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Grevesmühlen „Ein Gebot der Menschlichkeit“
Mecklenburg Grevesmühlen „Ein Gebot der Menschlichkeit“
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00:12 15.05.2018
Die Besatzung der Sea-Eye holt Flüchtlinge an Bord, die im Mittelmeer zu ertrinken drohten. Bei der Rettungsaktion dabei: Thomas Nifkiffa (2. v. r.). Quelle: Fotos: Sea-Eye 1803 (3), Jürgen Lenz

Das Schlauchboot mit 103 Menschen an Bord drohte unterzugehen. Die Mannschaft der Sea-Eye eilte ihnen zu Hilfe, rettete sie vor dem drohenden Tod durch Ertrinken. „Es ist ein Gebot der Menschlichkeit“, sagt Thomas Nifkiffa. Der 46-jährige Feuerwehrmann aus der Gemeinde Lüdersdorf fuhr 13 Tage als Maschinist auf der Sea-Eye, einem ehemaligen Fischkutter aus Sassnitz, der zum Zweck der Seenotrettung umgebaut wurde. Der gemeinnützige Verein Sea-Eye setzt das Schiff seit April 2016 in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste ein, um nach Schiffbrüchigen und Ertrinkenden zu suchen, Erste Hilfe zu leisten, Flüchtlinge mit Schwimmwesten und Wasser zu versorgen, Verletzte zu versorgen und nach Hilfe zu rufen, sodass die Seenotleitzentrale der italienischen Küstenwache Schiffe schicken kann, die dann die Flüchtlinge an Bord holen. 13448 Menschen haben die Mannschaften der Sea-Eye und ihres Schwesterschiffes, der Seefuchs, seit dem Frühjahr 2016 vor dem Ertrinken gerettet – so die Bilanz der Organisation. Sie betreibt ihr Lebensrettungsprojekt ausschließlich mit freiwilligen Helfern, die ohne Bezahlung mithelfen und auf eigene Kosten zur maltesischen Hauptstadt Valetta fliegen, um dort an Bord eines der beiden Schiffe zu gehen.

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Thomas Nifkiffa aus Boitin-Resdorf hilft bei der Seenotrettung im Mittelmeer.

„Draußen waren wir 13 Tage“, berichtet Thomas Nifkiffa. Was motiviert den Wirtschaftsingenieur dazu, bei der Rettung von Menschen im Mittelmeer mitzumachen? Er antwortet: „Ich bin selbst zur See gefahren und weiß, wie schnell man dem Meer ausgeliefert ist.“ Dann ergänzt der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Neuleben/Boitin-Resdorf: „Es gibt sicherlich auch den Feuerwehr-Aspekt.“ Der Wille, Menschen zu retten, sei wichtig für die Wehren und für die Organisation Sea-Eye. Thomas Nifkiffa sagt, es sei wichtig, sich mit dem Thema „Flucht über das Mittelmeer“ zu beschäftigen und in Notlagen Unterstützung zu leisten. Der freiwillige Helfer erklärt: „Wenn mehr Menschen eine Woche oder zehn Tage für so etwas geben würden, wäre die Welt ein etwas besserer Ort.“ Man könne mehr tun.

Man müsse keine Menschen ertrinken lassen.

Eine funktionierende Seenotrettung existiert in Libyen nicht. Kriegsschiffe aus den USA, europäischen Nato-Ländern und Russland fahren einfach weiter, obwohl auch sie verpflichtet sind zu helfen.

In den 13 Tagen, in denen Thomas Nifkiffa mit neun weiteren Freiwilligen auf der Sea-Eye unterwegs war, bewahrte die Besatzung 267 Männer, Frauen und Kinder vor dem drohenden Tod. Der Boitin-Resdorfer sagt: „Natürlich löst man die Probleme Afrikas nicht, aber die 267 Menschen haben wir vor dem Ertrinken gerettet.“ Wer nicht in einer völlig verzweifelten Lage sei, der flüchte nicht unter diesen Umständen übers Mittelmeer. Die Menschen, um die sich die Retter von Sea-Eye kümmern, hätten schwere Lebenswege hinter sich. Der Verein betont: „Wir leisten keine Fluchthilfe.“ Die Freiwilligen helfen Schiffbrüchigen, die ihnen von der italienischen Leitstelle zur Koordination der Seenotrettung gemeldet wurden oder die sie selbst auf hoher See gesichtet haben.

Thomas Nifkiffa sagt: „Sea-Eye sucht dringend Maschinisten, die mit der Schiffstechnik aus der DDR vertraut sind.“ Das ist der 46-Jährige. Er lernte ähnliche Technik wie die der Sea-Eye während seiner Ausbildung zum Betriebsschlosser mit Abitur beim Fischkombinat Rostock kennen. Bis 1995 fuhr er als Schiffsmechaniker zur See.

Am schwersten in seiner Zeit auf der Sea-Eye war der Anblick leerer Schlauchboote, die im Wasser trieben. Vielleicht hatten Libyer die Menschen an Bord genommen, vielleicht sind sie ertrunken.

Bekannt ist, dass allein im vorigen Jahr mindestens 3116 Bootsflüchtlinge starben.

Jürgen Lenz

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