Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Die Lichtspiele in der Region
Mecklenburg Grevesmühlen Die Lichtspiele in der Region
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:32 16.05.2017
Der „Filmpalast“ in Grevesmühlen wurde schon in der NS-Zeit errichtet. 80 Jahre nach seinem Bau steht er heute wieder zum Verkauf.

Beim Filmkunstfest in Schwerin, das vor wenigen Tagen endete, wurden mehr als 150 Filme gezeigt. Doch ansonsten ist es in der Region eher schwierig, einen Streifen zu sehen, ohne dafür den Fernseher oder den Rechner anzuschalten. Um ein Kino zu besuchen, ist eine Fahrt bis Wismar, Schwerin oder sogar Lübeck nötig. Einige Kommunen verfügen aber auch heute noch über Kinos, die zum Teil auch noch Filme vorführen.

Das einzige Kino im Landkreis steht in Wismar. Noch vor einigen Jahren gab es in vielen Orten der Region Lichtspieltheater. Was ist eigentlich aus den Häusern geworden?

Hightech-Filmbühne in Schönberg

Die „Orpheum Lichtspiele“ in Schönberg zählen dabei zu den technisch am besten ausgerüsteten Kinos. So sind Tonanlage und Projektoren jederzeit einsatzfähig. 1991 stellten die Fritz-Reuter-Lichtspiele den Kinobetrieb in Schönberg wegen zu geringer Einnahmen ein. 1995 eröffnete Stefan Scholz das Kino wieder – als Orpheum-Lichtspiele. 2003 endete der regelmäßige Spielbetrieb aus finanziellen und zeitlichen Gründen. Seitdem ist das Kino gelegentlich Schauplatz von Sonderveranstaltungen. Wie zum Beispiel am 20. Mai, dann tritt die Cross Jazz Company im Orpheum auf.

Grevesmühlener Filmpalast seit 2001 geschlossen

Anders als dem Orpheum erging es dem Grevesmühlener „Filmpalast“. Im Kinogang zwischen Sparkassenplatz und Wismarscher Straße wurde das Lichtspielhaus am 26. Februar 1937 eingeweiht. 2001 lief dort der letzte Film über die Leinwand. Zu wenig Zuschauer, zu wenig Auswahl, zu hohe Preise. Die Grevesmühlener fuhren stattdessen nach Wismar, Schwerin oder Lübeck in die Kinos. Dabei hatten die Stadt und der damalige Betreiber Peer Kretschmar einiges versucht, um das Traditionshaus zu retten. So investierte Kretschmar Ende der 1990er Jahr nach eigenen Angaben rund 200000 Mark in eine neue Soundanlage. Die alten Stuhlreihen wurden gegen komfortable Sessel ausgetauscht. Sogar ein Förderverein gründete sich in der Stadt, um das Haus zu beleben. Ideen gab es reichlich. Von Filmabenden war die Rede, von Themenwochen und speziellen Angeboten. Doch selbst 1000 Besucher in einer Woche als 1998 der Film „Titanic“ Premiere feierte, reichten nicht, um das Haus rentabel zu betreiben. Am 25. Januar 2001 wurde der Filmpalast endgültig geschlossen. Seitdem gab es etliche Versuche, das Haus zu verkaufen, das immer mehr verfällt. Von der Idee, in Grevesmühlen wieder ein Kino zu betreiben, haben sich die Einwohner längst verabschiedet. Ein Abriss ist derzeit vermutlich die einzige Lösung.

Leere „Strandfilmbühne“ brannte aus

Ein noch ärgeres Los als das Grevesmühlener Kino hat die „Strandfilmbühne“ aus Boltenhagen ereilt. Das Gebäude an der Strandpromenade 30 wurde ebenfalls 1937 eröffnet. In

der ehemaligen DDR wurde es von der Bezirksfilmdirektion Rostock betrieben. Direkt neben dem FDGB-Ferienheim „Am Strand“ gelegen, blieb die Strandfilmbühne zwar noch bis 2004 bestehen, allerdings wurde schon 1996 von einer leichten Baufälligkeit gesprochen. Bis 2003 wurde das Kino dennoch weitergeführt und brannte nach etwa einem Jahr Leerstand aus. Seit seiner Schließung waren Pläne zur Nutzung des Geländes und zur Wiedereinführung eines Kinos im Gespräch. So wurde unter anderem ein Badeteich auf dem Gelände der ehemaligen „Strandfilmbühne“ geplant. Im Jahr 2010 folgte der Abriss der Brandruine des Lichtspielhauses. Als Ersatz diente im letzten Jahr ein Kino-Wagen, der im Sommer in Boltenhagen einige Vorstellungen ermöglichte.

