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Das Sprint-Talent aus Grevesmühlen

Grevesmühlen Das Sprint-Talent aus Grevesmühlen

Janika Lange vom SV Blau-Weiß startet bei den Deutschen Meisterschaften in Rostock.

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Über 100 Meter Hürden hat sie die DM-Norm geknackt.

Grevesmühlen. Wenn junge Sportler erfolgreich sind, schießen vielen stets die gleichen Vorurteile in den Kopf. Strenge Eltern, noch strengere Trainer, verantwortlich für einen jungen Menschen, der sich selbst für seinen Sport aufopfert, der ohne Freizeit den ganzen Tag auf dem Trainingsplatz verbringt, verbissen, ja teilweise besessen ist, um noch höher, schneller oder weiter zu kommen. Unterhält man sich mit Janika Lange vom SV Blau-Weiß Grevesmühlen, merkt man, dass es auch anders gehen kann. „Es geht nicht nur darum, dass ich was erreichen möchte, ich muss dabei auch Spaß haben“, sagt die 18-Jährige. Das bedeutet nicht, dass es der derzeit erfolgreichsten Leichtathletin des Vereins egal ist, wie sie bei den Wettkämpfen abschneidet. Doch wenn sie über sich und ihren Sport spricht, ist eine enorme Gelassenheit zu spüren, die überrascht.

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Über 100 Meter Hürden hat sie die DM-Norm geknackt.

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„Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“ oder „das lasse ich auf mich zukommen“ sind Antworten, die mehrfach auftauchen, wenn man das grazile, etwas schüchtern wirkende Mädchen, nach ihren Plänen fragt. Klingt naiv, ist es aber bei Weitem nicht. Vielmehr wirkt es so, als nimmt Janika Lange die Dinge so, wie sie kommen, ohne überbordende Erwartungen, aber auch ohne zu tief zu stapeln.

Eine Einstellung, mit der sie bereits diverse Landesmeistertitel abgeräumt hat, seit einigen Jahren ihre Bestleistungen regelmäßig steigert und fast jedes Wochenende auf einer anderen Laufbahn der Nation ihr Bestes gibt zwischen der Chance, einen neuen persönlichen Rekord aufzustellen und dem Risiko, dass mit einem Sturz alles vorbei sein kann. Da ist es mindestens förderlich, wenn sie sich darüber nicht allzu viele Gedanken macht.

An Zielen mangelt es ihr freilich nicht. Das große für 2013 hat sie bereits erreicht. Janika Lange startet vom 26. bis 28. Juli bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock, als einzige Sportlerin aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg. „Ich freue mich, dass ich daran teilnehmen darf. Das schafft nicht jeder“, sagt Lange. Doch so ganz ausreichend scheint der olympische Gedanke dann doch nicht zu sein. „Der Zwischenlauf ist mein Ziel“, gibt sie dann doch eines für den Bundeswettkampf vor der Haustür aus.

Die republikweite Leichtathletikbühne betritt die Klützerin nicht zum ersten Mal. Bereits im vergangenen Jahr trat sie in Mönchengladbach bei den Deutschen Meisterschaften an. Dort landete sie über 100m Hürden auf Platz 26. Wenn es nach ihrem Trainer Steffen Weihe geht, soll in diesem Jahr ein deutlich besseres Ergebnis herausspringen. „Wir waren schon etwas enttäuscht“, sagte er unlängst über das Ergebnis im vergangenen Jahr. In diesem Jahr sei eine Zeit unter 15 Sekunden möglich.

„Es ist jedes Mal wieder etwas Neues“, antwortet Janika Lange auf die Frage, ob sie denn in diesem Jahr weniger nervös in den Wettbewerb geht. Noch sei sie zwar nicht aufgeregt, das beginne erst einen bis zwei Tage vor dem Wettkampf. „Am schlimmsten ist es kurz vor dem Start im Startblock.“ Am Trainingspensum werde derzeit wenig gedreht. „So viel kann man jetzt auch nicht mehr verändern“, sagt ihr Trainer.

Bis zu drei Mal pro Woche trainiert Janika Lange. Hinzu kommt die Schule. Sie besucht das Fachgymnasium der Berufsschule in Wismar, Schwerpunkt Wirtschaft. „Die Schule ist sehr wichtig, doch in letzter Zeit fällt es etwas schwerer, sie mit dem Sport unter einen Hut zu bringen“, sagt die Zwölftklässlerin.

Versteckt sich hier etwa ein Klischee, in Einsamkeit gefangen zwischen Tartanbahn und Schulbuch? „Zeit für Familie und Freunde nehme ich mir“, sagt Lange selbstbewusst. Sie habe zwar nicht viele, dafür eine kleine Gruppe von sehr guten Freunden. „Man merkt schnell, wer einen unterstützt und wer nicht.“ Ihre beste Freundin lebe in Lütjenburg, östlich von Kiel. Der Kontakt sei nie abgerissen. Das Internet helfe dabei.

Wirklich entscheidend dürfte es in einem Jahr werden, wenn die Abiturprüfung ansteht. Was dann kommt? „Ich mache mir schon Gedanken über die Zukunft. Ich bin neugierig, wie es dann wird“, sagt sie.

Sport- und Fitnesskauffrau wäre ein Wunschberuf. Studieren, umziehen in eine große Stadt, Köln oder Berlin, das wär‘s. Die nächsten zwölf Monate sind entscheidende in ihrem Leben, nicht nur sportlich. „Aber ich freue mich drauf.“ Gleichzeitig dürfte ihr der Abschied vom Zuhause schwerfallen, ein Grund, warum sie nicht schon längst auf eine der bekannten Sportschulen in Schwerin oder Rostock gewechselt ist. „Das ist nicht mein Ding. Ich würde meine Eltern vermissen.“

Doch egal, welchen Abzweig sie nimmt, ohne den Sport könne sie sich ihr Leben nicht vorstellen. Janika Lange sagt: „Da werde ich hibbelig.“

Meisterschaft in Rostock
Die Deutschen Meisterschaften der U18- und U20-Leichtathleten finden in diesem Jahr in Rostock statt. Vom 26. bis 28. Juli sind die Hansestadt und der 1. LAV Rostock Gastgeber für mehr als 2000 jugendliche Athleten. Die Wettkämpfe finden im Rostocker Leichtathletikstadion an der Fußballarena statt.

• Mehr Informationen gibt es im Internet unter:
www.djm-rostock.de

 

 

Robert Niemeyer

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