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Grevesmühlen Diebe räubern in Kirchen und auf Friedhöfen
Mecklenburg Grevesmühlen Diebe räubern in Kirchen und auf Friedhöfen
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03:31 11.09.2013
Hat sich auf das Beichtgeheimnis berufen und den Namen des Diebes verschwiegen. Quelle: Norbert Wiaterek

Diebe in Nordwestmecklenburg machen auch vor Kirchen kaum noch Halt. Besonders schlimm hat es das Gotteshaus in Dreveskirchen bei Blowatz getroffen.

Unbekannte hatten es auf wertvolle Gegenstände abgesehen. Gestohlen wurden zwei große Kronleuchter, zwei Altarleuchten, ein Kruzifix und ein Stuhl, der einem Thron gleicht. „Das ist ein großer Schreck. Der sitzt uns heute noch in den Gliedern“, sagte gestern Pastorin Sindy Altenburg. Die 34-Jährige hofft, dass die Diebe gefasst werden und bittet wie die Polizei um Mithilfe. Die Schadenshöhe ist noch nicht ermittelt, die Pastorin geht aber von einem höheren Betrag aus. Sie vermutet, dass die Täter gezielt die Gegenstände entwendet hatten.

Wie die Polizei gestern mitteilte, hatte sich der Diebstahl am vergangenen Freitag ereignet. In der Kirche fand ein öffentlicher Filmabend statt. Rund 40 Gäste nahmen teil. Den Beutezug stellte die Pastorin am nächsten Tag fest. Sie erstattete Anzeige bei der Polizei.

Die Beamten konnten an der Kirche keine Aufbruchspuren feststellen. Polizeisprecher André Falke: „Derzeit geht die Kriminalpolizei davon aus, dass sich mindestens ein Tatverdächtiger nach der Veranstaltung am Freitag in der Kirche einschließen ließ und später die Seiteneingangstür von innen öffnete.“ Das denkt auch die Pastorin. Sindy Altenburg: „Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Kirche zu verstecken.“ Das hohe Gewicht der Kronleuchter lässt vermuten, dass mindestens zwei Täter am Werk waren. Zum Gottesdienst am Sonntag soll der Altar, von dem die Leuchten und das Kruzifix gestohlen wurden, wieder würdevoll aussehen. Alle gestohlenen Gegenstände stammen aus dem 19. Jahrhundert. Übrigens war es nicht der erste Diebstahl in der Kirche Dreveskirchen. Im Jahr 2003 war eine Ritterrüstung entwendet worden.

Anderer Tatort — Friedhof Wismar: Rund zehn schmiedeeiserne Tore wurden von historischen Grabzäunen gestohlen. Der Schaden wird auf mehrere tausend Euro geschätzt. Am Montag war bei der Polizei in Wismar die Anzeige eingegangen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Diebstahls und der Störung der Totenruhe. Auch hier wird um Hinweise gebeten.

Einbrüche in Kirchen und auf Friedhöfen kommen neuerdings immer öfter vor. Ende August zum Beispiel hatten es Diebe auf das Büro der Kirchengemeinde Herrnburg-Selmsdorf abgesehen. Sie entwendeten unter anderem eine Geldkassette mit Barem.

Bereits Ende Juni hatte die OZ getitelt: „Wismarer sind empört: Diebe stehlen Metalltore vom Friedhof“. Da waren vier denkmalgeschützte Kunstwerke entwendet worden. Und Verwalterin Grit Schaller-Uhl sagte: „Schlimm war es schon mal vor zwei Jahren. Da fehlten mindestens neun Tore.“ Im vergangenen Jahr war es ruhiger. Nun häufen sich die Diebstähle wieder.

Die Polizeistatistik führt seit Januar noch mindestens drei weitere Straftaten im Zusammenhang mit Kirchen in Nordwestmecklenburg auf: 28. Juli Diebstahl von Kupferfallrohren an der Katholischen Kirche im Turnerweg Wismar, 3. Mai aufgebrochener Schuppen der Neuapostolischen Kirche in Gadebusch (Diebstahl eines Rasenmähers), 18. Januar Diebstahl eines Kupferfallrohres an der Kirche in Warin. Und schon vorher gab es Einbrüche. Im Sommer 2009 zum Beispiel machten Unbekannte in Wismar gleich mehrfach Beute: im Ausstellungsshop am St.-Marien-Kirchturm, in der St.-Georgen- Kirche waren 50 Euro aus dem Opferstock entwendet worden, im Aufbauverein St. Georgen am St.-Georgen-Kirchhof ließen Einbrecher 150 Euro aus einer Geldkassette mitgehen.

Kunstdieb gab seine Beute bei der Beichte zurück
Einer der spektakulärsten Kunst-Diebstähle ereignete sich im Februar 2008 in Wismar. Neun Tage nach dem Diebstahl von zwei Ausstellungsstücken aus dem Stadtgeschichtlichen Museum Wismar waren die Stücke wieder da. Während der regulären Öffnungszeit waren aus Glasvitrinen Kunstgegenstände geraubt worden: ein kleines Kreuz aus Knochen aus dem 15.

Jahrhundert sowie ein Siegelstock aus dem 16. Jahrhundert. Die Gegenstände hatte der Dieb nach einer Beichte bei Roger Thomas übergeben. Der reuige Sünder war zweimal zum Pastor von St. Nikolai gekommen. Beim zweiten Mal brachte der Dieb die Kunstgegenstände mit in das Amtszimmer von Roger Thomas. Das Kreuz und das Siegel waren in Papiertücher gewickelt und steckten zusammen in einem kleinen Plastikbeutel. Der Pastor rief im Museum an, Direktorin Beatrice Busjan und die Sammlungsleiterin Corinna Schubert kamen, und es wurde die Polizei verständigt. Pastor Thomas machte über die Person, die die Stücke gestohlen hatte, keine Angaben. Er berief sich auf das Beichtgeheimnis. Der Pastor damals: „Ziel der Beichte ist auch, dass Dinge wieder in Ordnung kommen. Ich bewahre über alles, was mir gesagt wurde, Stillschweigen.“ Nicht einmal das Tütchen, das ihm präsentiert wurde, habe der Pastor geöffnet. Die Polizei wollte den Täter natürlich ermitteln. Kriminaltechniker waren im Museum, nahmen die Plastiktüte und Taschentücher mit, um sie auf mögliche Spuren zu untersuchen. „Wir setzen die Ermittlungen fort. Ich bin guter Dinge, dass wir noch weitere Hinweise zur Sache erhalten“, sagte damals die Kriminalpolizei. Nach OZ-Infos kam die Polizei dem Täter tatsächlich auf die Schliche — trotz Beichtgeheimnis.Heiko Hoffmann

Heiko Hoffmann

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