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Dassow Büroräume gekündigt: Unternehmer sauer

Verwaltung löst Mietverhältnis mit Firma in Dassow / Amt will die Räume selber nutzen

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Der Dassower Eric Gnass führt das Unternehmen way4net. Eine Besonderheit der Firma: eine Einlegesohle mit Ortungstechnik.

Quelle: Foto: Jürgen Lenz

Dassow. Die Kündigung kam für den Mieter wie aus heiterem Himmel. „Das Verhältnis war immer top. Es gab nie ein Fehlverhalten von meiner Seite“, sagt Eric Gnass, Geschäftsführer des Dassower Unternehmens „way4net“. Sein Vermieter ist das Amt Schönberger Land. Es war froh, Mieter zu finden, nachdem es 2005 das Amtsgebäude in Dassow weitgehend leergezogen hatte, um sich auf Schönberg als einzigen Verwaltungssitz zu konzentrieren. Heute ist niemand länger Mieter im Dassower Amtsgebäude als Eric Gnass. Damit aber soll nach dem Willen des Amtes am 1.

Juli Schluss sein.

Eric Gnass nimmt die Kündigung und die Verfahrensweise allerdings nicht hin. Er sagt: „Es sollte überdacht werden.“ Dann fügt der Geschäftsführers hinzu: „Ich verweise auf das einschlägige Recht und hatte auf einen fairen Umgang gehofft.“

Den gab es aus Sicht des Dassowers Mitte Dezember 2017 plötzlich nicht mehr. Anberaumt worden war ein Gespräch mit dem Amt und mehreren Mietern. Es sollte um die künftige Nutzung des früheren Sitzungssaales gehen. „Ziel war eine gütliche Einigung“, berichtet Eric Gnass. Doch es kam ganz anders. Dem Chef von fünf Mitarbeitern wurde vom Amt mitgeteilt, dass das Mietverhältnis zum 30. Juni 2018 gekündigt werde – wegen Eigenbedarfs. Der Geschäftsführer fragt: „Was ist das für ein Vorgehen?“ Es könne nicht sein, dass ein Amt als Vermieter so handele. Es sei doch der simpelste Weg, vor einem solchen Schritt Rücksprache mit demjenigen zu halten, der davon betroffen sein soll. Die schriftliche Kündigung bekam der Mieter am 22. Dezember, also kurz vor Weihnachten.

Eric Gnass sagt, Objektivität und Verhältnismäßigkeit seien nicht gegeben. Ausgerechnet dem langjährigsten Mieter werde ohne dessen Verschulden gekündigt. Der Dassower fragt: „Wieso wird nicht jemand genommen, der später Mieter wurde?“ Eric Gnass’ Eindruck: Ein anderer werde vom Amt bevorteilt. Zudem sei gerade für sein Technologieunternehmen ein Umzug sehr aufwendig. „Wir brauchen die ganze Technik, die wir hier haben“, erläutert der EDV-Experte. Etwas Adäquates zu finden, wäre schwierig. Auch dürfe es keine Ausfallzeiten geben für wichtige Produkte und Dienste, die sein Betrieb anbietet. Dabei hat Eric Gnass auch die „Smart-Sole“ im Blick, eine Einlegesohle mit eingebauter Ortungselektronik. Sie kann die Sicherheit von Menschen verbessern, die unter Demenz oder Orientierungslosigkeit leiden. Way4net ist offizieller Vertriebspartner in Deutschland für die Entwicklung der GTX Corporation, eines Unternehmens mit Sitz in Kalifornien. „Dieser Service hat auch einen sozialen Aspekt“, sagt Eric Gnass.

Verhaltensbedingt ist die Kündigung nicht. Das ist unumstritten. Hintergrund ist vielmehr eine Entscheidung der Kommunalpolitiker im Schönberger Land, zusätzliches Personal fürs Amt einzustellen – so wie es das Organisationsgutachten eines externen Dienstleisters empfohlen hatte. Wie berichtet, beschloss der Amtsausschuss ein Plus von 6,25 Stellen. Drei Stellen für den Bereich Finanzen sind derzeit zur schnellstmöglichen Besetzung ausgeschrieben.

Zusätzliches Personal bedeutet zusätzlichen Raumbedarf. Der kann nach Auskunft der Verwaltung in den beiden Amtsgebäuden in Schönberg nicht hinreichend gedeckt werden. An dieser Stelle kommt das Amtsgebäude in Dassow ins Spiel, wo die Verwaltung nur noch wenige Räume nutzt, um Akten zu lagern. In diesem Jahr will es wieder Büros in Dassow einrichten. Das nötige Geld stellte der Amtsausschuss unlängst mit dem Beschluss des Haushaltes 2018 bereit. Der leitende Verwaltungsbeamte Frank Lehmann erklärt: „Wir haben selbst Bedarf.“ Das Gebäude in Dassow sei nach der Maßgabe betrachtet worden, welche Räume sich für die Bedürfnisse des Amtes am besten eignen. Eric Gnass wendet ein: „Eine Behörde muss einen behindertengerechten Zugang bieten. Das ist hier oben nicht gegeben.“ Way4net hat Räume im Obergeschoss gemietet. Der leitende Verwaltungsbeamte entgegnet, der Zugang sei etwas, „das wir regeln müssen.“ Es sei vorgesehen, in Dassow den Bereich Finanzen unterzubringen – ein Bereich mit relativ wenig Publikumsverkehr.

Der leitende Verwaltungsbeamte sagt, die Kündigung sei für alle Beteiligten kurzfristig gekommen. Bedarf habe das Amt künftig auch für einen Raum im Dassower Amtsgebäude, der nicht von way4net gemietet werde. „Wir müssen auch den Saal mitnutzen“, kündigt Frank Lehmann an.

Eric Gnass ist weiterhin an einem guten Verhältnis zu seinem Vermieter gelegen. Um seine Rechte zu wahren, hat er einen Anwalt hinzugezogen. Diesen Schritt ist auch das Amt gegangen. Der Ausgang:

noch offen.

Jürgen Lenz

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