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Grevesmühlen Der Ruf der weiten Ozeane – Piratenromantik damals und heute
Mecklenburg Grevesmühlen Der Ruf der weiten Ozeane – Piratenromantik damals und heute
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00:00 03.08.2016

In einer Zeit, als Schiffe noch aus Holz und Männer noch aus Eisen waren: Hohe Wellen türmen sich auf, majestätisch durchpflügt ein imposantes Schiff die See. Der Rumpf ist frisch geteert und aus den Luken lugt eine volle Batterie auf Hochglanz polierter Kanonen. Die Segel blähen sich im Wind und im geschäftigen Treiben der Decksmannschaft fällt ein Mann auf, der besonnen in die Weite blickt: der Captain. Da plötzlich entdeckt er etwas, er strafft sich und unter seinem geschulten Kommando werden in Windeseile die schwierigsten Seemanöver ausgeführt. Der „Jolly Roger“ wird gehisst, die schwarze Flagge mit dem grinsenden Totenkopf. Schon hat er sein Schiff längsseits gebracht und sein Befehl: „Feuer!“ schallt über das Deck.

Die Kolumne

Benjamin Kernen, Regisseur und Hauptdarsteller des Piraten Open Air, schreibt regelmäßig für die OSTSEE-ZEITUNG. Noch bis zum 3. September läuft das Stück dienstags bis sonntags in Grevesmühlen. Karten: 03881/7878870

Ohrenbetäubend spucken die Kanonen ihre tödliche Ladung auf das gegnerische Schiff, Männer mit Messern zwischen den Zähnen schwingen sich an Tauen auf das andere Deck und der Enterkampf beginnt. Die Piraten sind erfolgreich, das andere Schiff ergibt sich, ein gewaltiger Goldschatz ist an Bord, es wird mit viel Rum gefeiert und am Ende bekommt der Captain auch noch das hübsche Mädchen.

Piratenromantik eben, wie sie uns die Literatur und Hollywood vorgaukelt.

Die Wirklichkeit sah anders aus. Piraten gehörten zu den Ärmsten der Armen. Männer, die sich aus purer Not auf einem Seelenverkäufer anheuern ließen. Die Wahrscheinlichkeit, auf hoher See an Hunger, Durst, Blutvergiftung, Wundbrand, Skorbut, Syphilis oder Suff zu sterben, war äußerst hoch. Nur die wenigsten Piraten haben jemals einen legendären Goldschatz erbeutet. Das bisschen Heuer ging im nächsten Hafen für Wein und Weib drauf und wer nicht irgendwann von einer Kolonialmacht geschnappt und gehängt wurde, versank mittel- und namenlos eher früher als später im feuchten Grab der See.

Aber, auf einem Piratenschiff war jeder willkommen, der gesunde Arme und Beine hatte, ungeachtet der Religion oder Hautfarbe. Die Bruderschaften hielten zusammen und wer das Glück hatte, „nur“ ein Bein, ein Auge oder einen Arm zu verlieren und daran nicht zu sterben, erhielt eine Rente und ein Gnadenbrot. Die Erfindung des Sozialsystems. Verwaltet wurden piratische Vereinigungen meist demokratisch. Der Captain wurde von der Mannschaft gewählt. Er wiederum erwählte seine Vertrauten. Intrigen, Machtspiele, Stimmenkauf bei Wahlen waren also allgegenwärtig.

Das Leben auf einem Piratenschiff bot alle Facetten eines sozialen und ökonomischen Systems, wie wir es heute überall in unserer modernen Welt wieder finden.

Wie dankbar bin ich also, dass ich allabendlich beim Piraten Action Open Air Theater in Grevesmühlen in ein Kostüm schlüpfen darf und die Zuschauer in eine andere Welt entführen kann: in eine Welt, die der Unseren so unähnlich ist und genau das für Groß und Klein bietet: Piratenromantik in schönster Hollywood-Manier.

alias Capt´n Flint.

Euer Benjamin Kernen

Dass er sich bewerben würde um das Amt des Bürgermeisters, war keine Überraschung.

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