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Das Volk erobert Schloss Bothmer

Klütz Das Volk erobert Schloss Bothmer

Mehrere Tausend Besucher strömen am Tag der offenen Tür ins herrschaftliche Anwesen. Professorin äußert sich zu Namensstreit.

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Die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin unterhält das Publikum in Klütz mit Melodien aus Filmen und Musicals. Fotos (6): Dana Dolata

Klütz. Mehr als 200 Erwachsene und Kinder begehren Einlass in Schloss Bothmer. Sie stehen Schlange vor dem Hauptportal, wollen das Innere des barocken Anwesens sehen. Seit dem Beginn von Sanierungsarbeiten am 1. März 2009 sind die Gebäude für die Öffentlichkeit geschlossen. Doch nun lädt die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Mecklenburg-Vorpommern in Zusammenarbeit mit der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin zum Tag der offene Tür ein. Und Tausende kommen. So war es gestern am Bothmer-Tag in Klütz.

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Urlauber und Einheimische machen‘s sich vor Schloss Bothmer gemütlich. Die Chance bot gestern ein Tag der offenen Tür. Haupt- und Nebenhäuser sind eingerüstet. Fotos (3): Jürgen Lenz

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Nach dem Eröffnungskonzert der Mecklenburgischen Staatskapelle sputen sich die Gäste, um sich in die Schlange einzureihen. Mehr als 80 Besucher sollen nicht gleichzeitig im Haupthaus sein. Aus Sicherheitsgründen. „Wie kommen wir da wieder raus?“, fragt ein kleines Mädchen in der Schlange. „Gar nicht. Wir werden alle im Keller eingesammelt“, antwortet die Mutter und lacht. An den Bauzäunen informieren Schautafeln über die aufwendige Sanierung der größten barocken Schlossanlage in Mecklenburg-Vorpommern. Im Inneren bestaunen die Besucher prächtige Stuckdecken, Holzvertäfelungen und alte Tapeten. Fertig sind die Sanierer noch lange nicht. In einigen Räumen stehen Gerüste und Absperrgitter. Schilder warnen: „Betreten verboten. Den Anweisungen des Sicherheitspersonals ist Folge zu leisen“, „Schwamm. Alle Teile bleiben in Raum 1.102“ und „Leinöl, frisch gestrichen.“ 2015 soll das Schloss fertig sein.

Aber ist es überhaupt ein Schloss, wie die Stadt Klütz sagt, oder nur ein Herrenhaus, wie das Schweriner Innenministerium unlängst bei seiner Ablehnung des Namens „Schlossstadt Klütz“ meinte? Dieser Frage geht die Architekturprofessorin Dr. Sabine Bock in einem Vortrag vor 100 Zuhörern nach. Sie stellt Definitionen der Begriffe „Schloss“ und „Herrenhaus“ vor, erläutert Fakten aus der Historie des Anwesens, die für die Beantwortung der Frage wichtig sein könnten und kommt zu ihrem Fazit: „Man sollte es bei einer so langen Tradition belassen und sagen: Schloss Bothmer“. Die Klützer hören es gerne. Für sie ist Bothmer seit jeher ein Schloss. Als humoristische Zugabe zeigt die Professorin den Entwurf eines Ortsschildes. Darauf steht: „Bothmer — Schloss und Stadt im Klützer Winkel.“ Die Zuhörer lachen.

Draußen setzen sich Besucher auf den Vorplatz des Schlosses, genießen die gute Stimmung, klönen, lesen Zeitung. Andere stehen Schlange vor einer Würstchenbude oder wandern durch die Festonallee, die auf das Anwesen zuführt. An Ständen präsentieren sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Mecklenburg-Vorpommern, das Ostseebad Boltenhagen, der Boltenhagen-Verlag mit seinem neuen Buch „Schloss Bothmer — Legenden und Wahrheiten“ und der am 15. Mai gegründete „Förderverein Schloss Bothmer“. Er will nach eigenem Bekunden „eine vielfältige Nutzung der Anlage fördern und den Freunden des Schlosses Bothmer aus nah und fern einen Rahmen für Aktivitäten schaffen.“ Konzerte, Vorträge, andere Veranstaltungen und die Herausgabe von Publikationen seien für den Verein denkbar.

Mit der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin spielte zu Beginn des Bothmer-Tags das drittälteste Orchester Deutschlands. Nicht nur Lieder aus und über New York, wie zum Beispiel von George Gershwin, kamen zur Aufführung, sondern auch so manche amerikanische Film- und Musical-Melodie. Unter anderem das bekannte „Memory“ aus Andrew Lloyd Webbers „Cats“ wurde vorgetragen. „Ich fand das klasse“, sagte Rica Fasel (44) aus Schwerin. Ihr haben neben den Musical-Ausschnitten vor allem die Klassiker des „Walzerkönigs“ Johann Strauss gefallen, die in der etwa 20-minütigen Zugabe gebracht wurden. Rica Fasel hörte alles von ihrem zusammenklappbaren Stuhl aus. Und überhaupt saßen die allermeisten der Zuschauer — ob auf Stühlen oder mitgebrachten Picknickdecken. Die Stimmung: leger. Das Konzert fand im Ehrenhof von Bothmer im Rahmen von „MeckProms“ statt, bei dem die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin in jedem Sommer durch die landeseigenen Schlösser und Gärten tourt. Die Leitung hat in diesem Jahr Daniel Huppert und damit der amtierende Generalmusikdirektor inne.

Adelssitz, Isolierkrankenhaus und Altenheim

1726 beginnen die Bauarbeiten für Schloss Bothmer. Architekt Johann Friedrich Künnecke lässt es nach holländischen und englischen Vorbildern errichten.

1732 ist es fertig. Das Anwesen bleibt bis 1945 im Eigentum der Familie von Bothmer.
1945 werden die Besitzer enteignet. Das Schloss dient bis 1946 als Isolierkrankenhaus für Menschen mit Typhus und anderen ansteckenden Krankheiten.

1948 eröffnet im Schloss ein „Feierabendheim Clara Zetkin“ genanntes Alten- und Pflegeheim. Arbeiter bauen Seitenflügel um und errichten auf der Schlossinsel neue Gebäude.

1998 verkauft der Landkreis Nordwestmecklenburg das Anwesen für zwei D-Mark an einen potenziellen Investor. Sanierungsarbeiten bleiben aus. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit bekommen der Landkreis und die Stadt Klütz das Schloss und den Park zurück.

2008 erhält das Land Mecklenburg-Vorpommern Schloss und Park. Wenig später beginnen Sanierungsarbeiten. jl

 

 

Jürgen Lenz und Dana Dolata

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Für das Schloss liegen große Pläne vor. Foto: Markus Scholz

Der Tag der offenen Tür in der Barockanlage im nordwestmecklenburgischen Klütz ist auf großes Interesse gestoßen.

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