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Bürgermeisterwahl in Wismar: Beyer macht’s nochmal

Wismar Bürgermeisterwahl in Wismar: Beyer macht’s nochmal

Amtsinhaber bekommt 56,3 Prozent aller abgegebenen Stimmen

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So sehen Sieger aus: Thomas Beyer bleibt auch in den nächsten acht Jahren Wismars Bürgermeister. Als Geschenk gab es ein Steuerrad, um die Hansestadt auf Kurs zu halten.

Quelle: Foto: Heiko Hoffmann

Wismar. Applaus, Küsse, Glückwünsche – gegen 19.20 Uhr steht fest: Thomas Beyer (58, SPD) bleibt Bürgermeister von Wismar. Der letzte von insgesamt 32 Wahlbezirken ist zwar noch nicht ausgezählt, aber der Amtsinhaber ist nicht mehr in die Stichwahl zu holen. Am Ende gewinnt er mit 56,3 Prozent. Die Erleichterung ist dem Stadtoberhaupt anzusehen, als er mit einem legeren hellblauen Hemd bekleidet den Bürgerschaftssaal im Rathaus betritt. Hier warten seine Unterstützer wie Wismars langjährige Bürgermeisterin Rosemarie Wilcken (SPD) und Beyers Ehefrau Sabine Bäcker, die mit ihm auf seinen Erfolg anstößt.

„Ich bin erleichtert, dass es keinen zweiten Wahlgang gibt und ich meine Arbeit fortsetzen kann“, sagt Beyer. Zwar habe er das Gefühl gehabt, dass es mehr als 50 Prozent werden könnten, aber sicher sei er sich nicht gewesen – auch aufgrund eines Wahlkampfes, der nicht immer fair zugegangen sei. Vor allem in den sozialen Netzwerken wären einige Kommentare jenseits von Gut und Böse gewesen: „Da sollte sich manch einer nochmal anschauen, was er da von sich gegeben hat – das gilt sowohl für die Gegenkandidaten als auch für ihre Unterstützer“, ergänzt Beyer.

Hans-Martin Helbig (gemeinsamer Kandidat von FDP, CDU, Grüne und Für-Wismar-Forum) ist von den drei Herausforderern der mit den meisten Stimmen. Er landet am Ende bei rund 30 Prozent. Die Enttäuschung ist dem 34-Jährigen anzusehen. Lange Gesichter gibt es auch bei seinen Unterstützern von CDU und FDP: „Ich bin fest davon ausgegangen, in die Stichwahl zu kommen“, sagt Helbig. Trotzdem sei es ein gutes Ergebnis, das zeige, dass er die richtigen Themen im Wahlkampf angesprochen habe. Erschreckend sei für ihn die geringe Wahlbeteiligung. Die ist mit rund 45 Prozent zwei Prozent niedriger als bei der letzten Bürgermeisterwahl 2010. Auch Thomas Beyer wäre eine höhere Wahlbeteiligung über 50 Prozent lieber gewesen. Aber hier sei die Demokratie insgesamt gefragt. „45 Prozent sind aber auch nicht das totale Desaster“, ergänzt Beyer.

Horst Krumpen hat den Wahlabend im Bürgerschaftssaal mit der Fraktionsvorsitzenden seiner Partei im Land, Simone Oldenburg, und weiteren Parteikollegen verbracht. Nach dem Auszählen stehen für ihn 7,9 Prozent der Stimmen fest: „Dieses Ergebnis habe ich so nicht erwartet. Unser Wahlziel haben wir nicht erreicht, denn wir hätten gern den Bürgermeister in Wismar gestellt“, sagt Krumpen und ergänzt mit Blick auf den Mitbewerber Helbig: „Wir sind auf dem dritten Platz hinter einem zusammengewürfelten Bündnis, das politisch-inhaltlich in der Bürgerschaft nichts verbindet.“ Insofern entspreche das Ergebnis der Position der Linken in der Bürgerschaft. Der Wahlkampf der Kandidaten sei fair gewesen, auch wenn der Amtsinhaber seinen Amtsbonus weidlich ausgenutzt habe. „Das kann ich ihm aber nicht vorwerfen, denn dazu gehören immer mehrere.“

Ernüchtert reagiert auch das AfD-Lager. Am Ende reicht es nur für 924 Stimmen oder 5,8 Prozent. „Ob der Wähler richtig entschieden hat, wird sich zeigen“, meint Kandidat Angelo Tewes, der den Abend über die Ergebnisse im Bürgerschaftssaal verfolgt hat. Er habe versucht, einen guten Wahlkampf zu führen, „aber die Stimmen für Herrn Beyer sind eindeutig“.

Gerd Zielenkiewitz vom Für-Wismar-Forum, tief zerstritten mit der SPD und alles andere als ein Anhänger von Beyer, meint, dass er in etwa mit der Stimmenverteilung gerechnet habe. Er verhehlt nicht, dass er auf eine Stichwahl gehofft habe.

Den Tränen nahe hingegen ist Renate Moldenhauer. „Darf ich Sie ein Mal drücken“, fragt sie Beyer, als sie ihm zur Wiederwahl gratuliert. „Ich habe Herrn Beyer so die Daumen gehalten.“

Die Wahl ist gestern schleppend angelaufen. Gegen 14 Uhr haben gerade einmal 24,6 Prozent der insgesamt 35000 wahlberechtigen Wismarer ihre Stimme abgegeben. Zum ersten Mal an der Wahlurne ist Peter Dettmann gewesen. Der 17-Jährige hat seine Stimme in der Mehrzweckhalle an der Bürgermeister-Haupt-Straße abgegeben. Bei der Bürgermeisterwahl können schon die Jugendlichen (ab 16 Jahre) mitbestimmen, wer ihr Stadtoberhaupt werden soll. „Klar gehe ich wählen – ansonsten habe ich auch kein Recht zu meckern“, sagt Dettmann: „Ich habe die Plakate gesehen, im Internet die Wahlprogramme durchgelesen und mich so über die Kandidaten informiert.“

Für Stella Hasselfeld sei es ziemlich leicht zu erkennen gewesen, wer wirklich etwas leiste. Auch sie hat zum ersten Mal an einer Wahl teilgenommen. „Ich finde es gut, dass ich mitsprechen darf“, ergänzt die 17-Jährige. Die Kinder und Jugendlichen Wismars haben sich bei der Testwahl des Kinder- und Jugendparlaments vor einigen Wochen ähnlich entschieden. Auch bei ihnen sind Beyer und Helbig auf Platz 1 und 2 gelandet.

Vorläufiges Endergebnis Bürgermeisterwahl in Wismar  
Thomas Beyer (SPD)  
  56,3 %
Hans-Martin Helbig (FDP)  
  30,1 %
Horst Krumpen (Linke)  
  7,9 %
Angelo Tewes (AfD)  
  5,8 %
(Zahlen gerundet); Beteiligung: 45,3 %  

Kerstin Schröder Nicole Buchmann und Heiko Hoffman

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Die vier Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Wismar: Thomas Beyer (SPD), Horst Krumpen (Die Linke), Angelo Tewes (AfD), Hans-Martin Helbig (FDP) für FDP, CDU, Grüne und Für-Wismar.

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