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Bürgerdialog in Grevesmühlen: AfD sucht ihre Wähler

Grevesmühlen Bürgerdialog in Grevesmühlen: AfD sucht ihre Wähler

Landtagsabgeordneter Christoph Grimm im Gespräch mit Anhängern

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Frustbewältigung statt Dialog: Nur ein halbes Dutzung Anhänger der AfD hatte sich im Tagungsraum des Grevesmühlener Hotels eingefunden.

Quelle: Foto: Proch

Grevesmühlen. Die Zahl macht Eindruck. „Neun Millionen Euro“, behauptet der Mann im Jackett, „nimmt sich die Bundesregierung jeden Monat aus der Rentenkasse. Neun Millionen!“ Er selber müsse mit 1000 Euro auskommen, „und davon zahle ich noch 430 Euro in die private Krankenkasse ein. So sieht es nämlich aus.“ Die Männer am Tisch im Tagungsraum des „Hotel am See“ in Grevesmühlen nicken. Und blicken zu Christoph Grimm, der am Kopf einer langen Tischreihe vor vielen leeren Stühlen steht. Grimm (59) ist Landtagsabgeordneter der AfD. Der Rechtsanwalt aus Damshagen hat zum ersten Bürgerdialog eingeladen.

 

OZ-Bild

Kleine Runde: Ein halbes Dutzend Bürger fand den Weg in die Bürgersprechstunde von Christoph Grimm.

Quelle: Foto: Michael Prochnow

Termin

Die AfD-Fraktion lädt Bürger zu

einer öffentlichen Vortrags- und Dialogveranstaltung am Donnerstag, 23. März, in Schwerin ein. Der infrastrukturpolitische Sprecher der AfD-Fraktion Bert Obereiner wird einen Vortrag zum Thema „Islam in Deutschland“ halten.

18 Uhr, Restaurant Lindengarten,

Lübecker Straße 270 in Schwerin

Den Mann, der die Milliarden-Ausgaben anprangert, stellt Grimm als Experten für Rentenfragen vor. Woher die Zahlen stammen, dazu gibt es keine Erklärungen. Es fragt auch niemand nach.

Zehn Leute sitzen an der Tafel. Nimmt man Grimms Ehefrau, seinen Mitarbeiter und die Presse raus, bleiben fünf Bürger, die gekommen sind.

Grimm hält das nicht auf. Seit Oktober 2016 sitzt der Rechtsanwalt aus Damshagen, der viele Jahre SPD-Mitglied war, für die AfD im Schweriner Landtag. 18 Sitze hat die Fraktion, mit 20 Prozent war sie zweitstärkste Partei bei der Wahl Ende vergangenen Jahres. Doch in der Regierung sitzt sie nicht. CDU und SPD bilden die große Koalition. Mit den Rechtspopulisten, so hieß es damals von Christ- und Sozialdemokraten, wolle man nicht zusammenarbeiten.

Die AfD arbeitet derweil an ihrem Ruf. Die Gefahr, das betont auch Christoph Grimm an diesem Abend immer wieder, sei, dass die AfD als zerstrittene Partei wahrgenommen werde. Und das man sie zu weit rechts einordnen würde. Für beide Kriterien liefert die Partei regelmäßig Zündstoff.

Grimm selbst zählt zum gemäßigten Kader der Partei, rechte Parolen gibt es bei ihm nicht. Stellungnahmen zu Parteimitgliedern, die aufgrund ihrer Äußerungen zum Holocaust die Justiz beschäftigen oder die Titelseiten mit Skandalgeschichten zieren, auch nicht. Nur: „Provokation ist ein Mittel der Politik“, sagt Grimm. Aber nicht unbedingt seine Linie. Er redet ruhig und sachlich.

Für die lauten Töne an diesem Abend sorgen die Bürger, die gekommen sind. Manfred Görtz zum Beispiel. Der Bülower nutzt regelmäßig die Einwohnerfragestunde im Kreistag, um die Politiker an ihre Pflichten zu erinnern. Die nicht vorhandene aber seiner Ansicht nach notwendige Bahnverbindung zwischen Rehna und Schönberg ist eines seiner Lieblingsthemen. Und inzwischen auch die große Politik.

Görtz hat AfD gewählt im vergangenen September. Er sagt auch warum. Merkel bekommt ihr Fett weg, die Energielobby, die Medien und die etablierten Parteien. „Nur die AfD bringt uns weiter“, ruft Manfred Görtz, der mit jedem Satz die Lautstärke hochschraubt. „Aber die lassen euch ja nicht. Das ist doch alles Betrug.“

Christoph Grimm will über Parteiprogramme sprechen, die Bürger wollen ihren Frust loswerden. So richtig zusammen kommen sie nicht. Der 59-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender im Rechtsausschuss des Schweriner Landtages. Doch für diese Themen hat an diesem Abend kaum jemand ein offenes Ohr.

Die AfD wurde auf der Flüchtlingswelle in den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns gespült. Die Wähler waren unzufrieden mit der Politik der Regierungen im September 2016. Jetzt geht es darum, die Protestwähler zu Anhängern zu machen, das Interesse an der Partei wach zu halten. Doch das ist schwer. „Ich würde mir wünschen, dass die Presse mehr über unsere Arbeit berichten würde. Aber leider sind andere Geschichten offenbar wichtiger.“

Dabei hat er fast anderthalb Stunden geredet, über seine Vita, die Landtagsfraktion, die Arbeit in den Ausschüssen, die Bezahlung. Ein Dialog sollte es werden, hier in Grevesmühlen. Doch Grevesmühlener waren gar nicht da.

Michael Prochnow

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