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Der letzte seiner Zunft

Grevesmühlen Der letzte seiner Zunft

Der Grevesmühlener Wolfgang Neu (81) hat Drucken einst als Handwerk gelernt. Niemand aus seiner Familie will die alte Familiendruckerei in der August-Bebel-Straße, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand, weiterführen.

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Wolfgang Neu (81) wird wohl der letzte Drucker in der familieneigenen Druckerei Neudruck aus Grevesmühlen sein.

Quelle: Annett Meinke

Grevesmühlen. Der Tag von Wolfgang Neu in Grevesmühlen beginnt schon früh – so gegen sechs. Das müsste nicht unbedingt so sein – Wolfgang Neu, der drucken noch als Handwerk gelernt hat, ist 81 Jahre. Ein Alter, das ihm selbst ein wenig surreal vorkommt. Er müsste jedenfalls schon lange nicht mehr arbeiten. Doch er tut es, denn, wie er meint: „der Mensch ist ein Gewohnheitstier“. Oder, wie sein älterer Bruder, der früher Chefarzt war, bereits seit 20 Jahren pensioniert ist und in Heide, Schleswig-Holstein wohnt, sagt: „Wolfgang, du betreibst ein teures Hobby.“

Gewohnheit, Berufung, Hobby, wie auch immer man es nennt. Die Druckerei in der Grevesmühlener August-Bebel-Straße 19 – zu der Wolfgang Neu an jedem Morgen vom Wasserturm aus - wo er wohnt - radelt und Aufträge erledigt, zum Beispiel für Ivecco oder das Bio-Hotel Gutshaus Stellshagen –, ist nicht irgendeine Druckerei. Es ist die alte Grevesmühlener Familiendruckerei Neudruck, in der noch auf Platten und mit Offset gedruckt wird, manchmal auch noch der ein oder andere Druckauftrag von Wolfgang Neu aus dem Druckkasten selbst gesetzt wird.

Alles läuft immer noch gänzlich ohne Computer ab. Es werden Visitenkarten gedruckt, Briefbögen auf exklusivem Papier, auch wertvolle bibliografische Ausgaben des Berliner Verlegers Christian Ewald. Und – die Druckerei gehört Wolfgang Neu. Sie gehört ihm – wie zuvor seinem Vater und davor seinem Großvater. Früher arbeiteten dort bis zu acht Leute. „Vier in der Setzerei und vier in der Druckerei.“, erzählt er.

Heute arbeitet dort nur noch Wolfgang Neu. Wenn er eines Tages aufhört - wird wohl niemand mehr dort drucken. Die alten Maschinen, zum Beispiel die alte „Standard Heidelberg A4“ von 1936, wird - wenn sie Glück hat - in ein Museum kommen. Wenn sie Pech hat, vielleicht auch auf den Schrott.

„Es will sich doch heute Niemand mehr wirklich mit den alten Maschinen beschäftigen“, sagt Wolfgang Neu traurig. „Höchstens noch, um Geld daraus zu schlagen, aber richtiges Handwerk ist nicht mehr gefragt.“ Und auch wenn das nicht ganz so stimmt, denn immerhin gibt es immer noch Menschen, die ganz offensichtlich Wert auf Wolfgang Neus handwerkliches Können und auf die Herstellung von Druckerzeugnissen auf eine ältere, langsamere Art und Weise legen - Tatsache ist, keiner aus Neus Familie interessiert sich für die Weiterführung der alten Familiendruckerei. 

Wolfgang Neu selbst hat keine Kinder, doch auch die Kinder seines Bruders, haben kein Interesse an dem alten handwerklichen Familienerbe. Was er in gewisser Weise versteht, denn „die haben ganz andere Sachen im Kopf, haben eigene Firmen gegründet.“

Meinke Annett

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