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Damshagen will Altar-Figuren retten

Damshagen Damshagen will Altar-Figuren retten

Knapp 50 Jahre lagen die Arbeiten eines Lübecker Meisters in Kisten auf dem Dachboden des Pfarrhauses.

Damshagen. Die Arme hat er eingebüßt, einen Flügel und etliche Zehen verloren — doch um seinen Mund spielt ein sanftes Lächeln. 289 Jahre alt ist der Engel, der ein wenig verloren auf dem Dachboden des Pfarrhauses in Damshagen steht. Mit drei weiteren Figuren und einem Christus hat er von 1724 bis 1964 den Kanzelaltar in der Thomaskirche geschmückt. „Die Figuren aus Lindenholz waren schon damals so stark vom Holzwurm befallen, dass sie abgenommen wurden“, sagt Wolf Beckmann vom Förderkreis der Damshagener Kirche. An eine Restaurierung der von dem norddeutschen Barockbildhauer Hieronymus Jakob Hassenberg stammenden Skulpturen dachte zu DDR-Zeiten niemand.

49 Jahre auf dem Dachboden haben ihren Anteil am weiteren Verfall. An eine Restaurierung der Figuren war wegen fehlender Finanzmittel über Jahre nicht zu denken. „Doch dann erfuhren wir, es vielleicht eine Förderung für die anstehenden Arbeiten gibt“, beschreibt Wolf Beckmann. Er habe sich im Landkreis umgehört und die Adresse von Diplom-Restauratorin Annette Seiffert in Wismar erhalten, die schon den Altar in Hohenkirchen restauriert hat. Sie sah sich die Figuren in Damshagen an, rechnete und kam zu dem Schluss, dass allein deren Bestandssicherung etwa 15 000 Euro kosten würde. Für Wolf Beckmann und Hanna Blumenschein, Pastorin zur Anstellung, eine durchaus nachvollziehbare Summe. „Einige Teile waren so morsch, dass sie uns unter den Händen zerbröselten“, erinnert sich Wolf Beckmann.

„Durch die Landeskirche wurden Fördermittel in Höhe von 10 000 Euro bewilligt“, sagt Hanna Blumenschein und fährt fort: „Ohne die, hätten wir den Erhalt der Figuren nie in Angriff nehmen können.“ Bleiben aber immer noch 5000 Euro, die die Kirchengemeinde aufbringen muss. „Zum Glück müssen wir in diesem Jahr nur 2000 Euro aufbringen“, freut sich die 29-jährige Pastorin. Da die Kirchgemeinde mit der Sanierung des Kirchendaches an ihre finanziellen Grenzen stoße, sei der Eigenanteil vorläufig reduziert worden, hatte die Landeskirche begründet. „Dennoch müssen wir die 3000

Euro irgendwann aufbringen“, so Hanna Blumenschein.

Christus, die allegorischen Figuren von Glaube und Hoffnung sowie einer der beiden Engel liegen inzwischen in der Werkstatt von Annette Seiffert. Dort werden sie zunächst vom Oberflächenstaub befreit und anschließend die Holzoberfläche gereinigt. „Zur Holsfestigung sollen Streich- oder Injektionsverfahren angewendet werden“, schlägt die Restauratorin vor. Je nach Zustand würden Acrylate oder Epoxidharz eingesetzt. Annette Seiffert hat an den Figuren festgestellt, dass die ursprüngliche Farbfassung weitgehend verloren ist. Sie ist sicher: „Die vorhandene, sichtbare Fassung stellt vermutlich eine Übermalung der Originalfassung dar.“

An eine umfassende Restaurierung, bei der auch verlorene Teile ersetzt würden, mögen Hanna Blumenschein und Wolf Beckmann noch nicht denken. „Wer weiß wie hoch die Kosten dafür wären!“ Ein Gedanke schwebt der jungen Pastorin aber doch durch den Kopf: „Es wäre schön, wenn im nächsten Jahr — also 50 Jahre nach der Abnahme — wenigstens der Christus schon mal wieder den Altar krönen würde.“ Und wenn die letzten Figuren 2024 auf den Altar zurückkehren würden, wäre das „einfach perfekt — genau 300 Jahre nach der Aufstellung des Altars“.

Sylvia Kartheuser

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