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Grevesmühlen Das Wunder von Boltenhagen
Mecklenburg Grevesmühlen Das Wunder von Boltenhagen
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04:11 05.03.2013
Nico D�rfeld im Gespr�ch mit Chefarzt Dr. Oliver Heese, der ihm eine k�nstliche Sch�delplatte zeigt. Eine solche ist Nico im Februar dieses Jahres eingesetzt worden. Bis dato lebte er ohne. Quelle: privat

Ärzte im Schweriner Klinikum haben einen erheblichen Anteil daran, dass er gerade mit leuchtenden Augen seine Mutter anschaut, sie umarmt und drückt — und das nicht nur für den Fotoapparat, der auf beide gerichtet ist.

Ein Rückblick: Mit seinem Freund hat sich Nico in Boltenhagen zu einem gemütlichen Kneipenabend verabredet. Gegen 23 Uhr macht er sich allein mit seinem Fahrrad auf den Weg nach Hause. Auf der Mittelpromenade fährt er versehentlich eine Urlauberin an. Nico stürzt. Sein Kopf prallt auf den Asphalt. Er ist bewusstlos. Die Frau bleibt unverletzt.

„Der Aufprall löste eine Blutung zwischen Gehirn und Hirnhaut aus, die den Druck auf das Gehirn so stark erhöhte, dass der Patient bewusstlos wurde und akute Lebensgefahr bestand“, erläutert Dr.

Oliver Heese, Chefarzt der Klinik für Neuro- und Wirbelsäulenchirurgie der Helios Kliniken Schwerin, das Geschehen aus medizinischer Sicht. Um 2 Uhr wird Nico im Klinikum der Landeshauptstadt notoperiert. Die Neurochirurgen entfernen ihm ein mehr als faustgroßes Stück Schädelknochen auf seiner linken Kopfhälfte. „Zu diesem Zeitpunkt war der Druck auf das Gehirn bereits so stark gestiegen, dass ein tödlicher Hirninfarkt drohte“, sagt Dr. Heese. „Dass er heute wieder ein eigenständiges Leben führen kann, grenzt an ein Wunder.“

Mehr als zwei Wochen liegt der gebürtige Grevesmühlener im Koma. Am 2. August wird er für eine Frühreha in eine Fachklinik nach Leezen verlegt. Schlucken, Sprechen, Lesen, Schreiben, Laufen — alles, was die linke Gehirnhälfte steuert — muss Nico von Neuem lernen. Zur Sicherheit trägt er ständig einen Helm. Zu groß ist die Verletzungsgefahr durch das fehlende Stück Schädelknochen. Ohne diesen lebt der gelernte Maler, der bis zu dem Unfall als Lkw-Fahrer tätig war, bis zum 15. Februar diesen Jahres. An jenem Freitag setzen ihm Neurochirurgen eine künstliche Schädelplatte ein. Geblieben ist eine große Narbe, die sehr gut heilt — ebenso die seelischen Narben. „Er hat bitterlich geweint, als er von dem Unfall erfuhr“, erzählt seine Mutter Birgit Dörfeld (51), die ihren Sohn zunächst bei sich aufnimmt. Lange wusste Nico nicht, was ihm eigentlich widerfahren war. Erinnerungen an die Familie kamen nur langsam wieder. Heute ist ihm bewusst: Er kann jedes Jahr zwei Mal Geburtstag feiern.

Der Unfall liegt fast acht Monate zurück. Nico sitzt auf seinem Sofa und lächelt stolz. Seit einigen Tagen lebt er wieder in seinen eigenen vier Wänden im Boltenhagener Ortsteil Tarnewitz — ein Stück Eigenständigkeit für ihn. Er selbst weiß, dass es an ein Wunder grenzt, dass er sich entgegen der sehr schlechten Prognose schnell wieder erholte. Zu kämpfen hat der junge Mann — nur, muss man fast sagen — mit Konzentrationsstörungen. Auch sein Kurzzeitgedächtnis ist eingeschränkt. „Aber ich muss keine Medikamente nehmen. Kopfschmerzen habe ich auch nicht“, erzählt er und ergänzt, dass er das Leben neu zu schätzen gelernt habe. „Ich genieße das Zwitschern der Vögel im Wald oder den Duft der Natur.“ Es sei selten, dass solche eine Verletzung wie Nicos so gut verlaufe, erklärt Chefarzt Dr. Oliver Heese. Alle vier Wochen würden schwere Fahrradunfälle im Schweriner Klinikum behandelt werden. „Nicht immer mit gutem Ende.“

Dass er heute wieder ein eigenständiges Leben führen kann, grenzt an ein Wunder.“Chefarzt Dr. Oliver Heese über seinen Patienten Nico Dörfeld

Jana Franke

Redaktion: 038 81/7 878 860 Leserservice:

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