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Grevesmühlen Buntes Fest für Toleranz und Weltoffenheit
Mecklenburg Grevesmühlen Buntes Fest für Toleranz und Weltoffenheit
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00:00 06.07.2018
Lehrer Alexander Hasler und Schulleiterin Brunhilde Hallmann eröffnen das Festival auf dem Sportplatz der Regionalen Schule „Am Wasserturm“. Quelle: Fotos: Jana Franke
Grevesmühlen

Wenn der Mathelehrer in Badeshorts die Wasserrutsche hinuntersaust und der Bürgermeister den Fußball kickt, dann scheint irgendwie kein normaler Tag an der Schule zu sein. Und das war er gestern auch nicht an der Regionalen Schule „Am Wasserturm“ in Grevesmühlen, die zu einem Festival der Kulturen unter der Überschrift „Gegen Rassismus, Gewalt und Fremdenhass – für Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit“ einlud. Hintergrund ist, dass das Lehrerkollegium und die meisten Schüler die Nase voll haben von rechten Schmierereien in der Schule, die es zuletzt im April mit einem eingeritzten Hakenkreuz im Schulflur gab. Ein Zeichen setzen mit einem großen Schulfest – das fanden die meisten Schüler toll.

Regionale Schule „Am Wasserturm“ in Grevesmühlen veranstaltete einen ganz besonderen Tag

Start war auf dem Schulhof mit acht Stationen, an denen sich die Schüler die Eintrittskarte für das Festival auf dem Sportplatz der Schule am Mittag verdienen konnten – mit Geschicklichkeit beim Balancieren des Tischtennisballs, mit Schnelligkeit beim Auffädeln eines Spielzeugautos, mit Zielsicherheit beim Werfen und mit Kreativität am Bastelstand beispielsweise. „Das von der Schule gesetzte Thema zum Fest finde ich sehr wichtig“, erklärte Annemarie Westphal. „Jeder Mensch ist gleich und sollte nicht wegen seines Aussehens oder seiner Religion vernachlässigt werden“, resümierte sie.

Seine Hautfarbe wurde auch Mario Röhl schon zum Verhängnis. Der 15-Jährige aus Grevesmühlen, in Deutschland geboren, ist farbig und musste sich Schimpfwörter wie „Neger“ anhören. „Ich habe mich oft an meine Mutter und an Lehrer gewandt, um das Problem zu lösen“, erzählte er. Das sei aber mitunter schwer. „Mittlerweile ignoriere ich solche Äußerungen.“

Zum Festival auf dem Sportplatz ab Mittag waren nicht nur die Schüler, sondern auch Anwohner geladen. Das nutzte Edeltraud Gorzitza für einen Besuch vor Beginn ihrer Tätigkeit als Reinigungskraft an der Grundschule „Am Ploggensee“. „Ich finde es gut, dass die Schule solch ein tolles Fest veranstaltet“, sagte sie Eis schleckend. Aufgebaut war eine Bühne, auf der nicht nur die politische Prominenz wie Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler und die zweite stellvertretende Landrätin Karla Krüger eine Rede hielten, sondern auch Musik geboten wurde. Aus Greifswald war „Pete Kloppenburg

angereist – ein DJ plus Schlagzeuger.

Die Schulleiterin Brunhilde Hallmann könne stolz auf so eine Schule sein, konstatierte Karla Krüger. „Es ist ein Kraftakt, solch eine tolle Veranstaltung zu stemmen.“ Die zu unterstützen, sei für den Landkreis selbstverständlich gewesen. Finanzielle Mittel gab es zudem von der Stadt, vom Land, vom Förderverein der Schule und von vielen Unternehmen aus der Stadt. „Eine schöne Idee ist es, das Festival für die Öffentlichkeit zu öffnen, damit die erleben kann, wie toll die Lehrer und Schüler sind“, meinte Bürgermeister Lars Prahler, der sich, wie eingangs berichtet, als Fußballer versuchte.

Wer ihn besiege, so verkündete er, dürfe einen Tag sein Dienstfahrzeug fahren. Großer Applaus hallte über den Platz, der in großes Gelächter mündete, als er verkündete, dass er nur ein Dienst-Fahrrad habe.

Und wer darf bei einem Festival gegen Rassismus, Gewalt und Fremdenhass – für Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit nicht fehlen? Richtig, Storch Heinar, den die Jusos Mecklenburg-Vorpommern als satirische Auseinandersetzung mit der Bekleidungsmarke Thor Steinar nutzen. Auch er fand seinen Weg nach Grevesmühlen.

Video und Bildergalerie gibt es im Internet unter www.ostsee-zeitung.de

Jana Franke

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