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Wismar Eine Frau steht ihren Seemann

Studentin Rahel Ballentin (21) aus Wismar lebt bald für sechs Monate auf einem Containerschiff

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Volle Kraft voraus: im Maschinenraum des Kreuzliners.

Wismar. Derzeit fährt das Containerschiff „Kleven“ im Rotterdamer Hafen ein, Ende März macht sie in Hamburg fest und von dort mit Rahel Ballentin in See stechen.

 

OZ-Bild

Frau an Bord: Während des sechswöchigen Praktikums auf der „Grand Lady“ besuchte Rahel Ballentin die chinesische Metropole Hongkong, im Hintergrund zu sehen. FOTOS (2): PRIVAT

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Wahrscheinlich Richtung USA. Sechs Monate lässt die 21-Jährige Heimat, Freunde und Familie hinter sich und fährt in fremde Gewässer. Dafür hat sich die Wismarerin entschieden, denn sie studiert am Hochschulstandort in Warnemünde Nautik. Monate auf See werden für sie in Zukunft Alltag.

„Ich habe mich für das Containerschiff beworben, weil mich das interessiert“, erzählt die Studentin. Sechs Wochen hat sie bereits auf einem Kreuzliner gearbeitet, nun der Kontrast. Auf der „Kleven“ – 304 Meter lang, 43 Meter breit und mit einer Gesamt-Tragfähigkeit von 84900 Tonnen – absolviert sie eines ihrer zwei Praktika, die sie für den Bachelorabschluss braucht. „Das wird auf jeden Fall eine Umstellung“, schätzt Rahel Ballentin ihr künftige Arbeit ein. „Kreuzfahrtschiffe legen meist an den schönen Häfen an, man kann von Bord gehen und sich umschauen“, erzählt sie aus ihrer Zeit als Kadettin auf der „Grand Lady“ – 230 Meter lang, knapp 30 Meter breit und Platz für 1260 Passagiere. Singapur, Hongkong, Colombo auf Sri Lanka – diese Städte hat sie so beispielsweise schon gesehen.

„Bei den Containerschiffen beginnt die eigentliche Arbeit jedoch erst in den Häfen mit dem Be- und Entladen. Da gibt es dann eher Freizeit an den Seetagen.“

Die Crew an Bord der „Kleven“ besteht aus 15 Seeleuten. „Es kann gut sein, dass das nur Männer sein werden oder dass ich die einzige Deutschsprachige bin“, sagt die Wismarerin. „Aber das wird bestimmt kein Problem.“ Während ihres Studiums lernt die Hobbyseglerin auch Soziologie und Notfallmanagement. „Menschenkenntnis ist wichtig, denn auf einem Schiff kann man sich kaum aus dem Weg gehen. Auch ein Grundverständnis für die kulturellen Unterschiede ist hilfreich.“ Oftmals werden Philippinos an Bord angeheuert. „Dann gibt es vielleicht Karaokeabende an Bord“, sagt Rahel Ballentin mit einem Lachen. Die Möglichkeit wie an Kreuzlinern, sich in der Freizeit unter die Urlauber zu mischen, entfällt. „Ich hoffe auf jeden Fall, dass es eine Gitarre an Bord gibt. Musikmachen habe ich während den sechs Wochen auf dem Kreuzfahrtschiff echt vermisst.“

Rahel Ballentin wird wahrscheinlich nicht nur die Musik vermissen. „Auf das kommende halbe Jahr auf Schiff blicke ich mit gemischten Gefühlen“, gibt sie zu. Ihre ältere Schwester wird in dieser Zeit heiraten, die jüngere ihren Führerschein machen. „Das Leben hier läuft eben weiter. Aber das ist generell ein Punkt, an den man sich in diesem Beruf gewöhnen muss. Man verpasst vieles in der Heimat.“ Jeder müsse dafür seinen eigenen Rhythmus finden. Nach ihrem Studium ist Rahel Ballentin nautische Offiziersanwärterin. Ihr Wunsch: „Ich möchte schon gern Kapitän sein – auch wenn man sich dann mit mehr Papierkram herumschlagen muss.“

Die Vielfältigkeit macht den Beruf für sie so attraktiv: „Der Kapitän ist wie ein Bürgermeister auf dem Schiff“, erklärt sie. Sei es die Technik, das Medizinische, die Leitung des Teams und natürlich das Nautische – der Kapitän hat den Hut auf. „Viel wichtiger finde ich allerdings den Weg dahin. Deshalb möchte ich sehr viele Erfahrungen sammeln.“

Als nächstes Projekt liebäugelt die Studentin mit dem Ostseeraum – sei es im Fährbetrieb oder auf einem Forschungsschiff. Die Berufschancen seien generell gut, besonders durch die boomende Kreuzfahrtbranche. „Hawaii ist natürlich schöner als Wladiwostok“, spricht Rahel Ballentin über Wunschrouten. „Große Häfen im südlichen Raum fände ich toll.“

Maritime Ausbildung mit langer Tradition

Seit 1952 wird auf dem Campus in Warnemünde maritime Ausbildung angeboten, seit 1969 auch die international anerkannte Seefahrtsausbildung. Vorläufer der Einrichtung ist die 1864 in Wustrow eröffnete Großherzogliche Navigationsschule. Heute als Bereich Seefahrt der Hochschule Wismar fortgeführt,

studieren hier rund

370 Studenten und

circa 100 Fachschüler.

Im Wintersemester 2016/17 starteten 67 Studierende in das erste Semester im Bereich Seefahrt. Angeboten werden folgende Bachelor-Studiengänge: Schiffselektrotechnik, Nautik/Verkehrsbetrieb, Schiffsbetriebs-/Anlagen- und Versorgungstechnik und Marine Engineering (binational, wird nur in Indonesisch angeboten). Operation and Management of Maritime Systems kann als Master studiert werden.

Info: www.hs-wismar.de

Vanessa Kopp

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