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Grevesmühlen „Die Lidahilfe ist nie aus meinem Leben verschwunden“
Mecklenburg Grevesmühlen „Die Lidahilfe ist nie aus meinem Leben verschwunden“
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21:23 04.05.2018
Mit diesem blauen Sack schaffte es Grevesmühlen ins Guiness-Buch der Rekorde. Claus Adamoschek (65) hat die Aktion mit initiiert. JANA FRANKE Quelle: Fotos: Privat/
Grevesmühlen

Können Sie sich noch erinnern, dass es Grevesmühlen einmal ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat? Genau genommen war es der Jugendbund Deutscher Regenbogen – und zwar mit einem Sack aus Planenstoff. 8,20 Meter hoch und drei Meter im Durchmesser war das Ungetüm, zur Hälfte mit Spielzeug gefüllt. Übergeben wurde das an die Bundeswehr, die es wiederum verschiedenen SOS-Kinderdörfern spendete. Beim Jugendbund war zu der Zeit die Lidahilfe organisiert. Mit im Boot saß der Mediziner Dieter Schwanbeck aus Wotenitz. Und der handelte mit der Bundeswehr einen Deal aus: Spielzeug gegen Arzneien, die zwar nicht abgelaufen, aber sowieso aussortiert werden. Mehrere Pakete wurden nach Grevesmühlen geschafft, die letztlich in Lida landeten.

An die Aktion aus dem Jahr 2000 erinnert sich Claus Adamoschek sehr gern zurück. „Die Leute sind sogar aus Hamburg gekommen, um den größten Sack der Welt zu sehen“, erzählt der 65-Jährige, dem es zu verdanken ist, dass es die Lidahilfe gibt. Damals in der führenden Riege des Jugendbunds aktiv, reiste er in dessen Auftrag im Jahr 1993 nach Weißrussland. Peter Wulff aus Grevesmühlen arbeitete damals als Polier dort und somit hatte Claus Adamoschek einen bekannten Ansprechpartner vor Ort. Die Mission Adamoscheks: Wo kann der Jugendbund etwas Hilfreiches vor Ort tun. In Lida angekommen, sei er entsetzt gewesen, wie groß die Schere zwischen Arm und Reich dort ist. „Die, die Geld hatten, haben es mit großen Häusern und großen Autos auch gezeigt“, erinnert er sich. Daneben gab es aber auch viel Armut. So fiel die Entscheidung, direkt vor Ort in Lida Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, wie es Claus Adamoschek nennt.

Zurück in Deutschland, rief der Jugendbund Deutscher Regenbogen Menschen aus Grevesmühlen und Umgebung zu Spenden auf. Bereits zwei Monate später wurde die erste Reise nach Weißrussland organisiert – und es folgten viele mehr. Kleidung, Spielzeug und Lebensmittel in Konservendosen beispielsweise transportierten die Helfer an Kinder- und Jugendeinrichtungen und später an Krankenhäuser oder andere Seniorenheime. Zwar fand sich die eine oder andere gespendete Dose Ananas auf dem Markt in Lida wieder, „aber das hat ihnen dann ja auch irgendwie weitergeholfen“, meint Adamoschek. Neben den Spenden wurden auch Jugendcamps organisiert, erinnert er sich. „Wir fuhren mit unseren Kindern und Jugendlichen hin und Kinder und Jugendliche von dort besuchten uns.“

Im Jahr 2003 war Claus Adamoschek das letzte Mal in Lida. Mit der Auflösung des Jugendbunds drohte auch die Lidahilfe zu zerbrechen. Sie schloss sich einem anderen Verein an, der Osteuropafreundschaftsgesellschaft.

Claus Adamoschek wirkte fortan nicht mehr mit; aus Zeitgründen, wie er sagt. „Aber eigentlich bin ich nicht weg gewesen, die Lidahilfe ist nie aus meinem Leben verschwunden.“ Deshalb ist es selbstverständlich für ihn gewesen, dass er mit dem Jubiläum der Lidahilfe noch einmal die Reise in den Ort antritt, gemeinsam mit seinem 13-jährigen Sohn Moritz, der Lida nur vom Erzählen seines Vaters kennt. „Ich bin neugierig, was aus der Stadt geworden ist“, gibt Claus Adamoschek zu. Und auch helfen werde er weiterhin. Auch wenn Stimmen laut werden, dass hier vor Ort oder in Deutschland ebenso Hilfe gebraucht werde, glaubt Adamoschek, „dass wir in der Lage sind, unsere Probleme mit unseren Mitteln zu lösen und darüber hinaus noch anderen helfen können.“

Jana Franke

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1993 haben die Grevesmühlener Peter Wulff und Claus Adamoschek den ersten Hilfstransport von Grevesmühlen nach Lida in Weißrussland organisiert. Am 4. Mai bricht der Hilfskonvoi erneut auf mit drei Lastwagen und zwei Transportern.

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