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„Egal, was kommt: Plüschow bleibt Plüschow“

Plüschow „Egal, was kommt: Plüschow bleibt Plüschow“

Ehemalige und Einheimische erzählen, was sie am Dorf besonders lieben

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Blick vom Park auf das Plüschower Schloss – in dem sich heute das Künstlerhaus befindet – das aber schon immer Herz des Dorfes war.

Quelle: Fotos: Annett Meinke

Plüschow. Eine ehemals Einheimische, zwei „Noch-immer-Einheimische“ und eine einhellige Meinung: Plüschow ist ein romantisches, ruhiges Dorf, umgeben von wundervoller Natur – und egal, was kommt, auch wenn es demnächst zu Upahl gehören sollte – Plüschow bleibt Plüschow. Noch eines wird klar, wenn man sich mit Plüschowern unterhält: Das Schloss ist das Herz des Dorfes und der Gemeinde – nicht erst, seit es das Mecklenburgische Künstlerhaus beherbergt.

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Ehemalige und Einheimische erzählen, was sie am Dorf besonders lieben

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Aufgewachsen, weggegangen – immer wiederkommen

Regina Hacker (60), Pressesprecherin von Grevesmühlen, ist in Plüschow aufgewachsen. „Das Schloss“, erzählt sie, „war schon immer Mittelpunkt des Lebens hier.“ Auch deshalb ist sie froh, sagt sie, dass die Künstler das geschichtsträchtige Gutshaus erhalten. In Regina Hackers Kindheit und Jugend befanden sich im Schloss noch Wohnungen, eine Kneipe, der Kindergarten und das Büro der Gemeinde.

Wenn sie heute das Schloss besucht, sagt sie, „ist es noch immer der gleiche Geruch, dasselbe Gefühl wie damals“.

Ihre Eltern haben sich im Dorf kennengelernt. Ihr Vater, ein „echter Plüschower“, wie sie sagt. Regina Hackers Mutter gelangte in den Wirren des Zweiten Weltkrieges nach Plüschow. Sie wohnte damals zunächst im Schloss, wie so viele Kriegsflüchtlinge. Nach der Hochzeit zog sie in das Elternhaus ihres Mannes – dort, wo Regina Hacker und ihre beiden Brüder aufgewachsen sind, links hinter dem Schloss. „Von dort aus hatten wir einen guten Blick auf das Schloss von hinten, auf seinen Park und die Wiesen rundherum“, erzählt sie.

Es ist genau dieser Blick, an den sie sich heute noch gern erinnert. Auch an die Geborgenheit, die ihr Aufwachsen in Plüschow geprägt hat. „Das Dorf war – und ist es heute noch – so romantisch eingebettet in die Natur“, sagt sie. „Wir Dorfkinder haben damals immer draußen gespielt, zusammen und bei jedem Wetter.“ Sie liebt es immer noch, sagt sie auch, im Frühjahr im Everstorfer Forst unweit Plüschows spazieren zu gehen. „Wundervoll, die Teppiche aus Anemonen“, schwärmt sie. Nach dem Studium in Berlin kehrte sie in ihre Heimat zurück und lebt seitdem in Grevesmühlen, nicht weit von Plüschow entfernt.

Schöner Ort, um in Ruhe zu leben

Zwei andere Plüschower, denen ihr Dorf ebenfalls viel bedeutet, sind hier geblieben. Ulf-Peter Schwarz (56), der den Nordwestmecklenburg-Verlag in Grevesmühlen leitet, ist in Naschendorf – das, wie die Ortsteile Hilgendorf, Meierstorf, Friedrichshagen und Waldeck zur Gemeinde Plüschow gehört – aufgewachsen. Seit 1985 wohnt er direkt in Plüschow, „im Kerndorf“, wie er sagt. Er schätzt Ähnliches an Plüschow wie Regina Hacker: „Die Ruhe und die Natur, ich möchte nirgendwo anders leben.“ Auch er erinnert sich noch genau daran, wie es früher auf dem Schloss zuging, als er noch ein Kind und dann ein Jugendlicher war. „Das war ganz klar das Herzstück des Dorfes. Da wurde im Erdgeschoss Kino gemacht, Disko fand da statt. In den 60er Jahren habe ich im Schloss Mandoline spielen gelernt.

Damals kam extra ein Lehrer mit dem Zug angefahren.“

Die Bahnstation gibt es noch heute, inzwischen allerdings halten Züge hier nur noch auf Bedarf. Früher, erzählt Ulf-Peter Schwarz, befand sich auch noch ein Friseur, ein Arzt, eine Bücherei in den Häusern links neben dem Schloss, die ein Landesfürst einmal für kinderreiche Familien, die auf dem Gut arbeiteten, hatte bauen lassen. Dort, wo auch Regina Hacker in ihrer Kindheit wohnte. Andreas Arndt (35) ist im „Kerndorf“ Plüschow aufgewachsen und lebt heute mit Frau und zwei Söhnen (sechs und zweieinhalb Jahre alt) in Meierstorf – das auch zur Gemeinde gehört. Als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Plüschow engagiert er sich ehrenamtlich für seine Gemeinde. „Auch ich mag ganz besonders die Ruhe hier“, sagt er, „und ich konnte meine Frau sogar davon überzeugen, dass sie hierherzieht.“ Andreas Arndt und seine Frau haben sich jung kennengelernt – er war 18, sie erst 15 und überzeugte Wismaranerin – „up’s dörp“ wollte sie früher nie. Inzwischen, sagt ihr Mann, liebt sie es.

Das mit der Feuerwehr in der Familie Arndt ist „Tradition“, sagt Andreas Arndt. Schon sein Großvater und Vater waren mit dabei. Inzwischen ist Andreas Arndt sogar Wehrleiter. Ob einer seiner Söhne mal in seine Fußstapfen tritt, das wird sich zeigen. „Man weiß ja nicht, wo und welche Berufe sie mal erlernen, ob sie aus der Gegend wegmüssen oder wollen“, sagt er – und fügt hinzu: „Man darf auch nicht vergessen, Feuerwehr ist ein Ehrenamt, das viel Zeit erfordert, die nicht honoriert wird. Es wird immer schwerer, den Nachwuchs davon zu begeistern.“

Nerven braucht man außerdem dafür. Der schlimmste Vorfall, an den er sich als Feuerwehrmann erinnern kann, passierte im Jahr 1997. Damals war er erst 16 Jahre alt. Durch den Ausbruch eines Feuers in einem Haus – wieder links hinter dem Schloss – kam eine ganze Familie ums Leben: Vater, Mutter und eine vierjährige Tochter. Die Bilder hat Andreas Arndt immer noch im Kopf.

Vier Wünsche für die Zukunft von Plüschow

Käme eine gute Fee vorbei und würde Ulf-Peter Schwarz und Andreas Arndt vier freie Wünsche gewähren, was die Zukunft ihres Dorfes und ihrer Gemeinde angeht, so müssten sie nicht lange überlegen. „Ob nun als Teil von Upahl oder weiter eigenständig“, sagt Ulf-Peter Schwarz: „Ruhig soll es bleiben und die Einwohner sollen in Entscheidungen einbezogen werden.“ Außerdem müsste die Straße von Plüschow nach Naschendorf unbedingt saniert werden, sagt Schwarz. Was Zuzug angeht, wünscht sich Andreas Arndt keine großen Erweiterungen: „eher überlegte Lückenbebauung und die Sanierung von Altbeständen, die es noch gibt.“

Annett Meinke

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