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Grevesmühlen Die Holländer und Roggenstorf
Mecklenburg Grevesmühlen Die Holländer und Roggenstorf
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00:05 26.01.2018
Roggenstorf

/Tramm. Die Wagner-Oper „Der fliegende Holländer“ heranzuziehen, wenn man auf das Leben des Holländers Ben Straathof schaut – der mit seiner Frau Astrid seit über zehn Jahren in der Gemeinde Roggenstorf lebt – mag weit hergeholt erscheinen. Schließlich ist Ben Straathof nicht verflucht, mit einem Geisterschiff auf den Weltmeeren zu kreuzen – und sein Erscheinen in Roggenstorf hat der Gemeinde definitiv kein Unglück gebracht.

Ben und Astrid Straathof mit dem kleinen Alaskan Malamute „Indi“.

Dennoch, ein paar Parallelen kann man schon ziehen, zwischen dem niederländischen Kapitän Bernhard Fogge – der Gott und den Naturgewalten trotzte und sie verfluchte, als er versuchte, das Kap der Guten Hoffnung zu umsegeln – und dem Leben von Ben Straathof.

Zum einen ist der gebürtige Den Haager eine Art Unruhegeist – zumindest hat er schon mehrfach den Wohnort gewechselt und an verschiedenen Orten in den Niederlanden und in Deutschland gewohnt und gearbeitet. Von sich selbst sagt er denn auch: „Untätigkeit und Gleichförmigkeit sind nicht meins.“ Zum anderen spielt eine Reise durch ganz Europa bis hoch zum Nordkap eine wichtige Rolle im Prozess der Entscheidungsfindung der Straathofs, nach Nordwestmecklenburg zu kommen. „Meine Frau und ich waren in unseren 50ern, die drei Kinder waren groß (inzwischen haben die Straathofs sieben Enkel, Anm.

der Redaktion) und irgendwie hatten wir das Gefühl, noch einmal etwas Neues wagen zu wollen.“

Auf besagter Reise durch Europa schauten die Straathofs sich um – auch dahingehend, wo es ihnen wohl gefallen könnte. Acht Monate waren sie unterwegs und kamen irgendwann auch nach Nordwestmecklenburg – besuchten Lübeck, Wismar, Schwerin. Dann kam das Angebot eines niederländischen Landwirts an Ben Straathof, für ihn in Mecklenburg zu arbeiten. Straathof hatte zuvor in den Niederlanden über 30 Jahre als kaufmännischer Leiter und Finanzmanager in der Petro-Chemie und in der Leder- und Textilbranche gearbeitet, erzählt er. Er entschied sich, das Angebot des Landwirts anzunehmen.

2003 kauften die Straathofs sich das über 6000 Quadratmeter große Grundstück in Tramm, und Ben Straathof tat, was ein Mann mindestens einmal im Leben tun sollte – ein Haus bauen. Er baute das Haus zwar nicht komplett selbst, aber er entwarf es. Und zwar genau so, wie es zum Leben der Familie passt. „Die Küche liegt nach Osten, dort geht morgens die Sonne auf, und man kann das Frühstück mit ihr genießen. Das Esszimmer, in dem man viel Zeit verbringt, sitzt und redet, ist nach Süden ausgerichtet, damit abends dort die Sonne reinscheint. Die Schlafzimmer liegen im Nordosten, damit man gut schlafen kann.“

Dass Ben Straathof gut zehn Jahre später, im Jahr 2014, Bürgermeister in Roggenstorf werden würde, ahnte er da noch nicht. „Ich wusste auch nicht, wie anspruchsvoll so ein Ehrenamt ist“, sagt Ben Straathof. „20 Stunden pro Woche brauche ich mindestens.“ Andererseits ist der Holländer überzeugter Demokrat: „Ich bin immer dafür, positiv nach Lösungen zu suchen.“ Und Gemeinschaft bedeutet ihm viel. Deshalb stellt er seine Finanzkenntnisse auch dem Rechnungsprüfungsausschuss der Stadt Grevesmühlen und dem Amt Grevesmühlener Land zur Verfügung – und wird demnächst seine Erfahrungen auch im Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft Amt-Land einbringen.

Astrid Straathof, deren Ausbildung als Krankenbetreuerin in Deutschland nicht anerkannt wurde, hat zunächst Sprachunterricht in Rostock gegeben. Inzwischen kümmert sie sich um die Ferienwohnung, die die Straathofs betreiben, und ist offizielle, von Reiseveranstaltern gebuchte Stadtführerin für Lübeck, Grevesmühlen, Rostock, Stralsund, Wismar und die Insel Rügen. Der vielleicht gravierendste Unterschied zur Geschichte vom herumgeisternden „Fliegenden Holländer“ ist: Die Straathofs scheinen angekommen zu sein und nicht vorzuhaben, Nordwestmecklenburg so bald wieder zu verlassen.

Annett Meinke

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