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Grevesmühlen Drogen an Schulen: Alkohol und Gras statt Nikotin
Mecklenburg Grevesmühlen Drogen an Schulen: Alkohol und Gras statt Nikotin
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00:00 11.05.2017
Grevesmühlen

In Neuhof bei Bobitz finden Ermittler im Februar eine Drogenplantage – 285 Cannabispflanzen, 2,25 Kilogramm verkaufsfertiges Marihuana und 12000 Euro Bargeld. „Wenn jemand Drogen bekommen möchte, findet er auch einen Weg, an sie zu gelangen“, weiß Nancy Schönenberg von der Polizeiinspektion Wismar. Die gute Nachricht: die Jugendlichen rauchen weniger. Aber sie konsumieren mehr Alkohol und mehr THC – sie kiffen.

Um über Gefahren aufzuklären, besuchen Drogenberater Schulen

Der Besitz ist verboten, es gibt keine geringe Menge im Sinne des Gesetzes.Andrea Schott

Polizei Wismar

30 Prozent der Schüler einer neunten Klasse, so schätzt die Polizei, konsumiert Drogen. Im Regelfall sind es Cannabisprodukte, die geraucht werden.

Schon Siebtklässler kiffen

„Seid ehrlich, wer von euch hat schon mal gekifft?“, fragt Andrea Schott in die Runde. Eine Berufsschulklasse in Nordwestmecklenburg – Namen und Ort bleiben außen vor. „Alles, was in diesen Raum kommt, bleibt in diesem Raum“, ist das Versprechen, das die Beraterin der Polizei den Schülern gleich zum Anfang gab.

Die Schüler sind ehrlich. Fast alle Hände gehen hoch, von so einer Unterrichtsbeteiligung träumen die Lehrer sonst. Die Jugendlichen sind 18, 19, 20 Jahre alt. Andrea Schott nickt, das Ergebnis hat sie erwartet. „Wenn ich in eine siebte Klasse reingehe, melden sich zwei, drei der Schüler auf die Frage. Bei einer neunten Klasse sind es 30 Prozent.“ Nächste Frage: „Und wer könnte mir bis heute Nachmittag Gras besorgen?“ Einige Hände gehen hoch. Auch keine Überraschung für Andrea Schott. „Und wer von euch kennt niemanden, der Drogen konsumiert?“ Keine Meldung. Alle haben in ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis mindestens einen, der kifft. Andrea Schott: „Da melden sich nur welche aus der siebten Klasse.“

Drogenbesitz führt zur Anzeige

Knallhart ist die rechtliche Aufklärung der Beraterin: „Der Besitz ist verboten, es gibt keine geringe Menge im Sinne des Gesetzes. Ihr bekommt immer eine Anzeige.“

Ob das Verfahren zur Anklage kommt, liegt im Ermessen des Richters. Andrea Schott erzählt von einem Berufsschüler im zweiten Lehrjahr, der als Autofahrer kontrolliert wurde. Drogen hatte er nicht dabei, ist aber unter Drogeneinfluss gefahren. „Acht Monate Führerscheinentzug, er musste die Lehrstelle aufgeben!“ Es wird ruhiger in der Klasse, den Führerschein zu verlieren, wäre für die Jugendlichen aus dem Landkreis schrecklich. Wer mit Drogen am Steuer erwischt wird, muss zum „Idiotentest“ und regelmäßige Drogentests machen lassen auf eigene Kosten - der Konsum kann ungeahnt teuer werden.

Kiffen entspannt

Kein erhobener Zeigefinger, kein „Dudu, das darfst du nicht!“. Dass Drogen - Alkohol, Nikotin, Gras, … – ziemlich schlecht sind, wissen die Jugendlichen. Sie saufen und kiffen trotzdem, der eine mehr, der andere weniger.

Andrea Schott erzählt, wie sich das Gehirn in der Pubertät verändert und welche Jugendliche besonders gefährdet sind, es nicht beim einmaligen Ausprobieren, beim ersten Joint zu belassen. Auch eine Frage der Bildung und des Elternhauses, ob Kinder und Jugendliche positiv bestärkt und bestätigt werden in ihrer Entwicklung. Sie fragt ganz direkt: „Wieso kiffst du?“ „Kiffen entspannt“, kommentiert ein Schüler ganz offen. Andrea Schott antwortet: „Wieso brauchst du das zum Entspannen? Das Kiffen ist dann keine Gewohnheit mehr, sondern ein Missbrauch.“

Verhaltensmuster, die von Alkoholikern bekannt sind: der Schüler relativiert seinen Konsum, nennt Ausreden und erzählt von der medizinischen Akzeptanz von Cannabis, reagiert ungehalten. Ist er süchtig? „Probier es aus, eine Woche nicht zu kiffen!“

Dopamin und das Chilligkeitsgefühl

Andrea Schott ist ehrlich: „Drogen machen was Positives. Es geht um das Dopamin, das Chilligkeitsgefühl. Wenn ihr kifft, wird in eurem Hirn das sieben- bis zehnfache an Dopamin freigesetzt. Ihr sitzt in der Ecke und freut euch.“ Die andere Seite: Kiffer stumpfen emotional ab, sind nur noch mit THC im Blut gut drauf, werden abhängig und entwickeln im schlimmsten Fall Psychosen. Und: Kiffen verändert das Gehirn, beeinflusst die pubertäre Entwicklung negativ.

Alkohol und Partydrogen

Droge Nummer eins ist immer noch der Alkohol. Andrea Schott: „Wer jeden Tag ein Bier trinkt, ist Alkoholiker.“ Die Wismarer Streetworkerin Ellen Sawatzki: „Es wird den Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft vorgemacht, die Jugendlichen kommen billig an den Alkohol. Und was will man den Jugendlichen etwas verbieten, was ihnen die Erwachsenen vormachen?“

Nancy Schönenberg: „Es gab in der Region Veränderungen, mittlerweile spielen Heroin und LSD bei den Jugendlichen zum Glück fast keine Rolle mehr, aber die so genannten ,Legal Highs'. Die Jugendlichen bestellen sich beispielsweise im Internet bestimmte Badesalze beispielsweise, die als Drogen missbraucht werden können.“

Nicole Hollatz

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