein leiblicher Vater ist, sondern der Schriftsteller Martin Walser (rechts). Jetzt haben beide das Buch „Das Leben wortwörtlich“ veröffentlicht, das in mehrfacher Hinsicht interessant ist. Quelle: Marcus Brandt_a3446 Patrick Seeg
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Grevesmühlen

Man muss weder den Schriftsteller Martin Walser (90) besonders mögen – noch den Journalisten und Publizisten Jakob Augstein (50) – um das Buch mit dem Titel „Das Leben wortwörtlich“, das beide auf gewisse Weise gemeinsam verfasst haben, beeindruckend finden zu können.

Es wäre zwar schlichtweg gelogen, wenn man behaupten würde, der anfängliche Reiz, sich dieses Buch zu bestellen, läge nicht zuerst einmal in den beiden Verfassern begründet. Der eine, einer der bedeutenden Schriftsteller Deutschlands, der andere, unter anderem Verleger der Wochenzeitschrift „der Freitag“, galt lange als der Sohn des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein. Seit 2009 ist er offizieller leiblicher Sohn von Martin Walser.

Schafft man es, Anfangsreiz und jegliche Erwartung auszublenden und betritt diesen dreidimensionalen Raum, – in dem Walser und Augstein als Nicht-Vater und Nicht-Sohn, Vater und Sohn, manchmal ein wenig zu intellektuelle Wortliebhaber, in jedem Fall aber auf Augenhöhe erscheinen –, befindet man sich auf einmal auf einer Reise, die an überraschende Orte führen kann.

Lauscht man den häufig bohrend wirkenden Fragen des Jüngeren, – die vielleicht, vielleicht aber auch nicht, einem tiefen, nicht unbedingt bewussten Bedürfnis Augsteins entspringen, den fremden, vertrauten Vater zu schützen, sich quasi eine Art von Deutungshoheit zu Martin Walser und seinem Leben und Wirken auf etwas paradoxe Weise einzufordern, möglicherweise, um Walser das unvorteilhafte Gedeutetwerden von Anderen endlich zu ersparen –, und lauscht dann ebenso aufmerksam den weisen, sich manchmal auch klar verweigernden Antworten des Älteren, kann etwas Seltsames passieren.

Man könnte zum Beispiel feststellen, dass man beginnt, Gespräche in seinem Inneren zu führen. Mit dem eigenen Vater – zu seinem Sein als einer, der sich im Zweiten Weltkrieg freiwillig an die Front gemeldet hat und später zum glühenden Kommunisten wurde – zu seinem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein im eigenen Leben.

Vielleicht beneidet man Augstein und Walser auch offenen Herzens, um die Möglichkeit ein solches Gespräch überhaupt führen zu können. Weil man vielleicht selbst nie die Gelegenheit hatte, so zu seinem Vater zu sprechen.

Die Gespräche zwischen Walser und Augstein wären vermutlich auf diese Weise nicht möglich geworden, wäre der Sohn beim Vater aufgewachsen. Dieses Buch wäre nie so erschienen. Was für all jene, die eine bestimmte Art von Gesprächen innerhalb der eigenen Familie suchten oder suchen, sie aus bestimmten Gründen aber nicht führen konnten oder können, irgendwie bedauerlich gewesen wäre.

Annett Meinke

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