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Grevesmühlen Eine Frage des Geschmacks
Mecklenburg Grevesmühlen Eine Frage des Geschmacks
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00:00 13.05.2017
So sehen hochkonzentrierte Kaffeetester aus, die Champion werden wollen: Im Finale war Andreas Ohde (l.) dem Mitstreiter Robert Leukefeld überlegen. Quelle: Fotos: Annett Meinke
Upahl

Andreas Ohde bewies den richtigen Riecher: Der 48-Jährige gewann gestern beim „Cupping Championship 2017“ in den Norddeutschen Kaffeewerken (NDKW) in Upahl. Cupping kommt vom englischen Wort „Cup“ (Tasse) und bedeutet eine neue Art von Wettstreit, bei dem es darum geht, Geschmacks- und Geruchsnerven zu beweisen – zum Beispiel, indem man Kaffee probiert und unterscheidet.

Wie riecht’s, wie mundet’s? Upahler Kaffeewerke kürten den besten Tester

Im Wettbewerb gab es sieben Durchgänge. In den ersten sechs musste von drei Tassen Kaffee jeweils die identifiziert werden, die anders schmeckte – zwei stammten von derselben Kaffeemischung, aus derselben Kanne. Der siebte Durchgang war ein Geruchstest – auch hier zweimal dieselbe Mischung, einmal eine andere.

Champion Andreas Ohde ist gebürtiger Grevesmühlener. Früher lebte er in Hamburg, vor ein paar Jahren kehrte er in die Heimat zurück und arbeitet seit 2009 bei den NDKW. Heute ist er technischer Leiter. „Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich das schaffe“, sagte er erfreut.

Finalistin trinkt eigentlich gar keinen Kaffee

59 Mitarbeiter von insgesamt 110 nahmen an dem Wettbewerb teil. Die Kollegen aus dem Labor, die sonst den Kaffee im Werk testen, durften nicht mitmachen. „Das wäre unfair gewesen“, sagt Personalleiterin Susanne Kutschenreiter (50), die den Geschmackswettbewerb auch vorbereitet hat. „20 verschiedene Kaffeesorten wurden in diesem Wettbewerb durchgetestet“, erklärt sie, „Röstkaffee, verschiedene ArabicaSorten.“

Ins Finale zogen vier Kaffeetester ein: Jasmin Westphal, Auszubildende zur Industriekauffrau im dritten Jahr, Andreas Ohde und die Produktionsmitarbeiter Conny Schefe und Robert Leukefeld. Letzterer verließ das darauffolgende Superfinale als Zweiter. Worauf der Mühlen Eichsener, der erst seit Januar in den NKDW arbeitet, „ziemlich stolz ist“, wie er sagte. Er will üben und unbedingt im nächsten Jahr wieder mitmachen. So ähnlich formulierte es auch der im Finale ausgeschiedene Conny Schefe: „Ich werde trainieren und stärker zurückkommen.“ Dass Jasmin Westphal überhaupt so weit gekommen ist, ist ein kleines Wunder – die zukünftige Managementsassistentin trinkt nämlich sonst nie Kaffee, wie sie erzählte.

Die zu testenden Sorten kamen aus einem Werk in Polen, das, wie die NDKW, zum israelischen Kaffeehersteller Strauss Coffee gehört. Während man im Werk in Polen vor allem gemahlenen Röstkaffee herstellt, werden die „pro Jahr 10 000 Tonnen Rohkaffee, die in Upahl verarbeitet werden, zu 90 Prozent zu Instantkaffee und Espressobohnen für den osteuropäischen und israelischen Markt veredelt“, wie Nils Pfeilschmidt, verantwortlich für den Einkauf des Rohkaffees, verrät.

Hintergrund des Wettbewerbs ist, wie Personalleiterin Kutschenreiter erklärt, das Anliegen der Konzernführung, jedem Mitarbeiter die Leidenschaft für Kaffee nahezubringen. Strauss Coffee führt in jedem seiner Werke in 20 verschiedenen Ländern den Wettbewerb durch. Die Upahler nahmen im vergangenen Jahr zum ersten Mal teil. Seit Ende 2016 gehört das Werk offiziell zur Strauss Coffee – vorher produzierte es zwar schon für die Gruppe, gehörte aber noch einem iranischen Eigner.

Weltmeisterschaft wird in der Kantine übertragen

Die jeweiligen Werkssieger dürfen in jedem Jahr mit zum Managementtreffen des Unternehmens fliegen und dort gegeneinander antreten. Das Treffen fand im letzten Jahr in Polen statt, in diesem Jahr wird es in Rumänien sein. Andreas Ohde wird am 19. Juni unter anderem mit dem Geschäftsführer der NDKW, Kai Wassermann, nach Bukarest fliegen. Einen Tag später wird er dann um den Titel „Cupping-Champion der Strauss Coffee“ kämpfen – und falls er es schafft – an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. Da heißt es für die NDKW-Mitarbeiter Daumen drücken. Übertragen wird der Wettbewerb aus Bukarest live – auf dem Bildschirm in der Kantine.

NDKW ist Strauss Coffee

Die Norddeutschen Kaffeewerke (NDKW) gehören seit vergangenem Jahr offiziell zu Strauss Coffee. Vorher hatte das Unternehmen das hochmoderene Werk für seine Produktion von den iranischen Eignern geleast.

Der Umsatz von Strauss Coffee wird mit über einer Milliarde pro Jahr angegeben. Das Unternehmen hat in lokale Kaffeemarken investiert, die führend in verschiedenen Märkten sind, einschließlich Brasilien, Polen, Rumänien, Serbien, Russland, Ukraine und Israel, und diese Marken entwickelt. Strauss Coffee betreibt 14 Produktionsstandorte weltweit und beschäftigt rund 7 500 Mitarbeiter – 110 davon in Upahl bei Grevesmühlen.

Annett Meinke

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