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Dem syrischen Chaos entkommen

Wismar Dem syrischen Chaos entkommen

Eine Familie aus Damaskus dankt den Helfern in Wismar.

Wismar. Jeden Tag Schreckensbilder aus Syrien in den Nachrichten. Dr. Ing. Muhamad Ayas Harfosh hat mit seiner Familie in Damaskus viel Schlimmes erlebt. Darüber möchte er nicht sprechen. Er möchte nur Danke sagen dafür, dass er nach Deutschland fliehen konnte. Dafür, dass der Wissenschaftler mit seiner Familie herzlich in Wismar empfangen wurde. Dafür, den Bomben entkommen zu sein. 2008 hat Muhamad Ayas Harfosh an der Uni Rostock, Außenstelle Wismar, promoviert. Seine „Untersuchung zur Verbesserung des hygrothermischen Verhaltens von Gebäuden in Syrien als Beitrag für eine nachhaltige Baupolitik“ war dafür gedacht, im heimatlichen Syrien Energie zu sparen. Bis zu 75 Prozent weniger Energiebedarf für eine Wohnung in Damaskus, rechnete der Bauingenieur vor. 2008 ist Muhamad Ayas Harfosh mit diesem Wissen und dem Doktortitel wieder zurück nach Syrien gegangen.

„Die Situation dort war super. Es war sicher, meine Heimat, die Familie, es war schön!“, erzählt er. Fünf Jahre später kam das Chaos. „Bei uns im Haus schlugen die Bomben ein“, erzählt der Mann, der ein besseres, ein gewählteres Deutsch spricht als viele von hier. Er erzählt von den Autobomben in den Straßen von Damaskus. Vom Krieg und der Enttäuschung, dass das Land wieder zusammenbricht. Von der Enttäuschung über die Menschen, die so agieren. Mit jeder Explosion wuchs der Wunsch, mit Frau und Kindern irgendwie dieser Hölle zu entkommen. Muhamad Ayas Harfosh nahm Kontakt zu seinem alten Doktorvater in Wismar auf. Der half. Nach einer anstrengenden Flucht ist die Familie seit Januar in Wismar. Der Doktor und seine Angehörigen sind keine Asylsuchenden. Muhamad Ayas Harfosh hat ein Forschungsprojekt an der Wismarer Hochschule bei Prof. Dr.-Ing. Mathias Wilichowski.

„Entwicklung einer Wärmespeicherverbundplatte aus Beton“, nennt Dr. Harfosh seinen Forschungsauftrag. „Es ist ein schönes Gefühl, in Sicherheit zu sein“, erzählt er weiter, gibt aber auch zu, dass er viel vermisst. „Es ist ein gemischtes Gefühl, ich habe meine Eltern und die Heimat verlassen.“ Zum Glück wurden auch die Kinder gut aufgenommen in der Stadt. Sein sechs Jahre alter Sohn Karim und die neunjährige Hiba werden in der Fritz-Reuter-Schule unterrichtet. Ohne ein Wort Deutsch zu können. Die Kinder sprechen Englisch, haben aber dank engagierter Lehrerinnen und viel Einzelunterricht neben dem normalen Unterricht schon einiges gelernt. Mit Bildkarten wird ihr Vokabular von Tag zu Tag größer. Dazu das tägliche Sprechen mit den Klassenkameraden in den Pausen, das Zuhören und auch schon Mitmachen im Unterricht. Man merkt den beiden an, dass sie sich wohlfühlen.

 



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