Frischer Wind in der Alten Molkerei

Anders als die bisherigen Häuser ist der Standort in der Alten Molkerei in Klütz, ein eher kleines Kino. Die Molkerei wurde 1889 als Genossenschaftsmolkerei gemeinsam von Klützer Landwirtschaftsbetrieben gegründet. Die Molkeprodukte, wie das „Klützer Gold“, wurden sogar in das Ausland exportiert. 1990 wurde die Molkerei im Verlauf der Wiedervereinigung geschlossen. Nach etwa zwanzig Jahren bezog Georg Heilmann dann das Gebäude mit seiner Galerie „Kein Käse“. Heute sind durch den Zuzug weiterer Künstler neben einer Mosterei und Brennerei auch andere Ateliers und Ausstellungsräume vorhanden. Heutzutage kann man in vier Galerien die Werke von über vierzig engagierten Künstlern betrachten.

Filmvorführungen im Winter

im Café Miluh

Als Mitglied des Landesfilmverbandes MV zeigt das „Café Miluh“ monatlich einen Film, wobei die Vorführungen nur ein Teil des umfangreichen Veranstaltungskalenders sind. Am ersten Samstag im Monat wird ein zumeist aktueller Film von Inhaber Stephan Peters gezeigt. Als Teil des Programms „Kino op’n Dörp“, an dem sich 50 kleinere Programmkinos in Mecklenburg-Vorpommern beteiligen, richtet sich das Angebot vor allem an Einheimische. Laut Stephan Peters „kamen anfänglich fünf bis sechs Leute zu den Vorstellungen im Café, aber mittlerweile ist es teilweise mit maximal 70 Personen voll besetzt“. Da im Sommer viele Einheimische durch die Tourismus- oder Landwirtschaftsbranche wenig Zeit haben, finden die monatlichen Kinovorstellungen nur in der dunklen Jahreszeit statt.

Von September bis Mai werden aktuelle Filme gezeigt, die sich natürlich auch nach dem Klientel richten. Am 6. Mai fand die letzte Vorstellung dieser Saison statt. Mit dem Film „Ich bin dann mal weg“ konnten sich die Besucher dementsprechend von den Kinoabenden verabschieden. Bis zum September müssen sich die Klützer nun noch gedulden, um wieder einen Abend vor dem Projektor verbringen zu können.

Erste Filmvorführung Ende des 19. Jahrhunderts

Die Vorläufer der modernen Kinos waren Schaubuden auf Jahrmärkten, die mithilfe von Stereoskopen optische Täuschungen und dreidimensionale Bilder zeigten. Unter Thomas Eddison wurde zwischen 1892 und 1893 das Kinetoskop entwickelt, ein sogenannter Guckkasten, mit dem man durch ein Okular bewegte Bilder sehen kann. Dabei wurde ein Zelluloidfilm durch einen Elektromotor in einer Endlosschleife am Okular vorbeigedreht und von einer Glühlampe angestrahlt. So wurden mit der Zeit eine Vielzahl von Kinetoskop-Salons

eröffnet.

1895 wurde in Frankreich der Cinématograph durch die Gebrüder Lumière patentiert. Mit diesem Gerät war es möglich, Filme abzuspielen und ebenso Filme aufzunehmen. Mit dem Verkauf ihres Patents an Charles Pathé begann die industrielle Revolution des Films. Bis 1912 ließ Pathé mehr als 800 Filme drehen und mit dem „Omnia-Pathé“ entstand 1906 die erste Kinohalle in Paris.

Maximilian Schütz

Mehr zum Thema

Jeden letzten Freitag im Monat erkundet Gruppe die Region

12.05.2017

Mit Piraten, Affen und Aliens geht Hollywood auf Nummer sicher. Fortsetzungen und Spin-Offs prägen den Kinosommer. Aber starke Frauen und knackige Bademeister sorgen für Abwechslung.

12.05.2017

Für die Verteilung der Mittel werden Mitglieder des Marlower Tschernobylvereins selbst in den Kreis Leltschizy reisen

15.05.2017

Grevesmühlenerin hatte mehrfach mit Bomben gedroht

16.05.2017

In vier Wochen wird im Städtischen Museum Grevesmühlen die Ausstellung zum 200. Geburtstag von Luise Reuter eröffnet.

16.05.2017

Rumänen gaben sich in Wismar als Spendensammler aus

16.05.2017
Anzeige