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Grevesmühlen Ein Angeklagter legt Teilgeständnis ab
Mecklenburg Grevesmühlen Ein Angeklagter legt Teilgeständnis ab
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11:25 11.04.2013
Dietmar S. aus Demmin begrüßt Rechtsanwalt Alexander Kleinert. Davor der Angeklagte Jörg M. aus Nordwestmecklenburg. Quelle: cornelius kettler

Licht am Ende des Verhandlungstunnels. In einem der größten Drogendealerprozesse des Landes geht es voran. Der Angeklagte Dietmar S. (49) aus Demmin legte ein weiteres Geständnis ab. Durch seinen Rechtsanwalt Daniel Scheibner ließ er am 18. Verhandlungstag im Gerichtssaal verlesen: „Ja, ich habe Kokain in meiner Werkstatt gestreckt und weiterverkauft.“

Eine weitere geständige Einlassung des Angeklagten beinhaltete außerdem, 100 Gramm Kokain an den bereits verurteilten Stefan R. verkauft zu haben. Das lockerte nun endlich auch dessen Zunge als wichtiger Zeuge im laufenden Prozess.

Der 24-Jährige, der bereits zu eigenen Taten geständig und verurteilt in der Justizvollzugsanstalt Bützow seine Haftstrafe wegen Missbrauchs des Betäubungsmittelgesetzes verbüßt, hatte bisher zu Komplizenschaften beharrlich geschwiegen und die Aussage vor der Schweriner Strafkammer wiederholt verweigert. Dabei hatte der junge Mann selbst die Androhung mehrmonatiger Beugehaft in Kauf genommen. Nach eigener Aussage aus Angst vor Rache. Durch das Geständnis von Dietmar S. wendete sich jetzt das Blatt.

Im Zeugenstand entstand bei dem Verurteilten zunächst Verwirrung. Da er von dem Geständnis von Dietmar S. keine Kenntnis hatte, verweigerte er zunächst wie gewohnt die Aussage. Doch vor allem vom Angeklagten Jörg M., der in unmittelbarem Sichtfeld des Zeugen saß, gab es unmissverständliche Zeichen in Form von Körpersprache, die deutlich machten, dass R. sich nicht länger zurückhalten müsse.

Armin Lessel erläuterte dann vom Richterstuhl aus dem Zeugen den neuen Sachverhalt. Daraufhin brach der sein Schweigen und bestätigte die Drogenkontakte mit Dietmar S., dem im Höchstfall eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren droht. Armin Lessel hob die Beugehaft des Zeugen Stefan R. auf.

Lessel hatte zu Beginn des Verhandlungstages einen Verständigungsvorschlag verlesen, der auf Gesprächen zwischen den beteiligten Prozessparteien beruhte, die in der dreiwöchigen Prozesspause stattgefunden hatten. Der Richter hatte fest mit noch weiteren Einlassungen gerechnet und sie auch angekündigt. Ein Trugschluss. Zu endgültigen Einigungen zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Richter kam es erneut nicht. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde bis Mittag „wild nachverhandelt“, wie Lessel es später — deutlich missmutig — nannte. „Wir handeln im Interesse unserer Mandanten“, so die Verteidigung, die das Strafmaß für alle Angeklagten schon deutlich reduzieren konnte.

Auf Nachfrage erklärte Rechtsanwalt Daniel Scheibner, dass es bei den Diskussionen hinter verschlossenen Türen um wichtige Details ging. Unter anderem darum, dass die Angeklagten nicht in jedem Falle auf Dinge verzichten wollen, die bei den Durchsuchungen beschlagnahmt wurden, zum Bespiel Mobiltelefone und private Unterlagen, die in der Asservatenkammer aufbewahrt und ohne ausdrücklichen Antrag nicht rausgerückt werden.

Am Nachmittag erhob Staatsanwalt Michael Otte neue Anklagevorwürfe, die sich auf unerlaubten Waffenbesitz beziehen. Bei allen drei Angeklagten wurde Munition gefunden. Unter der Betondecke eines Gartenhauses in Krassow außerdem ein Maschinengewehr, Revolver, Pistolen, ein Sturmgewehr, Schalldämpfer und Schießkugelschreiber. Gutachten zu den Waffen und Erläuterungen zum Kriegswaffenkontrollgesetz sind für den Verhandlungstag am kommenden Montag festgesetzt. Es werden weitere Geständnisse erwartet.

Fahndungserfolg und Verhandlung
Die Durchsuchung eines Gartenhauses in Krassow nahe Wismar förderte in einem Reisekoffer, einer Kühltasche und zwei Einkaufstüten Rauschgift zutage. Ein Spürhund vom Zoll hatte die Drogen im Februar vergangenen Jahres erschnüffelt.


1,2 Kilogramm Kokain, drei Kilo Amphetamine, vier Kilogramm Streckmittel und 800 illegal produzierte Anabolika-Pillen im Straßenverkaufswert von rund 100 000 Euro wurden beschlagnahmt.


13 Schusswaffen wurden außerdem samt Munition unter einer Betondecke im Boden gefunden. Zum Waffenarsenal gehörten eine Kalaschnikow, ein Sturmgewehr, Revolver, Pistolen, Schalldämpfer und Schießkugelschreiber.


Bei der anschließenden Razzia im Raum Rostock, Wismar, Neubrandenburg und im Verlauf der weiteren Ermittlungen wurden sechs Personen festgenommen, von denen drei derzeit in Untersuchungshaft sitzen. Bei den drei Personen aus Demmin und Nordwestmecklenburg handelt es sich um die Angeklagten Dietmar S., Jörg M. und Marko D.


Die Verhandlungen begannen im Oktober 2012. Der 19. Verhandlungstag findet am 15. April 2013 im Landgericht Schwerin statt.

Ina Schwarz

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