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Grevesmühlen Der verschollene Pastor aus Friedrichshagen
Mecklenburg Grevesmühlen Der verschollene Pastor aus Friedrichshagen
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00:05 09.05.2017
Ansicht der Friedrichshagener Kirche von der Straße aus – der Zugang (ehemalige Freitreppe) und die Feldsteinmauer sollen restauriert werden. Quelle: Fotos: Annett Meinke

Kürzlich traf sich der Förderverein zur Erhaltung der Kirche in Friedrichshagen zu seiner jährlichen Mitgliederversammlung in der Plüschower Schlossremise – wie in jedem Jahr um diese Zeit. Wie bereits ebenfalls üblich, wurde ein Gast dazu geladen, der einen interessanten Vortrag hielt.

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Wismarer Stadtarchivar Nils Jörn las aus Tagebüchern von Wilhelm Bartelt

Briefe aus dem Speziallager Fünfeichen

Nils Jörn, der das Amt des Stadtarchivars in Wismar seit zwei Jahren bekleidet, war dieser Gast. Er trug unter anderem berührende Ausschnitte aus dem Tagebuch des Friedrichshagener Pastors Wilhelm Bartelt vor. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Bartelt im Speziallager Nr. 9 in Fünfeichen, in der Nähe von Neubrandenburg, interniert. Es gelang dem Pastor, Tagebuch zu führen – in Briefform, an seine Frau adressiert – und ganz offenbar, einiges davon aus dem Lager zu schmuggeln.

In seinen Aufzeichnungen beschreibt Bartelt die harte Realität im Lager, die Arbeit, hygienische Zustände, Krankheiten, spricht auch von Menschen, die täglich verschwinden, aber auch von dem, was er versucht, um zu überleben und wieder nach Hause zu kommen. „Wenn man Wilhelm Bartelts Aufzeichnungen liest“, schloss Nils Jörn seine Lesung, „hat man irgendwie die Hoffnung und eigentlich auch das sichere Gefühl, dass er es schafft.“ Doch dem ist nicht so, Wilhelm Bartelt galt seit dem 15. Juli 1945 als verschollen – was bedeutet, dass die Briefe an seine Frau aufhörten. Am 31. Dezember 1950 wurde Bartelt in Grevesmühlen mit amtlicher Urkunde offiziell für tot erklärt.

Die abgeschriebenen Aufzeichnungen der Briefe von Wilhelm Bartelt sind dem Wismarer Stadtarchivar zugesandt worden. Jörn bekommt seit einiger Zeit viele solcher Zeitdokumente. Das hat unter anderem damit zu tun, dass der Verein „Freunde und Förderer des Archivs der Hansestadt Wismar“ unter Federführung des Stadtarchivars zwei Bücher herausgegeben hat, die auf große Resonanz in Nordwestmecklenburg stoßen. Die Bände beschäftigen sich mit dem Leben in Wismar in der Zeit von 1945 bis 1949 – und in diesem Zusammenhang auch mit der großen Anzahl von Flüchtlingen, die damals in der Hafenstadt strandeten.

Flüchtlingszahlen damals und heute

„Wenn man sich überlegt, dass auch Wismar damals zerstört war, zumindest zum Teil, die Menschen in jedem Fall viel beengter lebten als heute“, sagte Jörn, „und es im Jahr 1945 insgesamt 32 000 Einwohner in Wismar gab, in 1948 dann nur noch 31 000 Einheimische und 16 500 Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten erscheint einem die Diskussion im Jahr 2016 in der Stadt und im Landkreis um die Syrer komplett absurd.“

Nicht nur die Bücher, die Jörn an diesem Abend auch vorstellte und die Aufzeichnungen des Pastors stießen auf große Resonanz bei den historisch interessierten Friedrichshagener Vereinsmitgliedern – auch der Film, den der Stadtarchivar ganz zu Beginn vorführen ließ. In dem Dokumentarfilm „Flucht und Neuanfang 1945 - 1949 – Wismarer Zeitzeugen kommen zu Wort“ werden Wismarer Schüler begleitet, die Zeitzeugen des Endes der Kriegszeit befragen. „Menschen“, wie Nils Jörn sagte, „von denen es nur noch wenige und bald gar keine mehr geben wird.“Der Film ist in Zusammenarbeit mit dem Wismarer Gymnasium entstanden. Er ist den beiden Büchern beigelegt.

Neuer Vorstand ist der alte Vorstand

Nach einem kleinen, wie immer wohlschmeckenden Imbiss – für den sich Vereinsvorsitzender Joachim Schünemann „herzlich bei den Vereinsmitgliedern bedankte, die jede Veranstaltung des Vereins auf diese Weise freiwillig unterstützen und damit zu ihrem Gelingen auf maßgebliche Weise beitragen“, ging es um die Aktivitäten des Vereins sowie die Entlastung und Neuwahl des Vorstandes. Schünemann sprach von Erreichtem und Geplantem – in diesem Jahr soll die Freitreppe zur Kirche, die es einmal gab, neu gebaut und auch die Feldsteinmauer daneben restauriert werden. „Dass es passiert, ist klar“, so Joachim Schünemann. „Wir haben aufgrund einer großzügigen Spende genug Mittel.“ Wie weitreichend die Baumaßnahmen gestaltet werden können, hängt aber noch von der Genehmigung von Fördermitteln ab.“

Auch die Planungen für den zweiten Bauabschnitt des Turmes der Friedrichshagener Kirche kommen langsam ins Rollen. In diesem Zusammenhang, erklärte der Vereinsvorsitzende, wird sich der Verein auch um das Glockengeläut der Kirche kümmern, das seit Kurzem verstummt ist. „Aus Sicherheitsgründen“, wie Schünemann erklärte, „die Aufhängung ist schadhaft und einfach nicht mehr stabil genug.“ Joachim Schünemann wurde einstimmig als Vereinsvorsitzender wiedergewählt, zweiter Vorsitzender wurde erneut Hans-Heinrich Greves.

Wo gibt es Bücher und DVD?

Wer Interesse an den beiden Bänden hat, die sich mit den Jahren 1945 - 1949 in Wismar beschäftigen, kann sich an das Stadtarchiv in Wismar wenden. In der Erstauflage 300 Bücher (Ausgabe mit jeweils zwei Büchern) verlegt – 200 davon sind bereits verkauft. Der Preis der Bücher inklusive DVD mit dem Film beträgt 30 Euro.

Wismars Stadtarchivar Nils Jörn hat versichert, „dass nachgedruckt wird, wenn der Bedarf da ist.“

Archiv der Hansestadt Wismar

Besucheranschrift: Gerberstraße 9a, Altwismarstraße 7 - 17

23966 Wismar

☎ 03 84 1 / 25 14 08 1

Annett Meinke

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