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Grevesmühlen Bürgermeister auf der Kanzel
Mecklenburg Grevesmühlen Bürgermeister auf der Kanzel
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00:00 23.10.2017
Zahlreiche Besucher verfolgten gestern die Laienpredigt von Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler. Er sprach über das Thema „Glaube und Politik“. Quelle: Foto: Michael Prochnow
Grevesmühlen

Pastorin Maria Harder brachte es auf den Punkt: „Zweifel am Glauben sind gut und wichtig, sie halten den Glauben am Ende lebendig.“ Damit nahm Grevesmühlens Pastorin Bezug auf die Laienpredigt von Bürgermeister Lars Prahler, der gestern während des Gottesdienstes in der Nikolai-Kirche eine durchaus bewegende Predigt gehalten hatte.

Festgottesdienst am 31. Oktober in Schönberg

Reformation: Anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation findet am Dienstag, dem 31. Oktober, ein Festgottesdienst der Region in Schönberg statt. Die Veranstaltung beginnt um 10.15 Uhr in der Sankt-Laurentius-Kirche.

Maria Harder, Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde in Grevesmühlen, kündigte an, dass auch der Grevesmühlener Kirchenchor daran teilnehmen werde.

Nachdem bereits im August Professor Jörg Hacker, gebürtiger Grevesmühlener und einer der führenden Wissenschaftler in Deutschland, im Rahmen des Reformationsjubiläums eine Predigt in der Nikolai-Kirche gehalten hatte, nutzte gestern Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler die Gelegenheit, die Beziehungen zwischen Glauben und Politik aus seiner Sicht zu schildern.

Prahler, 45 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder, wurde in Niedersachsen geboren. „Dort“, so der Bürgermeister, „gehörte die Kirche zum Leben auf dem Land. Taufe, Konfirmation und Veranstaltungen, das gehörte einfach dazu.“ Mit zehn Jahre habe ihn sein Bruder – der heute übrigens Pastor ist – zur jungen Gemeinde mitgenommen. „Ich gebe zu, dass ich keine Ahnung hatte, was dort passiert und ich eigentlich von meinem Bruder etwas anderes wollte damals.“ Doch Lars Prahler blieb nicht nur, er engagierte sich später selbst als Jugendgruppenleiter in der jungen Gemeinde, die seine Jugend, wie er betonte, prägte. „Wir haben Fußball auf dem Pfarrhof gespielt, lange Wanderungen unternehmen, stundenlang über Bibelstellen diskutiert und viel gelernt.“

Mit 18 Jahren, die Wende hatte gerade die Grenzen zwischen beiden deutschen Staaten hinweggefegt, ging Lars Prahler zum Zivildienst nach Neubrandenburg. In eine Region, „in der die meisten Menschen mit Kirche und Glauben nicht viel am Hut hatten. Mein junges Leben lief ohne Gott weiter.“

Später trat er aus der Kirche aus, heiratete, wurde Vater und schließlich Bürgermeister in Grevesmühlen. Im vergangenen Jahr trat er wieder in die Kirche ein, seitdem ist er Mitglied der Domgemeinde Schwerin, wo er mit seiner Familie lebt. Und dennoch: „Glaube ist etwas sehr Persönliches, und ich habe in meinem Leben immer Zweifel am Glauben gehabt.“ Das, so Prahler, sei völlig normal und seine ganz eigene Sicht auf diese Dinge. Denn der entscheidende Punkt sei doch, wie jemand den christlichen Glauben lebe. „Finden Sie die Ehe für alle gut oder schlecht? Ist der Einsatz der Bundeswehr in Mali gerechtfertigt? Sollten Flüchtlinge einen Sprachkurs absolvieren? Ich habe meine eigene Sicht auf diese Dinge, Sie haben vielleicht eine andere“, sagte der Bürgermeister in seiner Predigt. „Aber unstrittig ist, dass die zehn Gebote sinnvoll sind.“ Nächstenliebe, Vergebung – all diese Dinge sollten im Leben eines Menschen eine Rolle spielen. Unabhängig davon, wie stark sein Glaube sei. „Denn Glaube und Politik gehören zusammen.“ Selbst Martin Luther, ein Theologe, habe damals im Jahr 1517 Politik gemacht. „Warum hat er seine Thesen außen an die Kirchentür genagelt?!“ Luther habe mit seiner Debatte Veränderungen bewirkt, die Europa komplett umgekrempelt haben. Er habe den Streit um seine Thesen gesucht, so Prahler. „Und auch in der Wendezeit haben die Kirchen in der DDR eine entscheidende Rolle gespielt.“

In seiner Familie spiele der Glaube eine große Rolle. Aber auch die Diskussion darum, die Zweifel, die Bedenken.

Michael Prochnow

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