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Bürgerwiese: Überwachung für den Spielplatz?

Grevesmühlen Bürgerwiese: Überwachung für den Spielplatz?

Stadtpolitiker diskutieren über eine Kamera – doch vorerst kein Antrag

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Ob mit oder ohne Kamera: Vivien (9, l.) und Vanessa Körner (13) aus Hamberge haben auf der Bürgerwiese ihren Spaß.

Quelle: Foto: Jana Franke

Grevesmühlen. Ist es angemessen, den neuen Spielplatz auf der Bürgerwiese (geplante Kosten um die 500 000 Euro) mit einer Kamera zu überwachen?

OZ-Bild

Stadtpolitiker diskutieren über eine Kamera – doch vorerst kein Antrag

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Einzelne Stadtvertreter der CDU-Fraktion konnten der Vorstellung zumindest etwas abgewinnen. Fraktionsvorsitzender Roland Anderko zum Beispiel: „Natürlich im Rahmen datenschutzrechtlicher Bestimmungen.“

„Ein Polizist hoch zu Ross durch Kreihnsdörp“

Auf die Frage, warum es sinnvoll sein könnte,, reagierte Anderko mit einer Anekdote: „Als ich ein Kind war“, erzählte er, „haben Verwandte von der Kaiserzeit geschwärmt. Da ritt noch ein Polizist hoch zu Ross durch Kreihnsdörp und niemand hätte sich gewagt, ein Stück Papier irgendwohin zu schmeißen.“ Also die Sehnsucht nach Ordnung im alten Stil? Anderko relativierte: „Nein, das ist ein Spaß.

Doch die Stadt nimmt viel Geld in die Hand, um diesen Spielplatz zu bauen. Es wäre katastrophal, wenn Vandalismus das zerstören würde.“ Letztlich jedoch fand die Idee einer Kameraüberwachung auf der Bürgerwiese keinen breiten Konsens in der CDU-Stadtfraktion.

Wohl auch, weil Bürgermeister Lars Prahler klar machte: „Datenschutzbelange und diesbezügliche Gesetze sind zu berücksichtigen. Da stehen Persönlichkeitsrechte dem öffentlichen Interesse der Werterhaltung gegenüber. Die Stadt hätte ein umfangreiches Genehmigungsverfahren – unter anderem unter Beteiligung des Landesdatenschutzbeauftragten – zu durchlaufen.“

„Die Zeiten sind inzwischen andere“

Die Idee einer Kameraüberwachung auf der Bürgerwiese gefällt aber auch einigen SPD-Stadtfraktionsmitgliedern – unter anderem Stefan Baetke. Er bekennt: „Meine Einstellung zu diesem Thema hat sich geändert. Die Zeiten sind inzwischen andere.“ Dabei geht es dem SPD-Mann um mehrere Dinge: „Schutz der Geräte zum einen – für die viele Bürger schließlich auch gespendet haben. Zum anderen aber auch Schutz der Kinder gegen Übergriffe.“ Dass sich mit einer Kamera prinzipiell alle Straftaten verhindern lassen, glaubt Baetke dabei nicht, hofft aber, dass „die Kamera abschreckend wirkt.“

Tatsächlich ist es im digitalen Zeitalter kein Problem, irgendwo eine Kamera zu installieren. Ein Mast, eine Kamera, eine Funkverbindung zu einem Server und schon ist ein Platz oder eine Straße, ein Vorgarten überwacht – 24 Stunden oder auch nur zeitweise.

Benny Andersson, schwedischer Wahl-Grevesmühlener und Inhaber der Firma Loft-Net, erklärt, wie einfach Überwachung heute geht: „Gute, kleine Kameras gibt es schon preisgünstig. Die Speicherung des aufgenommenen Materials ist auch kein Problem mehr. Egal, wie viele Daten und wie lange man sie speichern will.“ Andersson weiß, wovon er spricht. Er bietet unter anderem Überwachungssysteme, Funknetzausbau und IT-Lösungen für privat und Firmen an.

„Ein optimales Funknetz  über Grevesmühlen“

Nicht nur die Stadt hat Anderssons Dienste bereits in Anspruch genommen – zum Beispiel die Webcam am Markt – auch immer mehr Vereine, Geschäftsleute und sogar Private sichern ihre Firmen und ihr Eigentum mit einer Überwachungskamera ab.

Das Sportlerheim am Tannenberg zum Beispiel, das Freibad am Ploggensee, eine Apotheke in der Stadt, die vor ein paar Jahren überfallen wurde. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Viele von Anderssons Kunden nutzen für ihre erhobenen Daten Speicherkapazität auf Anderssons Servern. „Ich habe vom Wasserturm aus ein optimales Funknetz über Grevesmühlen aufgebaut. Die Daten meiner Kunden landen ganz einfach per Funkverbindung dort, wo sie hinsollen“, sagt Andersson stolz.

Doch ganz so einfach, wie es klingt, ist Überwachung auch im privaten Sektor nicht. Auch wer privat eine Kamera installiert, muss Datenschutzgesetze beachten (siehe Infokasten).

Spielplatz-Paten statt Kameras

Die Fraktion Grevesmühlen.jetzt ist klar gegen eine Überwachung des Spielplatzes auf der Bürgerwiese. Christiane Münter sagt: „Sollte so ein Antrag ohne konkreten Anlass kommen, werden wir nicht dafür stimmen.“ Dabei geht es Münter und ihren Fraktionskollegen nicht nur um Persönlichkeitsrechte. Es geht auch um „das menschliche Miteinander“, wie Münter sagt. „Das soll ein Spielplatz für Jung und Alt werden. Was spricht dagegen, aufeinander zu achten?“ Auch gegen Vandalismus, so Münter, haben sie und ihre Kollegen Rezepte. „Es gibt Bus-Engel, warum keine Jugendlichen an Schulen als Spielplatz-Paten gewinnen?“

Wie stehen Sie zum Thema Überwachung?

Was denken Sie über

eine Kamera im Bürgerpark? Gehören Sie zu den Bürgern, die bereits eine Videokamera auf ihrem Grundstück installiert haben

oder solches planen?

Schreiben Sie uns E–Mail zum Thema Überwachung an:

lokalredation.grevesmuehlen@pressehaus-gre.de

Im Internet finden

Sie eine Webseite

der Stiftung Warentest: www.test.de/FAQ-Private-Videoueberwachung-

Das-ist-erlaubt-und-

das-nicht-5045901-0/

Dort werden Fragen, wie: Darf die Kamera auf öffentliche Wege gerichtet sein? – klar und einfach beantwortet. Um die Frage an dieser Stelle einmal

vorweg zu beantworten: Im Regelfall nicht.

Annett Meinke

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