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Der Wald macht Schule

Grevesmühlen Der Wald macht Schule

Gostorfer Projekt erfreut sich großer Beliebtheit bei den Kitas der Region

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Fasziniert vom Basteln mit Naturmaterialien: Amalia (6) und Lion (6) aus dem Schönberger Kinderhaus „Am Oberteich“ basteln in der Gostorfer Waldschule lustige Gesellen aus Holz, Zapfen und Kiefernzweigen.

Quelle: Fotos: Karl–ernst Schmidt

Grevesmühlen. Wenn Peter Rabe, Leiter des Forstamtes Grevesmühlen, vom Wald und seiner Bedeutung für Menschen spricht, kommt er ins Philosophieren. „Unsere Wälder sind schon lange keine dunklen Urwälder mehr. Sie sind vom Menschen bewirtschaftete Kultur- und Lebensräume für Nutz- und andere Pflanzen, eine Vielzahl von Tieren, die eine Welt im natürlichen Rhythmus von Werden und Vergehen repräsentieren.“

OZ-Bild

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Ruhe und geordnete Zyklen im Wald

Den Forstamtsleiter freut es, dass sich seit einigen Jahren wieder mehr Menschen für die einheimischen Wälder interessieren. „Womit das zusammenhängt, darüber kann man nur spekulieren“, sagt er. Dass die Wirren der Zeit und eine Überforderung vieler Menschen durch eine unübersichtliche Flut an Daten eine wachsende Sehnsucht nach Ruhe und geordneten Zyklen – die im Wald zu beobachten sind – hervorbringen, ist eine Vermutung von Rabe. Gleichzeitig werden Wälder auch zunehmend zu „Schulungsräumen“, in denen der nachhaltige Umgang mit der Natur gelernt werden kann.

Die Waldschule des Forstamtes Grevesmühlen in Gostorf leistet seit 2004 einen wichtigen Beitrag zur „ neuen Waldpädagogik“, sagt Peter Rabe. Sie erfreut sich großer Nachfrage – und dabei geht es weniger um „Missionierung“ und den „erhobenen Zeigefinger“, wie Rabe betont, sondern vielmehr um das Erleben des Waldes „mit allen Sinnen“. Besonders aufgeschlossen erleben die Forstamtsmitarbeiter Kinder und Jugendliche. „Sie sind eher bereit als Erwachsene, all ihre Sinne zu gebrauchen“, meint Rabe. Ein Trend, der ihn und seine Förster auch freut, ist, dass Kindertagesstätten im Landkreis regelmäßig in der Waldschule vorbeischauen. Damit ist nicht nur das Holzhaus gemeint, das auf dem alten Forsthof in Gostorf steht. Das ist, wie Rabe betont, nur eine Art „Basisschullager“. Es ist der Wald selbst, in dem Erzieher und Kinder auf Erkundungstour gehen, in der sie die Stadien der Natur beobachten, vor einem Ameisenhügel stehen bleiben, um in dem Gewimmel eine Struktur zu erkennen.

Vogelstimmen lauschen und bestimmen oder Fährten lesen.

Das Kinderhaus „Am Oberteich“ in Schönberg gehört zu den pädagogischen Einrichtungen im Landkreis, die die Gostorfer Waldschule regelmäßig besuchen. Erst vor Ostern waren Schönberger Kinder wieder auf dem Forsthof, um mit Materialien aus dem Wald zu basteln, sich Tiere anzuschauen und etwas über den Wald zu lernen. Elke Nitz ist eine der beiden Leiterinnen des Kinderhauses. „Wenn ich sehe, wie begeistert die Kinder jedes Mal sind, wenn sie aus Gostorf kommen“, berichtet sie: „dann weiß ich, dass unser Konzept, ihnen die Natur nahezubringen, tatsächlich aufgeht.“ Dass es notwendig ist, vielen Kindern die Natur ganz bewusst zu erschließen, ist dabei auch eine Beobachtung der Hort-Leiterin. „Es ist eine Art Gegengewicht zur Tendenz, dass immer mehr Kinder zu Hause nur noch mit digitalen Medien beschäftigt sind.“

„Junge Weltentdecker“ aus Grevesmühlen sind naturnah

Ein Problem, mit dem Alexandra Loy, die Leiterin der Grevesmühlener DRK-Kita „Die jungen Weltentdecker“, in ihrer Einrichtung selten konfrontiert ist. „Viele unserer Kinder haben offenbar einen sehr vertrauten Bezug zur Natur“, erzählt sie. Tatsächlich, berichtet Loy weiter, werden sie und andere Erzieherinnen während der gemeinsamen Besuche in der Waldschule in Gostorf von den Kindern immer wieder überrascht.

Zum Beispiel zeigen sich viele der Kinder nicht nur daran interessiert, etwas über den Lebensraum Wald zu erfahren – sie wollen tatsächlich auch das Kühlhaus sehen, das sich auf dem Forsthof befindet – und zeigen keinerlei Berührungsängste vor den erlegten Tieren, die sich darin befinden. „Als ich mit meiner Gruppe dort war“, sagt Loy, „und ich war nicht unbedingt scharf auf das Kühlhaus, fragte ich meine Kinder, ob sie denn sicher sind, dass sie mit dem, was da drin ist, auch wirklich klarkommen? Da meinte einer der Jungs zu mir: ,Ja, glaubst du denn, die Broiler wachsen an den Bäumen?’ Was mir zeigte, dass er sich sehr wohl darüber klar ist, was es bedeutet, das Fleisch von Tieren zu essen, wo es herkommt und was dafür nötig ist.“

Forstamtsleiter Rabe freut so viel Aufgeschlossenheit und Interesse. Er bittet jedoch um Verständnis, dass – aus Kapazitätsgründen – nicht alle Kindergärten im Landkreis jederzeit einen Termin in der Waldschule bekommen können. „Es ist gut, wenn die Erzieher, die zu uns kommen, als Multiplikator wirken und in den Kindergärten das weiterführen, was hier bei uns in der Waldschule gezeigt wird.“ Das machen auch schon immer mehr Kindertagesstätten im Landkreis. Auch die „Jungen Weltentdecker“ aus Grevesmühlen gehen regelmäßig in den Wald. Schließlich liegt der nur zehn Minuten vom Kindergarten entfernt.

Annett Meinke

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