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Grevesmühlen Die Tassenmacherin aus Dambeck
Mecklenburg Grevesmühlen Die Tassenmacherin aus Dambeck
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00:07 08.03.2018
Dambeck

Was sich erst wie ein leises Knacken anhört, entpuppt sich beim besseren Hinhören fast als ein Klingen – so als schlüge jemand ein ganz kleines Glöckchen für den Bruchteil einer Sekunde an. Christiane Gregorowius klärt auf. „Die Glasur auf zu niedrig gebrannten Gefäßen reißt“, erläutert die Meisterin des Töpferhandwerks eine Voraussetzung für die von ihr hergestellte Craquelé-Keramik. Zum Beweis taucht die 58-Jährige einen Teller in eine dünne, dunkle Glasur. Die lässt die Risse im Nu sichtbar werden.

Christiane Gregorowius mit einer Auswahl ihrer Gebrauchskeramik, die von den Glasurserien „Grün“, „Grün geritzt“ und „Grün-Rot“ dominiert wird. Am liebsten dreht die Töpferin bauchige Formen. Eierbecher eher ungern, weil sie bei so wenig Ton nicht weiß, wo sie die Hände zum Zentrieren lassen soll. Quelle: Foto: C. Roxin

Wer nun wissen will, was anschließend noch passieren muss, damit der Teller seiner eigentlichen Bestimmung nachkommen kann, ist eingeladen, Christiane Gregorowius am 10. oder 11. März in der Töpferei Dambeck während des Tages der offenen Töpferei zu besuchen. Da gibt es dann auch alles zu erfahren über die außerdem im Hause entstehende Gebrauchskeramik der Glasurserien „Grün“, „Grün geritzt“ und Grün-Rot“.

Am Wochenende öffnen 93 der gut 100 in MV ansässigen Keramiker ihre Töpfereien, Ateliers, Studios und Werkstätten. Aus Nordwestmecklenburg machen bei der bundesweiten Aktion zwölf Teilnehmer mit. Viele lassen sich bei ihrer Arbeit zuschauen. Zu den Angeboten gehören nicht nur Drehversuche an der Töpferscheibe oder das Mitmachen beim Rakubrand, es werden auch Einblicke in die verschiedensten Techniken gewährt, die Besucher lernen Brennöfen und Ausgangsmaterialien kennen.

Bei Christiane Gregorowius zum Beispiel können die Besucher Keramik bemalen, die sie anschließend glasiert und gebrannt wieder abholen können. Die Töpferin hat dafür schon viele Gefäße aus weißem Ton vorbereitet. Auch möchte sie den Besuchern die Möglichkeit geben, einfach mal ein Gefühl für ihren Werkstoff zu entwickeln. Dafür wird sie einen Klumpen Ton auf einen Tisch stellen und auffordern, sich am Bau einer Burg zu beteiligen. Das könnte eine durchaus kuschelige Angelegenheit werden, denn neben dem Tisch steht ein Bullerofen, dessen Wärme nicht nur Hauskatze „Susi“ zu schätzen weiß.

Sollte es ihr unter dem Ofen zu heiß werden, habe sie es durchaus schon fertiggebracht, sich während eines Tages der offenen Töpferei einfach auf den Tisch zu legen, an dem gearbeitet wurde, erzählt Christiane Gregorowius lachend.

Die aus Sachsen-Anhalt stammende Töpferin ist übrigens auch diejenige, die den Tag der offenen Töpferei vor zehn Jahren nach Mecklenburg-Vorpommern holte. Berufskollegen aus dem Bundesland, in dem ihre Wiege stand, hatten sie seinerzeit dazu animiert. Gemeinsam mit ihrer Gesellin Lydia Hanf, heute Palm, hat sie damals 45 Berufskollegen begeistert mitzumachen. Ihre vielen persönlichen Kontakte kamen ihr dabei zugute, erinnert sie sich. Andererseits gelang die Kontaktaufnahme mangels Internetaktivitäten auch einfach über die von ihr während Handwerkermärkten gesammelten Flyer. Auch heute noch laufen alle organisatorischen Fäden in Dambeck zusammen. Christiane Gregorowius kümmert sich um Karten, Flyer und Plakate sowie deren Versand an alle Teilnehmer und auch die Internetpräsenz im bundesweiten Auftritt der Aktion. In diesem Jahr organisiert sie sogar das im April auf Poel stattfindende Bundestreffen der Organisatoren aus den einzelnen Ländern.

Über ihr Engagement für den Tag der offenen Töpferei sagt Christiane Gregorowius: „Das ist mein Ehrenamt, andere gehen ins Hospiz.“ Die Aktion begeistere sie, weil jeder mitmachen könne. „Bei jedem Handwerkermarkt muss man sich bewerben, wird gewertet und aussortiert.“ Für Christiane Gregorowius ist es wichtig, dass so viele wie möglich mitmachen. MV gehört inzwischen zu den Spitzenreitern.

Einzige Bedingung: Die Teilnehmer müssen ein Gewerbe angemeldet haben, ihr Beruf gilt dem Broterwerb.

Dass Töpfern zu ihrem werden sollte, stand schon früh fest. „Ich werde mal Tassenmacher“, soll sie ihren Eltern einst gesagt haben, als sie das erste Mal in einer Töpferei war. Den ersten Kursus hat sie dann noch während der Schulzeit belegt und nach dem Abitur in den Coswiger Korksteinwerken Töpferin gelernt, später ihren Meister gemacht. 17 Lehrlinge hat sie inzwischen ausgebildet. Die noch im elterlichen Haus 1982 in Hundorf bei Schwerin gegründete Töpferei zog fünf Jahre später um nach Dambeck, wo Christiane Gregorowius’ Ehemann Eckhart nach dem Studium Arbeit bekommen hatte. Heute sagt die Töpferin: Drei Viertel meines Arbeitslebens habe ich Tassen gedreht, Tassen gehen immer.“

Teilnehmer aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg

Beim Tag der offenen Töpferei in Nordwestmecklenburg am 10. und 11. März dabei: Keramikwerkstatt Diana Hanczyk, Dorfstraße 18, 19069 Seehof; Porzellanwerkstatt Sylvia Ludwig, Moorbrinkerweg 1, 19069 Pingelshagen; Töpferei Birgit Teiner, Lindenallee 18b, 19071 Cramonshagen; „Töpfe zum Leben“ Birke Kästner; Hauptstraße 39, 19071 Dalberg; Keramik Petra Mentz, Pappelweg 3, 19217 Carlow; Rakukunst Antje Rabe, An der Kirche 10, 23936 Börzow; Töpferei Dambeck E. Gregorowius, Töpferweg 1, 23996 Dambeck; Atelier für Keramik/Plastik und Fotografie Lena Biesalski, Waldweg 1, 23996 Hohen Viecheln; „Tonperle“ Karoline Höppner, Hauptstraße 8; 19417 Ventschow; „KlabauterfrauKeramik“ Anne Karpa, Zum Reetmoor 83d, 23999 Poel, Schwarzer Busch am Hundestrand; „strandgut-keramik“, Astrid Rohmer, Kalsow 7; 23970 Kalsow; Keramikwerkstatt Vogelsang Dörte Michaelis; Vogelsang 10; 23974 Neuburg OT Vogelsang.

Die Ateliers und Werkstätten haben am Wochenende in der Regel zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.

Info: Teilnehmer und konkrete Angebote unter: www.tag-der-offenen-toepferei.de

Cornelia Roxin

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