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Grevesmühlen Delling: „Hoffentlich steigt nicht noch ein Nordclub ab“
Mecklenburg Grevesmühlen Delling: „Hoffentlich steigt nicht noch ein Nordclub ab“
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00:01 29.04.2016

Geld regiert auch die Fußballwelt. Dies machte der bekannte Moderator und Sportjournalist Gerhard Delling (57) am Mittwoch seinen Zuhörern in der Wismarer Hochschule klar. Professor Gerd Schneider hatte den Hamburger als Gastredner für die Vortragsreihe „Medien + Märkte“ eingeladen — zwischen beiden entwickelte sich ein Dialog über Profigehälter, teure Lizenzen für Übertragungsrechte und die Fußball-Europameisterschaft 2016 — gezeichnet durch Sicherheitsstreben und Terror.

„Die Sicherheitslage in Frankreich wird besonders spannend“, sagt Gerhard Delling — und sein Publikum schweigt. Laut Veranstalter war die Vortragsreihe selten so gut besucht. 50 Studierende drängten sich in den Raum des Gebäudes 7b auf dem Hochschul-Campus, wer nach 16 Uhr kam, musste stehen. „Ich habe da zum ersten Mal gemischte Gefühle“, sagt Delling. „Man sollte die Augen offen halten.“

Sorgen mache er sich dabei mehr um das Umfeld, weniger um die Mannschaften oder die doch recht sicheren Stadien. „Klappt alles, dann ist eine EM eine der tollsten Veranstaltungen“, sagt Delling. „Für mich heißt das vier Wochen Quarantäne, nichts anderes als Fußball, tolle Abende, tolle Gespräche und hoffentlich super Spiele.“ Er sieht Deutschland schon im Halbfinale — und steht dann selbst als Reporter wieder an der Linie. Als er Anfang der 80er Jahre als freier Mitarbeiter beim NDR anfing, hat er davon geträumt. Professor Gerd Schneider war damals in Kiel der Hörfunk-Chef — eine gemeinsame NDR-Vergangenheit, die verbindet. „Ich hatte mit Armin Hofer einen wunderbaren Sportchef, der viele Leute ausgebildet hat“, sagt Schneider. „Er hat den Studenten Delling angeheuert. Das Ergebnis können wir seit Jahren sehen.“ Auf der Suche nach einem Höhepunkt für die Vortragsreihe habe er den alten Freund angerufen. „Er hat sofort zugesagt“, sagt Schneider. „Wir hatten damals ja auch eine schöne Zeit“, sagt Delling. „Wir haben eng zusammengearbeitet, anders als in einem Großbetrieb.“

Auch nach Jahrzehnten im Job geht Delling noch gern zur Arbeit. „Natürlich verdienen wir auch gutes Geld“, sagt er. „Weil Fußball so populär ist. Es ist aber nicht vergleichbar mit dem, was ein Fußballprofi verdient, der mal durchs Stadion hampelt. Ich spreche nicht von Stars, sondern von durchschnittlichen Typen. Auch die verdienen weit mehr als ein normaler Arbeitnehmer.“ Der Vorteil des Fußballs gegenüber anderen Sportarten: Er hat sich rasant professionalisiert und so frühzeitig entscheidende Verteilungskämpfe gewonnen. Das zeigt die starke Medienpräsenz heute.

Die nächsten Verteilungskämpfen laufen bereits. „Mit der Digitalisierung drängen neue Wettbewerber auf den Markt“, sagt Delling. Dadurch könnte es bald verstärkt zu neuen Pay-TV-Modellen kommen — und zu weniger Spielen in der Sportschau.

Derzeit beschäftigt sich Delling jedoch eher mit dem Abstiegskampf. „Ich hoffe nicht, dass wir noch einen Nordclub verlieren. Hannover 96 ist ja schon weg“, sagt Delling. „Für mich sind Stuttgart und Frankfurt am stärksten gefährdet, betrachtet man das Restprogramm.“ Ausgeschlossen sei, dass der Hamburger SV das Triple in der Relegation klarmacht.

Von Kay Steinke

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