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Grevesmühlen CD-Werk: Anklage gegen ehemalige Manager unbegründet?
Mecklenburg Grevesmühlen CD-Werk: Anklage gegen ehemalige Manager unbegründet?
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06:48 08.02.2018
Schuldig oder nicht schuldig? Das gilt es im Fall von (v.l.) Wilhelm M., Kai N. und Andreas O. (hier mit Anwältin Voges aus Hamburg) zu klären. Am dritten Verhandlungstag griffen die Verteidiger erneut die Arbeit der Staatsanwaltschaft an. Quelle: Cornelius Kettler
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Dassow

Hätte es gar nicht zur Anklage kommen dürfen? Das zumindest glauben die Verteidiger der drei Geschäftsführer des ehemaligen CD-Werks, ODS, in Dassow (Nordwestmecklenburg). Der dritte Verhandlungstag vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Schwerin am Mittwoch war mit Vorwürfen gespickt, mit denen sich nun die Staatsanwaltschaft beschäftigen und Stellung beziehen muss. Eigentlich, so hieß es, seien die drei Manager Wilhelm M. (68), Andreas O. (62) und Kai N. (52) Opfer und nicht – wie in der Anklageschrift ausgeführt – Untreuetäter. „Es ist erschreckend, wie leichtgläubig die Staatsanwaltschaft den Lügen bestimmter Repräsentanten des Partnerfonds aufgesessen ist und wie willkürlich sie sich vor deren Karren spannen lassen hat“, führte Oliver Pragal, Anwalt von Kai N., aus.

Hintergrund: Die ODS hatte im November 2006 einen Vertrag mit Universal Pictures International (UPI) abgeschlossen – seinerzeit das zweitgrößte Hollywoodunternehmen. In einem Zeitraum von viereinhalb Jahren sollte das Dassower Unternehmen 70 000 Europa-Kunden von UPI mit DVDs beliefern. Der Partnerfonds war ein Geldgeber für den Deal. 15 Millionen Euro stellten sie zur Verfügung. Über Risiken sollen die drei ehemaligen Geschäftsführer die Fondsgesellschaft informiert haben. Mit der Insolvenz argumentiert die nun anders – aber unter Vortäuschung falscher Tatsachen, sagen die Verteidiger und sprachen von einer Verzerrung des Sachverhalts. Der Vorwurf, die Geschäftsführer solle die Fondsgesellschaft unter falschen Angabe zu dem Deal gebracht haben, weist Anwalt Oliver Pragal als unhaltbar zurück. Er warnte zugleich, dass sich die Kammer mit der Wirksamkeit der Klage befassen müsse. „Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Anklage das sprichwörtlich tote Pferd reitet.“

Kai N. erläuterte in seiner mehrseitigen Einlassung, dass er bei den Verhandlungen mit der Fondsgesellschaft dabei war. Auch er betonte, dass der Partnerfonds auf mögliche Risiken hingewiesen worden war und er zu keinem Zeitpunkt falsche Angaben gemacht habe. „Seit nunmehr zwölf Jahren sehe ich mich mit diversen schweren Vorwürfen und Anklagen konfrontiert und es ist kaum vorstellbar, was das für meinen privaten und beruflichen Alltag bedeutet“, verdeutlichte er. Es würde keine Planungssicherheit für ihn und die Familie geben, die berufliche Laufbahn sei so gut wie zerstört. „Ich bin ein grundehrlicher Mensch und habe stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“

Ähnlich unschuldig sieht sich Andreas O., der im Sommer 1997 mit Wilhelm M. in Kontakt kam, nachdem der seine insolvente Firma aufkaufte und später als ODS firmierte. Bei den Verhandlungen mit dem Partnerfonds sei er zu keinem Zeitpunkt involviert gewesen. Die Anklageschrift kritisierte er in vielen Punkten. Mehrere falsche Daten und auch Tatsachen seien angegeben. Die ihm vorgeworfenen schweren, kriminellen aber unhaltbaren Taten hätten unmittelbar Einfluss auf seine Lebensqualität und die beruflichen Möglichkeiten. „Das Mindeste, was ich als Angeklagter von der Staatsanwaltschaft erwarten kann, ist, Fakten korrekt niederzuschreiben und mit größter Sorgfalt zu prüfen.“

Die nächste Verhandlung steht am 15. Februar an. Dann wird die Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

Den Angeklagten wird gemeinschaftlicher schwerer Betrug, Bankrott und Verletzung der Insolvenzantrags- und Buchführungspflicht vorgeworfen. Das CD-Werk galt als einer der größten Hersteller von CDs und DVDs in Europa. Durch die Firmenpleite vor zehn Jahren verloren rund 1200 Beschäftigte ihre Jobs. Die Angeklagten standen vor vier Jahren vor dem Landgericht, das sie wegen Kreditbetruges schuldig sprach und Bewährungsstrafen verhängte. Vom Vorwurf des Subventionsbetrugs und der Steuerhinterziehung wurde das Trio freigesprochen. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Revision ein.

OZ

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