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„Die Insel“: Wie geht es weiter in Grevesmühlen?

Grevesmühlen „Die Insel“: Wie geht es weiter in Grevesmühlen?

Der Verein steht finanziell auf wackligen Füßen / Verhandlungen für Übernahme durch das DRK laufen / Einige Mitarbeiter fühlen sich betrogen

Grevesmühlen. So recht kehrt keine Ruhe ein im Verein „Die Insel“ in Grevesmühlen, nachdem ein anonym verfasstes Flugblatt in der Stadt verteilt worden war (die OZ berichtete). Darin heißt es unter anderem, dass der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der zum September eine Übernahme des Vereins anstrebt, diesen vorsätzlich in die Insolvenz führen wolle. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche sollten mit einer Satzungsänderung die Weichen für den Betriebsübergang gestellt werden. Doch dazu kam es nicht. Die entsprechende Mehrheit fehlte.

Die Mitarbeiter, die gegen die neue Satzung stimmten, seien nicht gegen die Übernahme durch den Landesverband, betont Vereinsmitglied Rainer Schiffel. Vielmehr ginge es darum, wie mit den Mitarbeitern umgegangen werde. Dem pflichtet die ehemalige Geschäftsführerin Lilo Martschinke bei. Ihr war zum 15. Mai fristlos gekündigt worden – nach Aussage von Thilo Rau vom DRK-Landesverband, der bis zum Betriebsübergang die Geschäftsführung übernimmt, mit der Begründung, „weil sie große Fehler gemacht hat“, die nicht zum Wohle des Vereins gewesen seien. Mit Wirkung zum 27. Juni hat Lilo Martschinke nun auch noch ihr Amt als zweite stellvertretende Vereinsvorsitzende niedergelegt. Sie begründet das mit Vorgehensweisen im Verein und in den Einrichtungen, „die ich mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann. Die Leistungen unserer Mitarbeiter werden mit Füßen getreten, sie werden belogen, betrogen, genötigt und erpresst.“ So würden sie seit zwei Monaten bedrängt, neue Arbeitsverträge zu unterschreiben. Die gibt es in der Tat, bestätigt Thilo Rau. Von den 73 Mitarbeitern hätten neun noch nicht unterschrieben. Sicherlich habe es Nachfragen gegeben, wann das der Fall sein werde, „aber ich habe keinesfalls jemanden bedrängt“, versichert er. Warum es von einigen noch keine Unterschrift gibt, kann er nur vermuten. Eingearbeitet worden sei unter anderem eine Ausschlussklausel hinsichtlich eines Rückforderungsanspruchs, nachdem nun die Löhne angepasst werden sollen. Unmut gibt es bei Vereinsmitgliedern auch darüber, dass das Vermögen und das Inventar des Vereins – so besagt es die neue Satzung – im Falle einer Auflösung nicht mehr an den als gemeinnützig anerkannten Paritätischen Wohlfahrtsverband Mecklenburg-Vorpommern übergehen soll, sondern an die DRK-Soziale Betreuungsdienste MV – und diese Satzung soll noch vor dem eigentlichen Betriebsübergang gelten. Viele befürchten, dass der Verein absichtlich gegen die Wand gefahren werden soll, heißt es. „Dieser Schritt ist uns vereinsrechtlich empfohlen worden“, erwidert Rau.

Die Verhandlungen mit dem DRK-Verband habe Lilo Martschinke selbst angeschoben, so Rau. Er bestätigt, dass der Verein nicht mehr auf gesunden Füßen stehe. Schulden an den Landkreis im sechsstelligen Bereich seien zunächst gestundet worden. Bis zum 30. September sollen sie beglichen sein. Deshalb auch der Betriebsübergang, damit DRK-Mittel in den Verein fließen können, so Rau, der betont, dass die Befürchtungen mancher Mitarbeiter und Vereinsmitglieder nicht eintreten werden: „Wir werden keine Häuser schließen. Der Verein hat eine Zukunft.“ In einen Großteil der Häuser soll sogar investiert werden. Mitarbeiter äußerten gegenüber der OZ, dass das DRK keinerlei Erfahrung im Umgang mit psychisch kranken Menschen hätte und diese Klienten abgestoßen werden könnten. „Wir sind mit dem Verein fachlich gut aufgestellt, er hat erhebliches Potential“, so Thilo Rau. Diese Menschen würden hier weiterhin aufgefangen.

Zahlen und Fakten über den Verein

73 Mitarbeiter zählt der im Jahr 1994 gegründete Verein „Die Insel“. 47 Vereinsmitglieder sind aktuell registriert. Vorsitzender ist Andreas Wöhlbier. Einen ersten und zweiten Stellvertreter gibt es derzeit nicht. Im Vorstand arbeiten außerdem Torsten Kossyk, Lars Prahler und Margot Röllig. Die Wahl von Lars Prahler zum 1. Stellvertreter scheiterte in der vergangenen Woche. Darauf reagierte der Kopf des Vereins und bestellte gerichtlich einen Notvorstand.

Betreut werden etwa 200 Klienten mit psychischen Beeinträchtigungen und Suchterkrankungen (sogenannte Doppeldiagnostik) in Wohngruppen, Tagesstätten und in ambulant betreuten Bereichen in sechs Häusern: zwei in Grevesmühlen und jeweils eins in Mühlen Eichsen, Gadebusch, Wismar und Poischendorf.

Jana Franke

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